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Durststrecke für die Milch

31.07.2026
Melkroboter im Einsatz
Die Milcherzeugung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung und trägt entscheidend zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Zurzeit macht Melken wenig Spaß. Niedrige Erzeugerpreise und zusätzlich hohe Kosten drücken auf die Stimmung der Milchviehhalter. Bleibt nur zu hoffen, dass die Milchpreise bald wieder anziehen.

Für die Milch­er­zeu­ger ist das vergangene Jahr erfreulich verlaufen. Es hat ihnen gute Auszahlungspreise beschert. Der AMI-Milchpreisvergleich 2025 zeigt es schwarz auf weiß. Die konventionellen Milch­er­zeu­ger zwischen Rhein und Weser erhielten im Schnitt 52,53 Cent/kg für gentechnikfreie Milch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß. Das waren immerhin 4,1 Cent mehr als im Vorjahr. Damit lag NRW nur knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 52,68 Cent/kg. Und mit 52,53 Cent knackte NRW fast den Rekordpreis von 54 Cent im Jahr 2022. Die Biomilch hat es geschafft: Sie erreichte 2025 einen Rekordpreis von 66 Cent. Die Spitzenauszahler im Milchpreisvergleich kratzten sogar an der 70-Cent-Marke.

Knappheit und Überschüsse

Der Milchmarkt im Jahr 2025 war besonders. Er zeigte sich von zwei Seiten: Rohstoffknappheit in der ersten Hälfte, in der zweiten Hälfte Angebotsüberschüsse. Während die saisonale Milchspitze im Frühjahr unter anderem wegen der verzögerten Kalbungen infolge der Blauzungenkrankheit im Vorjahr recht schwach ausfiel, blieb der saisonale Rückgang der Milchmenge im Herbst weitgehend aus. Und für die hohen Milchmengen gab es gleich mehrere Gründe: Die guten Auszahlungspreise der vergangenen zwei Jahre haben die Milch­er­zeu­ger veranlasst, ihre Bestände aufzustocken und mehr Milch zu melken. Hinzu kam eine gute Grundfutterqualität im Jahr 2024 und die Milchleistung der Kühe ist ebenfalls angestiegen.

Gute Preise für Biomilch

Nach wie vor ist zu viel Milch auf dem Markt. Im ersten Quartal 2026 lag die deutsche Milchanlieferung 6,5 % über dem Vorjahreszeitraum, in Europa bei 4,2 %. Die große Menge drückt natürlich auf den Preis. Die hohen Milchauszahlungspreise des vergangenen Jahres sind inzwischen passé. Seit Herbst gehen die Preise zurück und lagen in NRW im ersten Quartal 2026 bei nur knapp 38 Cent/kg Milch. Gegenüber dem Vorjahr sind das fast 15 Cent weniger. Überraschend ist dagegen die Preissituation für die Biomilch. Hier entwickelten sich die Preise deutlich stabiler. Die Differenz zwischen bio und konventionell liegt aktuell bei 28 Cent/kg und ist damit so hoch wie noch nie. Eine große Umstellungswelle von konventionell auf bio – was ja jetzt naheliegend wäre – ist allerdings in NRW nicht zu beobachten.

Es ist unbestritten: Im Moment erleben die Milch­er­zeu­ger eine Durststrecke. Sie sind mit niedrigen Milchpreisen konfrontiert, auf der anderen Seite sind die Produktionskosten weiterhin hoch. Die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung ist laut Angaben der AMI auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren.

Sind höhere Milchpreise in Sicht? 

Und wie geht es weiter am Milchmarkt? Vo­raus­setz­ung für steigende Milchpreise wären sinkende Milchmengen und eine stärkere Nachfrage. Nach Auffassung der Landesvereinigung der Milch NRW (LV Milch NRW) spricht einiges dafür, dass der Höhepunkt der Milcherzeugung erreicht ist. Unter anderem die hohen Produktionskosten könnten dazu führen, dass die Milch­er­zeu­ger weniger Kühe halten. Und rückt möglicherweise auch die mangelnde Futterbasis das Angebot zurecht? Zwar war im Frühjahr der erste und teils auch der zweite Schnitt durchaus mehr als üppig und zufriedenstellend. Jetzt stellt sich die weitere Futterversorgung – sowohl bei Grünland und erst recht bei Mais – hochgradig infrage. Das bedeutet wiederum: Tiere ausstallen und weniger Milch abliefern. 

Positiv für die Milch­er­zeu­ger dürfte sich die weltweit steigende Nachfrage nach Milch und Milchprodukten auswirken. Zum Jahresende erwartet die LV Milch NRW jedenfalls wieder ansteigende Milchpreise. Ob sich diese Prognose erfüllt und die Durststrecke bei der Milch ein Ende hat, hängt aber von zahlreichen Faktoren ab, die nicht vorhersehbar sind, wie das Wetter, Tierseuchen oder globale Unwägbarkeiten.

Heimische Erzeugung unterstützen

Nachdenklich stimmen sollte die Politik der anhaltende Strukturwandel in der Milcherzeugung. Dabei ist Milcherzeugung für Deutschland wichtig, sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung und trägt entscheidend zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Ein Abwandern der Produktion ist wenig sinnvoll. Denn was geschieht dann mit den Grünlandregionen? Nur das Rind kann Gras verwerten.


Dr. Elisabeth Legge, LZ Rheinland