Vor acht Jahren hielt die Sojabohne Einzug auf dem Jägerhof in Jüchen. „Mein Vater stellte mir damals 3 ha Acker für mein Projekt zur Verfügung“, erzählte Elmar Steinfarz, der inzwischen den Betrieb leitet. In den darauffolgenden Jahren wurde viel Erfahrung gesammelt, mit Höhen und Tiefen. Von diesen Erfahrungen berichtete der Betriebsleiter des Jägerhofs auf einer Feldbegehung gemeinsam mit dem LeguNet.
Wichtig ist die Planung der Fruchtfolge. Die Leguminose sollte bestenfalls nach einer Kultur stehen, die wenig Stickstoff hinterlässt, um möglichst viel N durch die Rhizobien zu fixieren. Damit der Stickstoff, den die Sojabohne nach der Ernte hinterlässt, optimal genutzt werden kann, empfiehlt sich als Nachfrucht ein Wintergetreide. Auf dem Jägerhof folgte die Bohne auf Körnermais, als Folgefrucht ist Winterhafer geplant. Gedüngt hat Steinfarz ausschließlich 200 kg Kali/ha.
Die richtigen Bedingungen zur Aussaat
In diesem Jahr hat die Aussaat sehr stark verzögert stattgefunden. Die kühle Witterung im Frühjahr hat den Boden zunächst nicht ausreichend erwärmt. Dieser sollte bei der Aussaat von Sojabohnen eine Temperatur von mindestens 8°C haben. In Jüchen wurde die Bohne daher erst am 28. Mai in Einzelkornsaat mit Reihenabständen von 50 cm ausgesät. Allerdings folgte dann erneut eine kühle Phase, was zu einem verzögerten Auflaufen der Pflanzen geführt hat. Während dieser Zeit ist die Sojabohne sehr anfällig für Vogelfraß und auch die Verunkrautung während der Jugendentwicklung ist ackerbaulich relevant. Der Pflanzenschutz wurde mit Proman und Centium durchgeführt. Die Behandlung hat zu einem sehr sauberen Bestand geführt.
Schlüsselfaktor Impfung
Betriebsüblich verwendet Steinfarz für die Impfung das Granulat Turbosoy Booster. Im Rahmen der Demonstrationsflächen wurden drei Varianten mit dem Ensemo-Verfahren geimpft, bei dem die Bohne angeschlitzt, das Impfmittel in die Bohne hineingegeben und anschließend wieder versiegelt wird.
Darüber hinaus wurden zwei Sorten von Protealis mit MagNfix bereits fertig geimpft geliefert. Dafür verwendet das Unternehmen – anders als für herkömmliche Impfmittel üblich - einen europäischen Bakterienstamm. Dieser soll besser an die europäischen Bedingungen angepasst sein und auch bei niedrigeren Bodentemperaturen eine gute Wirksamkeit zeigen. Für die Haltbarkeit der Bakterien gibt Ensemo sechs Monate an, bei MagNfix könne das geimpfte Saatgut bis zu 90 Tage gelagert werden. Herkömmliche Impfmittel sollten dagegen erst kurz vor der Aussaat mit dem Saatgut gemischt oder gleichzeitig ausgebracht werden.
Vögel vergrämen
Bei der Vogelabwehr hat der Betrieb in den letzten Jahren auf die akustische Vergrämung per Drohne gesetzt. Dazu hat der Betriebsleiter mehrmals täglich den Bestand mit der Drohne überflogen und über den integrierten Lautsprecher das Geschrei eines Wanderfalken abgespielt. Das war sehr effektiv gegen Tauben. Seit diesem Jahr kommt ein neues Gerät zum Einsatz: Ein Mikrofon erfasst die Vogellaute auf dem Feld, die dann durch eine KI bestimmt werden. Daraufhin wird die Figur aufgeblasen und die dem jeweiligen Schädling zugeordneten Geräusche zur Vergrämung abgespielt.
Mehr Wertschöpfung durch diversifizierte Verwertung
Die Verwertung der Bohnen erfolgt auf mehreren Wegen: Einen Teil verfüttert der Jägerhof an die eigenen Legehennen. Die Eier werden im Hofladen verkauft. Dort sind auch Lebensmittel aus Sojabohnen, wie Tofu, Kuchen und Bolognese, zu finden, die durch ein lokales Unternehmen produziert werden. Auch Sojaöl wird auf dem Hof hergestellt. Dazu hat Steinfarz eine kleine Ölpresse angeschafft und erzeugt neben Soja- auch weitere Ölsorten. Die restliche Erntemenge wird an die Genossenschaft vermarktet.
Sarina Hertel,
Landwirtschaftskammer NRW