Der Workshop zu den Wechselwirkungen zwischen Ackerbau, Tierhaltung und der Umwelt vor dem Hintergrund der Wettbewerbssituation zwischen Teller und Trog, an dem im Herbst letzten Jahres rund 75 Personen aus Wissenschaft, Beratung und Praxis 2025 teilnahmen, wurde vom Forschungsnetzwerk NRW-Agrar in Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Forschungsschwerpunkt „Umweltverträgliche und Standortgerechte Landwirtschaft“ mit Unterstützung des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW ausgerichtet.
Dr. Martin Berges, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfallen, betonte, dass solche Workshops der Branche helfen und der Politik Handlungsempfehlungen auf den Weg geben können. „Das Thema kann die Landwirtschaft nicht allein lösen, sondern es ist auch Aufgabe der Gesellschaft“, erklärte Berges. Die Tierhaltung sieht er als einen Kernbestandteil der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, da sie das Basiseinkommen für viele landwirtschaftliche Betriebe bildet. Zudem sorge sie im Gegensatz zum reinen Ackerbau für eine vielgestaltige Landschaft. Zu einer nachhaltigen Landwirtschaft gehöre daher Tierhaltung dazu. „Dabei sind wir in NRW führend im Bereich der innovativen und nachhaltigen Landwirtschaft“, so Berges, was sich unter anderem an dem neuen TUI-(Tier-Umwelt-Interaktions)-Stall auf Haus Riswick und den Stallungen der Zukunft auf Haus Düsse zeige. Aufgrund der hohen Investitionen stellte Berges zum Schluss die Planungssicherheit heraus, denn Stallungen können oft nicht alternativ genutzt werden.
Tiere schließen Kreisläufe
„Die Lizenz zum Erzeugen benötigt Argumente“, führte Dr. Michael Lüke vom Verband Deutscher Tiernahrung in das Thema ein. „Wir tragen dazu bei, Nährstoffkreisläufe zu schließen und erhöhen damit die Nachhaltigkeit“, berichtete Lüke. Anhand vieler Beispiele zeigte der Referent auf, dass schon heute viele Reststoffe der Verwertung zugeführt werden, zum Beispiel Rapsextraktionsschrot, Eierschalen, Weizenkleie oder Biertreber. Pflanzliche Futtermittel aus Verarbeitung machen 32 % der marktgängigen Futtermittel aus. Da Abfälle nicht verfüttert werden dürfen, empfahl Lüke die Verwendung des besser geeigneten Begriffs Nebenerzeugnisse. Weltweit seien 86 % der Futtertrockenmasse nicht für Menschen verwertbar. Mit Futtermittelzusatzstoffen könnten auch Monogastrier Futtermittel nutzen, so könnten beispielsweise Enzyme dazu dienen, Nicht-Stärke-Polysaccharide verfügbar zu machen. „In der Positivliste mit 480 Futtermitteln ist ein Drittel ehemalige Lebensmittel oder Nebenerzeugnisse der Lebensmittelherstellung“, zeigte Lüke das große Potenzial auf. Auch verarbeitetes tierisches Protein sei unter bestimmten Auflagen nutzbar, aber sehr aufwändig in der Handhabung, da nicht an die gleiche Tierart gefüttert werden dürfe. Das mache eine genaue Trennung bei Logistik und Verarbeitung notwendig. Das dabei gewonnene hochwertige Protein sei zwar sehr teuer, aber für Jungtiere mit sehr hohem Aminosäurenbedarf gut geeignet.
Effizienzen steigern
Für Dr. Hubert Spiekers aus Grub ist es nicht möglich, nachhaltig zu sein, sondern es gehe darum, in einem fortwährenden Verbesserungsprozess immer nachhaltiger zu werden, was bei der Tierhaltung vor allem heiße, die Effizienz der Futtererzeugung „vom Maul der Tiere, dem Futterzukauf bis hin zur Effizienz der Tierernährung“ zu steigern. „Bei der Silierung werden momentan nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Verluste zu minimieren“, erklärte Spiekers, „denn allein durch den gezielten Siliermitteleinsatz können Futterverluste verringert werden, was den CO2-Fußabdruck senkt.“ Er empfahl, die Futtereffizienz zu betrachten und rechnerisch zu ermitteln, wie viele Einheiten Futter für eine Einheit Produkt notwendig sind. Anzustreben sei eine Minderung des Aufwands für die Erhaltung, auch vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Kühe deutlich mehr für die Erhaltung aufwenden müssten, als bisher gedacht. Durch Steigerung der Leistung sinke der Methanausstoß je kg Milch, weil weniger Erhaltungsbedarf und bei höherer Leistung auch weniger Methan von der Kuh ausgestoßen werde. „Beim Schwein ist es gelungen, den mittleren Rohproteingehalt im Mastfutter seit 2015 von 167 auf 149 g zu senken. Das entspricht 16 kg Sojaschrot pro Schwein!“, gab Spiekers zu bedenken.
Weltbevölkerung satt bekommen
Prof. Reinhard Puntigam von der Fachhochschule Südwestfalen betrachtete die Ernährungssicherung als globale Aufgabe, denn die Weltbevölkerung steige noch und gleichzeitig auch der Wohlstand mit einem wachsenden Bedarf insbesondere tierischer Lebensmittel. „Viele Futtermittel könnten direkt auch vom Menschen gegessen werden, aber gleichzeitig ist das Nutztier sehr bedeutsam für die Landwirtschaft“, so Puntigam. Der Flächenbedarf steige bei der Produktion tierischen Eiweißes zwar an und eine rein vegane Ernährung würde auch funktionieren, aber pflanzliche Lebensmittel lieferten keine Ausscheidungen als organischen Dung. Der CO2-Fußabdruck werde durch Nebenprodukte aus der Lebensmittelerzeugung, die für Menschen nicht verwertbar sind, deutlich verbessert. „In einem Versuch mit Mastschweinen konnte gezeigt werden, dass bei vollständigem Verzicht auf Sojaschrot und der ausschließlichen Verfütterung von Nebenprodukten die gleichen Mast- und Schlachtleistungen bei nur geringfügigem Einfluss auf die Futterkosten erzielt werden. Allerdings ist hier der Phosphorgehalt erhöht, was aber bei weiter sinkenden Tierbeständen auf Dauer an Bedeutung verlieren könnte“, so der Referent.
Weideleistung und organische Düngung
In einer mehrjährigen Simulation auf Grünlandflächen verglich Prof. Harald Laser von der Fachhochschule Südwestfalen die Weidehaltung mit einer Kurzrasenweide. Laser konnte belegen, dass Weidesysteme ein hohes, oftmals nicht erkanntes Potenzial für hohe Protein- und Energieerträge aufweisen. Im Zeichen des Klimawandels würden sich zudem Weidesysteme als resilienter erweisen.
Trotz verringerter Tierbestände, konnte durch eine bessere Nutzung organischer Dünger in den vergangenen zehn Jahren der Einsatz mineralischer Stickstoffdünger in Nordrhein-Westfalen um rund 20 % gesenkt werden. „Verlustarme Ausbringtechniken und eine gasdichte Lagerung organischer Wirtschaftsdünger haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es parallel nicht zu einer Verringerung der Erträge gekommen ist“, freute sich Dr. Horst Gömann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Peter Brunner, ebenfalls Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, führte weitere Vorteile der Beweidung auf. Zäune für sich allein schafften schon Strukturen, so dass dort vielfältige Lebensräume entstehen. „Eine langjährige Beweidung fördert bodenbrütende Vogelarten und sorgt generell für ein ruhigeres Verhalten der Tiere. Und weil durch die Tiere unterschiedlich intensiv beweidet wird, ergibt sich auf den Flächen eine heterogenere Struktur mit artenreicher Flora,“ zählte Brunner auf. Störfaktoren, wie Trampelpfade oder offene Stellen, können Laufkäfern oder Bienen als Lebensraum dienen. Auch die Dunghaufen und Geilstellen nutzen vielen Insekten als Lebensraum. Zum Abschluss verwies Brunner auf die Förderung des Dauergrünlands über die Ökoregelungen, die man zum Beispiel mit der Extensivierung der gesamten Grünlandfläche mit 0,3 bis 1,4 GV je ha oder mit der Förderung von mindestens vier verschiedene Kennarten in Anspruch nehmen könne. Darüber hinaus würden über den Vertragsnaturschutz verschiedene Förderbausteine angeboten.
Wichtige Klimabilanzierung
Da viele europäische und nationale Regelungen von den Unternehmen Maßnahmen zur Treibhausgasminimierung verlangen, wird auch die Landwirtschaft zunehmend in diese Nachhaltigkeitsberichterstattung als ein Teil der Wertschöpfungskette einbezogen. In diesem Zusammenhang stellte Thomas May, QS Qualität und Sicherheit GmbH, die QS-Klimaplattform als Branchenlösung vor, die unter Beteiligung der Landwirtschaftskammern NRW und Niedersachsen sowie der LfL Bayern, des Thünen-Institutes und des KTBL als einheitliche Lösung entstand. „Sie soll als Grundlage für eine Optimierung der einzelbetrieblichen CO2-Emissionen dienen und die Werte bereitstellen, um auch den nachgelagerten Unternehmen die Berichtspflicht zu ermöglichen“, erklärte May die Vorgehensweise. Zu Beginn fokussiere man sich auf die Schweinemast, um das Verfahren anschließend rasch auf andere Bereiche zu erweitern. „Das Modul für die Milchviehhaltung ist schon weitgehend fertig. Das Angebot ist kostenfrei und nicht Gegenstand des QS-Audits. Die Ergebnisse der CO2-Berechnung haben auch keine Auswirkungen auf die Systemteilnahme“, ergänzte May.
In der sich anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass manche Praktiker die Bedeutung der Klimabilanzierung in Frage stellen. Dem wurde entgegnet, dass es sich um einen weltweiten Ansatz handele, dem man sich nicht als Einzelner entziehen könne.
Christian Wucherpfennig,
Landwirtschaftskammer NRW