In diesem Jahr wurden zwei Kartoffelsortenversuche auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben durchgeführt. Seit über 27 Jahren führt die Landwirtschaftskammer Öko-Kartoffelsortenversuche durch. Anfänglich wurden etwa neun Sorten jährlich geprüft, später bis zu 50 Sorten. Derzeit stehen 34 Sorten in den Versuchen.
Auf zwei Standorten - in Viersen/Willich-Anrath und Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück - wurden weitestgehend sehr frühe bis mittelfrühe Sorten mit überwiegend festkochenden oder vorwiegend festkochenden Kocheigenschaften getestet. Dabei handelt es sich um einen sandigen Lehm in Viersen und einen Sandstandort in Gütersloh.
Tabelle 1: Standortdaten
Das Jahr 2025 im Verlauf
Insgesamt war das Frühjahr 2025 recht entspannt: Bei gutem Wetter konnten viele Feldarbeiten planmäßig ohne besondere Eile erledigt werden. Dennoch waren die Bedingungen für die Kartoffeln nicht überall so gut. Anhaltende trockene Tage mit frühlingshaften Temperaturen ab Mitte März schafften zwar gute Bodenbedingungen für die Pflanzung. Das fehlende Wasser Anfang April wurde aber schon zum Problem. So wurde vielerorts, nicht nur auf sandigeren Böden, schon sieben bis zehn Tage nach dem Auflaufen eine Reduktion des Knollenansatzes beobachtet. Dies führte im weiteren Verlauf der Saison zu vermehrten Übergrößen. Die Beikrautregulierung konnte aufgrund des entspannten Wetters in den meisten Betrieben gut bewerkstelligt werden. Kühle Phasen Anfang Mai wechselten mit wärmeren Temperaturen und Trockenheit in der Monatsmitte. Hier musste bewässert werden. Einerseits konnte dieser Wechsel im Witterungsverlauf zu deformierten Knollen und Verwachsungen führen, andererseits war lange Zeit keine Krautfäule in Sicht.
Tabelle 2: Angebaute Sorten auf dem jeweiligen Standort (2025)
Anfang Juni waren durch Niederschläge über Pfingsten Infektionsmöglichkeiten gegeben, der Befallsdruck war aber sehr gering. Erste Larven des Kartoffelkäfers wurden Anfang bis Mitte Juni gesichtet. Eine zweite Generation folgte Ende Juni. Selbst zur Gerstenernste zu Beginn bis Ende Juni auf leichteren Standorten war bei trockener Witterung der Befallsdruck für Krautfäule sehr gering. In den Sortenversuchen begannen die sehr frühen Sorten abzureifen. Anfang bis Mitte Juli waren gut geführte Bestände mit guter Sortierung dabei, während Bestände mit geringeren Knollenansätzen schon in die Übergrößen hineinwuchsen. Hier musste das Kraut reguliert werden. Überdies veranlassten wüchsige Witterung und feuchte Kartoffeldämme die Knollen zu Durchwuchs.
Erst Ende Juli gab es einen mittelstarken Anstieg des Befallsdrucks mit Krautfäule, hier hatten die meisten Bestände ihren Ertrag gemacht. Die Gefahr des Einwaschens von Sporen in die Dämme mit anschließender Braunfäule der Knollen war dennoch gegeben. Für die Ernte musste oftmals beregnet werden, da durch die Trockenheit eine Ernte vieler Flächen sonst nicht möglich gewesen wäre. Die mechanischen Beschädigungen konnten daher bei zu trockenen Knollen hoch sein. Die Kartoffelvermarktung gestaltet sich schwierig in diesem Jahr aufgrund von fallenden Preisen, was auch für konventionelle Ware galt, und wieder durchschnittlicher Mengen nach dem schlechteren Krautfäulejahr 2024. Im September wurden die Erntebedingungen herausfordernder, da feucht-warme Bedingungen zu stärkerem Erwiniadruck und Fäulnisbildung führten.
Die Zeiternten 2025
Aufgrund mangelnder Arbeitskapazitäten konnten die Zeiternten in diesem Jahr nicht durchgeführt werden. Zu den Feldtagen erfolgte lediglich eine Sortenschau mit vier Pflanzen, die beim Pflanztermin extra angelegt wurden. 2026 werden voraussichtlich wieder Zeiternten durchgeführt werden können.
Krautfäule und Absterbegrad
Die Krautfäule trat in diesem Jahr in Viersen nicht auf. Daher konnte nur der Absterbgrad bonitiert werden. Bereits am 3. Juli begannen einige Sorten, Vergilbungen aufzuzeigen. Vor allem die sehr frühen Sorten waren bis zum 29. Juli abgestorben. Die Sorte Elata hingegen war etwas länger grün, während bei den mittelfrühen Sorten Nola, Santera, Uta, Samoa, Polly, Herbstgold, Lotta, Larissa, Nena und Columbia zu diesem Zeitpunkt schon recht viele Pflanzen abgestorben waren.
Auch in Gütersloh konnte 2025 keine Krautfäule festgestellt werden. Bereits am 24. Juni begannen die Sorten abzusterben. Bis zum 16. Juli waren bereits höhere Absterbegrade bis zur Note 8 vorhanden. Dabei waren vor allem die sehr frühen bis frühen Sorten stärker abgestorben, wie zum Beispiel Lea, Filipa, Melissa, Vindika, Nöstling, aber auch die mittelfrühen Sorten Allians und Santera. Insbesondere mittelfrühe Sorten, wie Thalia, Nola, Samoa, Columbia, Lunarossa, Lady Jane und Melia, waren zu diesem Zeitpunkt noch recht grün.
Grafiken Absterbegrade
Speisewertprüfung 2022 bis 2025
In der Speisewertprüfung werden Fleischfarbe, Farbreinheit, Festigkeit, Geruch und Geschmack bewertet und anschließend wird eine Gesamtnote zwischen 1 (sehr gut) und 5 (schlecht) vergeben. Alle Werte sind mit Vorsicht zu interpretieren, da nicht mit geschulten Testessern gearbeitet wird. Allerdings soll der Geschmack des Verbrauchers getroffen werden. Über eine Vielzahl an Testern und Jahren kann man einen ganz guten Eindruck der Sorten bekommen. Vorliegende Ergebnisse der vielen neueren Sorten sind aber überwiegend einjährig. Besonders gut schmecken die Sorten Anuschka (2,4), Jutta (2,1), Isabelia (2,0), Marion (2,4), Vindika (2,3), Wega (2,4), Allians (2,3), Heidemarie (2,2), Santera (2,3) und Lotta (2,4). Bisher eher schlechter abgeschnitten haben die Sorten: Petra (3,6), Celebration (3,6), Juventa (3,4), Olivia (3,4), Sandra (4,1), Sound (3,7), Columbia (3,4) und Sevilla (3,4).
Grafik Speisewertprüfung
Ertragsleistungen zur Haupternte
An den Versuchsstandorten konnte zum Teil beregnet werden, wie in Viersen, oder der Grundwasserspiegel ist relativ hoch, so in Gütersloh. Für alle Standorte wurden die Kartoffeln für die Sortenversuche zentral in Auweiler vorgekeimt. Die Erträge fielen in diesem Jahr auf beiden Standorten, besonders aber in Viersen, deutlich höher aus als im Krautfäulejahr 2024. Im Mittel der Standard- und Vergleichssorten im sf/f-Block wurde ein Rohertrag von 627 dt/ha in Viersen erreicht. Im mittelfrühen Block waren es im Mittel der Standardsorten am Standort Viersen 618 dt/ha. Das waren +470 und +342 dt/ha mehr als im Jahr 2024 (+299 bis +75 %). In Gütersloh erreichten die Standardsorten ein Mittel von 517 und 536 dt/ha (sf/f und mf), das waren +222 dt/ha (sf/f) und +176 dt/ha (mf) mehr Rohertrag als in 2024 (+124 und +49 %). Die Untergrößen lagen im Mittel mit 1,6 und 0,3 % (sf/f und mf) in Viersen und mit 4,7 und 2,1 % (sf/f und mf) in Gütersloh in diesem Jahr etwas geringer als im letzten Jahr.
Tabelle 3: Erträge, Sortierung und Stärkegehalte der Kartoffelsorten an den Standorten Viersen (VIE) und Gütersloh (GT) in den Jahren 2023 bis 2025
Übergrößen hingegen gab es auf beiden Standorten deutlich mehr als im Vorjahr: in Viersen 19,2 und 29,0 % (sf/f und mf) sowie in Gütersloh 17,1 und 20,1 % (sf/f und mf). Die Stärkegehalte waren mit 12,7 und 13,2 % in Viersen etwas höher sowie mit 13,4 und 13,7 % (sf/f und mf) in Gütersloh deutlich höher als im Jahr zuvor. Die Roherträge der Kartoffelsorten lagen zwischen 454 dt/ha (Sorte Ella in GT) und 801 dt/ha (Sorte Lunarossa in GT) bei der Endernte.
Deutlich über 100 % Marktertrag erzielten am Standort Viersen die Sorten Milenia (124 %), Elata (104 %), Allians (116 %), Ella (111 %), Samoa (120 %), Uta (103 %), Santera (111 %), Columbia (101 %), Taormina (114 %) und Lotta (101 %) sowie am Standort Gütersloh die Sorten Geraldine (101 %), Petra (104 %), Milenia (123 %), Nöstling (106 %), Belmira (101 %), Larissa (103 %), Samoa (103 %), Columbia (102 %), Lunarossa (151 %), Taormina (112 %), Lady Jane (109 %) und Melia (116 %).
Deutlich unter dem durchschnittlichen Marktertrag lagen am Standort Viersen die Sorten: Lea (87 %), Jutta (89 %), Belana (81 %), Petra (81 %), Ally (86 %), Nöstling (86 %), Nola (86 %), Herbstgold (73 %), Lunarossa (89 %), Nena (82 %), Polly (84 %) und Lady Jane (83 %) sowie am Standort Gütersloh die Sorten: Nola (88 %), Allians (86 %), Ella (81 %) und Herbstgold (88 %).
Knollenbonituren zur Qualität
Bei den Knollenqualitäten fiel in 2025 in Viersen vor allem der Befall mit Rhizoctonia auf. Im Mittel waren 37 % aller untersuchten Knollen mit Rhizoctonia-Pusteln auf der Schale besetzt. Der Index (Befallsintensität) war teilweise bei einigen Sorten erhöht. Starke Ungleichheiten in der Knollenform durch Rhizoctonia, Witterung und schweren, kultigeren Boden wurden darüber hinaus mit im Mittel 41 % der Knollen in Viersen festgestellt. Weiterhin waren in Viersen im Mittel 15 % der Knollen mit Schorf befallen. Überdies gab es vermutlich durch Trockenstress in der Zeit vor der Ernte vermehrt Beschädigungen an den Knollen festzustellen (Mittel 17 %).
Höhere Rhizoctoniabefallswerte in Viersen hatten die Sorten Jutta (68 %), Emanuelle (59 %), Ella (62 %), Uta (69 %), Thalia (66 %), Nena (52 %), Polly (54 %), Lady Jane (53 %) und Melia (68 %). Stark deformierte Knollen hatten in Viersen vor allem die Sorten Belana (66 %), Petra (51 %), Elata (60 %), Allians 56 %), Emanuelle (50 %), Thalia (59 %), Lunarossa (68%), Polly (62 %) und Lady Jane (64 %). Besonders beschädigungsempfindlich waren in Viersen die Sorten Petra (32 %), Ella (31 %), Samoa (39 %), Lunarossa (42 %) und Melia (61 %).
In Gütersloh trat 2025 vor allem Drycore auf mit im Mittel 16 % Befall der Knollen. Besonders mit Drycore befallen waren die Sorten Geraldine (28 %) und Milenia (28 %). Etwas Rhizoctonia und teilweise mehr Drahtwurm bei einzelnen Sorten wurden ebenso festgestellt. Deformierte Knollen hingegen gab es hier weniger, zu nennne ist hier nur die Sorte Melia mit 24 %. Es gab insgesamt sehr wenig Drahtwurm im Jahr 2025 im Erntegut an beiden Standorten.
Tabelle 4: Knollenbonitur der Öko-Kartoffeln im Sortenversuch an den Standorten VIE und GT in 2025
Dr. Claudia Hof-Kautz,
Landwirtschaftskammer NRW