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Düngervorkauf rechtzeitig planen

29.10.2025

Bisher wurde das Thema Düngemittelvorkauf beim Blick auf die Einkaufspreise von vielen Betrieben stiefmütterlich behandelt. Vereinzelt konnten sich Betriebe in kurzzeitigen Rabattaktionen erste Mengen zu guten Preisen sichern, insgesamt ist bisher aber eine unterdurchschnittliche Menge für 2026 kontrahiert. Nichtsdestotrotz sollte das Thema diesen Herbst noch auf der Tagesordnung sein.

Zwei Faktoren sprechen zur Düngesaison 2026 für steigende Preise:

  • Erstens könnte die Nachfrage aufgrund des unterdurchschnittlichen Vorkaufs zum Start der Düngesaison stärker steigen als in anderen Jahren.
  • Zweitens gilt ab 2026 das sogenannte europäische CO2-Grenzausgleichssystem CBAM, Carbon Border Adjustment Mechanism. Lieferanten aus Drittstaaten, die Düngemittel in die EU liefern, müssen dann bei der Einfuhr einen CO2-Ausgleich bezahlen. Weitere Warengruppen im CBAM sind Aluminium, Eisen, Stahl, Wasserstoff, Strom, Zement. Lieferungen aus Norwegen, wie beispielsweise von Yara, sind durch die Teilnahme am Emissionshandel ausgenommen.
Mineralische Düngung Stoppelfeld

Das CBAM ist für die europäische Industrie grundsätzlich zu begrüßen, jedoch besteht die Gefahr, dass Düngemittelimporte teurer werden. Die Rabobank schätzt die Preissteigerungen beim Stickstoff derzeit auf bis zu 10 bis 20 % und beim DAP auf 2 bis 5 %. Das System dürfte dazu führen, dass die USA Marktanteile in der EU gewinnen, weil die dortigen Firmen mit vergleichsweise geringen Emissionen produzieren. Staaten wie die Karibikinsel Trinidad/Tobago oder auch China könnten hingegen Marktanteile verlieren.

In den kommenden Jahren könnten die Kosten weiter steigen, weil die EU für energieintensive EU-Firmen künftig keine kostenlosen CO2-Zertifikate im Rahmen des EU-Emissions-Trading-Systems (EU-ETS) mehr ausgeben kann. Das ist notwendig, damit das CBAM konform mit den WTO-Handelsregeln ist. Deshalb könnten die Stickstoffpreise laut Rabobank bis 2030 um bis zu 45 bis 50 % steigen.

Das Thema war in den letzten Wochen medial präsenter, sodass kurzfristig eine steigende Nachfrage denkbar ist. Immerhin haben sich die Erdgaspreise in den vergangenen Wochen trotz Herbstbeginn stabil entwickelt und im Import waren etwas rückläufige Preise bei Düngern zu beobachten. Auch im Landhandel haben die Preise zuletzt leicht nachgelassen. Dadurch könnte sich noch ein – vergleichsweise -guter Zeitpunkt zum Stickstoffvorkauf ergeben.  


Dr. Thomas Böcker, Landwirtschaftskammer NRW