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Die Bio-Märkte im November 2025

19.12.2025

Bio-Eiermarkt: Knapp, knapper, Bio-Eier

Der Markt für Bio-Eier befindet sich in einer Phase struktureller Anspannung, die weniger von kurzfristigen Nachfrageschwankungen als vielmehr von begrenzten Angebotskapazitäten geprägt ist. 

Der Eierkonsum in Deutschland nimmt weiter zu, im Bio-Segment zeigt sich jedoch eine deutliche Verknappung. Die vorhandenen Produktionsmengen reichen zunehmend nicht aus, um die stabile bis wachsende Nachfrage vollständig zu bedienen.

Zwar weist die amtliche Statistik für 2024 wieder einen leichten Zuwachs bei den ökologischen Haltungsplätzen und Legehennenbeständen aus, doch steht dieser Ausbau in keinem Verhältnis zum steigenden Bedarf. In den Vorjahren haben viele Betriebe ihre Bioproduktion reduziert oder sind auf Freilandhaltung umgestiegen, da sich diese flexibler vermarkten lässt. Hinzu kommen strukturelle Einschnitte, etwa durch Stilllegungsprogramme in den Niederlanden, die den Bio-Eiermarkt in Nordwesteuropa zusätzlich verknappen. Der internationale Warenstrom kann diese Lücken nur eingeschränkt schließen, da der deutsche Lebensmitteleinzelhandel stark auf regionale Herkunft und Qualitätsstandards setzt.

Biolegehennenplätze

Preislich spiegelt sich die angespannte Lage deutlich wider: Bio-Eier bewegen sich auf einem hohen Niveau und haben sich im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verteuert. Während Verbraucher diese Preissteigerungen bislang akzeptieren, bleibt die Vermarktung von Bio-Eiern in der Verarbeitung schwierig. Dort konkurriert das Bioprodukt mit günstigeren konventionellen Alternativen, sodass eine auskömmliche Honorierung nicht immer gewährleistet ist. Der Bio-Eiermarkt bleibt damit primär ein Endverbrauchermarkt.

Der Markt zeigt sich insgesamt robust. Bio-Eier profitieren von einem hohen Vertrauensbonus bei den Verbrauchern, gleichzeitig bleibt die Vogelgrippe ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Bio-Eiermarkt auch in den kommenden Monaten angespannt bleibt. Das begrenzte Angebot, die hohe Nachfrage und steigende Produktionskosten sprechen für ein anhaltend hohes Preisniveau und grundsätzlich gute Vermarktungschancen für Erzeuger.


Charlotte Wilmes,
Landwirtschaftskammer NRW

Milch: Stabile Erzeugerpreise 

Die Erzeugerpreise für ökologisch erzeugte Milch koppeln sich aktuell von den konventionellen Erzeugerpreisen ab und zeigten auch im November weiter größtenteils eine freundliche Entwicklung. Zwei der in NRW relevanten Biomolkereien zahlten ihren Erzeugern einen gegenüber dem Vormonat um 0,5 bis knapp 1 Cent/kg Milch leicht erhöhten Milchpreis aus. Die anderen drei Molkereien, die im Milchpreisvergleich erfasst werden, zahlten ihren Milcherzeugern einen gegenüber dem Vormonat unveränderten Auszahlungspreis aus.

Bio-Milchpreisvergleich für den November 2025

Rinder: Preise folgen dem konventionellen Markt

Der in diesem Jahr späte Weideabtrieb traf auf eine aufgrund des hohen Preisniveaus geringere Nachfrage.

 Gleichzeitig hatten Landwirte zum Teil Tiere zurückgehalten und auf noch bessere Erlöse zu einem späteren Zeitpunkt gehofft. In der Folge standen die Preise für Kühe und Färsen zunächst unter Preisdruck. Der Preisdruck kam allerdings nach dem Weideabtrieb recht schnell zum Stillstand. Die Jungbullenpreise sind dagegen recht stabil geblieben. 

Schweine: Bioschweinemarkt ohne amtliche Notierung

Die AMI-Meldungen zur Preisentwicklung von Bioschweinen ersetzen eine amtliche Notierung oder einen offiziellen Gleichgewichtspreis. Sie gelten als aussagekräftig, auch wenn gelegentlich Preisänderungen auftreten, die nicht auf eine veränderte Marktlage zurückzuführen sind. Kürzlich erhielt ein großes Verarbeitungsunternehmen keinen Zuschlag für die Verarbeitung und Vermarktung von Biofleisch nach Verbandsstandard. In der Folge bietet es seine Produkte wieder ausschließlich nach EU-Bio-Standard an. Damit entfällt für die Landwirte der Zuschlag für die Produktion nach dem höheren und kostenintensiveren Verbandsstandard.

Getreide: Weizen legt zu

Versuchsstandort Bad Sassendorf

Am Ökogetreidemarkt konnten die Großhandelspreise für Brot- und Qualitätsweizen in diesem Herbst etwas zulegen. Zuletzt hat sich die Nachfrage aber etwas gelegt. Die Preise befinden sich über dem Niveau des Vorjahres und der Preisabstand zwischen Qualitäts-, Brot- und Futterweizen hat sich wieder vergrößert und normalisiert. Auch bei Gerste, Triticale und Roggen liegen die Preise leicht über dem Vorjahr. Die Preise für Ökohafer standen diesen Herbst jedoch unter Druck. Insbesondere Qualitätshafer ist reichlich vorhanden, auch aus dem Ausland. Die Nachfrage ist aktuell überschaubar. Die Preise liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Kartoffeln: stabile Preise, lebhaftere Nachfrage 

Die Erzeugerpreise für Biokartoffeln bewegen sich seit Anfang Oktober stabil auf einem Plateau von 35 bis 40 €/dt (netto, lose franko Packbetrieb) und liegen damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 76,00 €/dt. Anders als im konventionellen Anbau konnten bei den Biokartoffeln bisher keine Lageraufschläge durchgesetzt werden. Auch für die kommenden Wochen erwarten die Marktbeteiligten keine Preisänderungen. Die Nachfrage nach Biokartoffeln hat aktuellen Ergebnissen einer AMI-Analyse zufolge im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat signifikant um 29 % angezogen. Dennoch liegt die Nachfrage privater Haushalte in Deutschland im Jahr 2025 (Januar bis Oktober) laut AMI weiterhin deutlich unter dem ebenfalls schwachen Vorjahreswert. Ähnlich wie im konventionellen Anbau, wird mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft eine Belebung der Nachfrage erwartet. Die infolge einer erneuten Anbauausdehnung und normaler bis überdurchschnittlicher Bruttoerträge umfangreiche diesjährige Biokartoffelernte wird Marktbeteiligten zufolge bis weit ins neue Jahr reichen – auch wenn die Qualitätsabzüge gestiegen sind und gegenwärtig vielfach über dem Niveau des Vorjahres liegen. 


Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Fachbereich 54 – Markt, Qualitätsmanagement