Während vielerorts zum Osterfest Engpässe bei der Eierversorgung zu befürchten waren, zeigt sich der CSA-Hof Pente in Bramsche bestens aufgestellt. Der Grund dafür ist außergewöhnlich und zugleich ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Die meisten Eier stammen hier nicht von Hühnern, sondern von Enten.
Rund 200 bis 300 Enten aus eigener Zucht bevölkern das Gelände des Hofes, der seit 2010 als Solidarische Landwirtschaft (CSA – Community Supported Agriculture) betrieben wird. „Soweit ich weiß, gibt es in ganz Europa nur eine knappe Handvoll Betriebe, die Legeenten für die Produktion von Speiseeiern hält“, erklärt Timo Funke. Er ist als einer der Betriebsleiter des Demonstrationsbetriebs Ökologischer Landbau für die landwirtschaftliche Produktion verantwortlich.
Alte landwirtschaftliche Praxis neu belebt
Die Idee zur Entenhaltung entstand eher zufällig – und aus Funkes Leidenschaft für ursprüngliche Landwirtschaft. Beim Stöbern in antiquarischen Fachbüchern fiel dem Landwirtschaftsmeister ein Heft aus den 1920er-Jahren in die Hände, das sich mit praktischer Entenhaltung befasste. „Damals gab es in unserer Region riesige Legeställe für Enten. Ich fand das super spannend und habe mich schlau gemacht. Dabei habe ich schnell gelernt, dass diese robusten Tiere wie geschaffen für den Ökolandbau sind.“
Die Mitglieder der Solawi waren schnell überzeugt, ein Tasting mit direktem Vergleich von Hühnerei und Entenei tat sein Übriges. Nachdem Funke geeignete Züchter der widerstands fähigen Campbell-Legeenten ausfindig gemacht hatte, begann der Hof mit eigener Aufzucht und Zucht – und baute die Entenhaltung Schritt für Schritt aus.
Gewinn für Mensch, Tier und Betrieb
Die freundlichen Tiere bringen gleich mehrere Vorteile für den Biobetrieb: „Im Vergleich zu Hühnern sind Enten deutlich anspruchsloser“, erklärt Funke. Das betrifft das Futter ebenso wie die Ausstattung der mobilen Ställe. Denn für Enten ist die Mischung der Futterkomponenten extensiver, es sind unter anderem 50 % weniger Eiweißfuttermittel nötig. Und da sie mit dem hiesigen Klima wesentlich besser zurechtkommen, besteht kaum Heizbedarf.
Ein weiteres Plus: Enten sind weniger anfällig für Parasitenbefall. „Unsere Enten benötigen keinerlei Medikamente.“ Ihre Vorliebe für Schnecken weiß der Betrieb ebenfalls sehr zu schätzen und schickt sie zur Vor- und Nachbereitung der Gemüsefelder über die Anbauflächen.
Zur Nachahmung empfohlen
Und wie kommt das Entenei bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an? Bislang kommen vor allem die Solawi-Mitglieder sowie Gäste einiger Spitzenrestaurants in der Region Osnabrück in den Genuss der Enteneier aus Pente. Die Resonanz ist durchweg sehr positiv. Die Eier haben einen etwas höheren Fett- und Eiweißgehalt als Hühnereier und ein größeres Eidotter. „Damit sind sie hervorragend zum Beispiel für Spiegeleier oder feine Backwaren geeignet“, weiß Funke.
Wer anderenorts in Deutschland Enteneier kosten möchte, der muss sich derzeit noch aktiv auf die Suche machen. Funkes Tipp: „Sprechen Sie kleine Ökobetriebe in der Region an und bringen Sie diese auf die Idee, Legeenten anzuschaffen“. Er würde sich freuen, wenn das Halten von Legeenten Schule macht. „Wir hier auf dem Hof Pente teilen gerne unsere Erfahrungen und erklären, worauf zu achten ist.“
Vielleicht landen in den nächsten Jahren mehr Enteneier in unseren Osternestern – und mit ihnen eine Idee, die zeigt, wie vielfältig und zukunftsfähig Landwirtschaft sein kann.
Den Kontakt finden Sie auf der hofeigenen Webseite.
BÖL/Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau