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Die Leitbetriebe für Biodiversität in NRW

12.05.2026

Seit 2015 gibt es in NRW die Leitbetriebe für Biodiversität, die im Jahr 2025 in die dritte Projektphase gestartet sind. Hierbei handelt es sich um ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe, die beispielhaft zeigen, wie vielfältige Natur- und Artenschutzmaßnahmen erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden können. 

Die Betriebe repräsentieren unterschiedliche Regionen und Betriebsformen und dienen als Vorbilder für eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft. In Zusammenarbeit mit den Biodiversitätsberaterinnen und -beratern der Landwirtschaftskammer NRW testen sie neue Maßnahmen, sammeln Erfahrungen und teilen ihr Wissen, unter anderem auf Feldtagen. So tragen sie dazu bei, die Biodiversität in der Agrarlandschaft sichtbar, nachvollziehbar und praxistrauglich zu machen.  Insgesamt gibt es in NRW 13 Leitbetriebe für Biodiversität, die alle Landwirtschaftsräume und Produktionsrichtungen des Bundeslandes und die gesamte Bandbreite der förderfähigen und freiwilligen Biodiversitätsmaßnahmen abbilden. 

Wo liegt die Motivation, was sind die Erwartungen, wo gibt es Herausforderungen? Zu diesen Aspekten haben drei Leitbetriebe Stellung bezogen.  


 

Sebastian Kneer, Betriebsleiter der Kneer & Kuhles Landwirtschafts GbR, einem Ackerbaubetrieb im Süderbergland, Leitbetrieb seit 2025

Gruppe auf Leitbetrieb Biodiversität
Bei Feldtagen auf den Leitbetrieben können sich die Berufskolleginnen und -kollegen von den Biodiversitätsmaßnehmen in der Praxis überzeugen lassen. 

Wir sind Leitbetrieb für Biodiversität geworden, weil wir diese erhalten und fördern möchten und uns an der Entwicklung entsprechender Maßnahmen beteiligen wollen. Unsere Motivation liegt darin die landwirtschaftliche Produktion und die Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen in Einklang zu bringen. Bereits seit vielen Jahren setzen wir auf 5 ha Maßnahmen für den Kiebitz um und hoffen so, unsere Ackerflächen als Standort attraktiv zu halten. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin bei der Planung und Umsetzung von innovativen Ideen zu unterstützen und diese auf unseren Flächen anzulegen. In diesem Jahr testen wir zum Beispiel auf einem Ackerschlag blühende Fahrgassen und erproben die Sinusmahd, um herauszufinden, ob diese Methode eine praktikable Maßnahme für Betriebe sein kann. 

Zu den betriebsindividuellen Herausforderungen gehören in unserem hügeligen Gelände Erosionen, die sich nach Starkregenereignissen zeigen. Hier versuchen wir, eine geeignete Blühmischung zu finden, die dies abmildert. Die gewonnenen Erkenntnisse teilen wir zum Beispiel auf Feldtagen mit unseren Berufskollegen. Für die nächsten fünf Jahre erhoffen wir uns einen detaillierteren Einblick in das Repertoire der praxistauglichen und die Biodiversität fördernden Maßnahmen zu erlangen.  

Achim Dingerdissen, Betriebsleiter eines Ackerbaubetriebes im Weserbergland, Leitbetrieb seit 2025: 

Unser Betrieb ist Leitbetrieb für Biodiversität geworden, weil wir unserer Biodiversitätsberaterin Janine Fuchs mit unserem großen Engagement für den Naturschutz und der Vielzahl an Maßnahmen in unserem Betrieb aufgefallen sind. Schon seit meiner Jugend liegt mir der Naturschutz am Herzen, da es mir durch meinen Vater bereits so vorgelebt wurde. Mit 10 Jahren begleitete ich ihn als Treiber zur Jagd. Fünf Jahre später machte ich selber den Jagdschein. Heute als Landwirt freue ich mich die Möglichkeit zu haben, den Naturschutz aktiv gestalten zu können, was mich immer wieder anspornt. Da wir bereits über Jahrzehnte Naturschutz betreiben, können wir uns heute über die Ergebnisse freuen. Kiebitze, Feldlerchen, Wildbienen und Schmetterlinge, um nur ein paar Arten zu nennen, fühlen sich bei uns sehr wohl. Das motiviert mich stets neue Sachen auszuprobieren oder bestehende Maßnahmen zu optimieren. 

Beetlebank in einer Blühfläche
Eine so genannte Beetlebank in einer Blühfläche auf dem Betrieb Dingerdissen. 

Ich bin der Meinung, dass wir Landwirte am meisten bewegen können. Naturschutzverbände können einiges fordern - aber ohne einen Landwirt, der die Maßnahmen umsetzt, geht es nicht. Ich versuche, beides zu verbinden, und bin deshalb schon viele Jahre Mitglied beim NABU. Als Leitbetrieb freue ich mich auf die Aufgabe des Informanden für die unterschiedlichsten Zielgruppen und besonders darauf, meine Berufskollegen zu motivieren und ihnen Mut zu machen, auch mal ein paar Flächen ungepflegt aussehen zu lassen. Ich habe viele Maßnahmen, die fußläuftig erreichbar sind und inspirierende Einblicke bieten. Unser Motto ist hier „Tue Gutes und rede darüber“. 

In den nächsten fünf Jahren freue ich mich darauf die Mischung BG70/90 für Biogasanlagen zu testen. Dazu haben wir einen Streifenversuch angelegt, um sie zu unterschiedlichen Jahreszeiten bei verschiedenen Bearbeitungen zu testen. Wir haben hohe Erwartungen an diese Mischung und sind gespannt wie sie sich entwickelt. Auch mit der Buntbrachemischung wird es Versuche geben, denn hier sehen wir Verbesserungspotenzial. 

Wir verfolgen außerdem mehrere innovative Ansätze. Zum einen versuchen wir eine noch nicht vergraste Altbrache im Schlitzsaatverfahren nachzusäen und diese so wiederzubeleben. Das Ziel ist ohne große Bodenbewegung eine Flächenaufwertung zu erreichen. Zum anderen wollen wir Erfahrungen im Bereich Miscanthus sammeln und diesen auf Kleinstflächen anlegen. Wir wollen beobachten wie er sich in Kombination mit anderen Maßnahmen im streifenweisen Anbau verhält. Zuletzt testen wir einen Ernteverzicht mit Dinkel, Emmer oder Urkorn, je nach Saatgutverfügbarkeit. Herausforderungen sehen wir dabei nicht, denn wir sind mit Leidenschaft und Herzblut dabei und versuchen stets positive Lösungen zu finden. 

Rolf Funken, Betriebsleiter eines konventionellen Grünlandbetriebes in der Eifel, Leitbetrieb seit 2020: 

Blühstreifen Biodiversität
Auf intensiv genutzten Grünlandflächen kann eine partielle Extensivierung oder eine gezielte Artenanreicherung helfen, den Blüten- und Insektenreichtum zu fördern.

Nach Gesprächen vor mehr als fünf Jahren mit unserer Biodiversitätsberaterin Carolin Kowol und der Wasserkooperationsberaterin Elisabeth Hunf haben wir uns dazu entschlossen, Leitbetrieb für Biodiversität zu werden. Uns hat schon immer fasziniert, welche Maßnahmen man auf dem Grünland machen kann, um damit beispielsweise für Insekten einen Mehrwert zu schaffen. Aus diesem Grund haben wir schon viele Jahre die Staffelmahd in unserem Betrieb etabliert. Fachschüler kommen regelmäßig zu uns, um sich das Ergebnis nach der Mahd anzuschauen. Selbst an bewölkten Tagen ist der Insektenflug über den stehengebliebenen Streifen sehr hoch. Das zu beobachten und den Schülern zeigen zu können, bereitet Freude. 

Unser Betrieb ist mit Vertragsnaturschutzmaßnahmen bestens ausgestattet, doch für das Grünland gibt es nicht viele Maßnahmen. Das ist auch ein Grund warum wir Leitbetrieb für Biodiversität geworden sind, denn wir wollen an der Gestaltung von potentiellen Maßnahmen mitwirken und uns für das Grünland einsetzen. Wir interessieren uns für alles, was man im Grünland umsetzen kann und das unabhängig davon, ob es eine finanzielle Unterstützung gibt. Das zeigt nicht nur die Staffelmahd, die wir uns selbst auferlegen, sondern auch unser Kräuterstreifen entlang des Eifelsteiges. Auf einer Länge von 200 m haben wir Kräuter etabliert und damit einen absoluten Insektenmagneten geschaffen. Auf zwei Plakaten entlang der Strecke informieren wir Wanderer über den Kräuterstreifen und seinen Wert für die Biodiversität. 

In der Öffentlichkeitsarbeit sehen wir eine unserer Kernaufgaben. Dabei wollen wir der allgemeinen Bevölkerung genauso wie unseren Berufskollegen zeigen, wie wertvoll das Grünland für die Biodiversität ist und unseren Beitrag dazu leisten, mehr förderfähige Maßnahmen für das Grünland zu entwickeln. Aus diesem Grund bin ich schon seit vielen Jahren im Naturschutzbeirat tätig. Wir freuen uns auf die kommenden fünf Jahre und sind gespannt, welche neuen Erkenntnisse wir in dieser Zeit für die Biodiversität auf dem Grünland gewinnen. 


Schahien Hupperth,
Landwirtschaftskammer NRW