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Einsteigen in die Ökogeflügelhaltung?

16.10.2026

Ist die Umstellung oder der Einstieg in die ökologische Geflügelproduktion Chance oder Risiko? Worauf kommt es dabei an? Wie kann eine Vermarktung aufgebaut werden? Das Seminar „Umstellen auf Ökolandbau! Ökologische Geflügelerzeugung – ein erfolgreicher und schöner Betriebszweig!“ gab Antworten auf diese Fragen. 

Die Veranstaltung war im Rahmen der bio-offensive von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen organisiert worden; durch den Nachmittag Anfang Oktober führte Öko-Geflügelberater Axel Hilckmann. Zunächst stand eine Betriebsbesichtigung in der Schlachterei Naturverbund Thönes an. In dem Familienunternehmen in Wachtendonk werden Rinder, Schweine und Geflügel geschlachtet. Bereits seit 1988 lebt man dort die Werte des selbst gegründeten Naturverbunds wie regionale Herkunft, tierartgerechte Haltung, schonende Schlachtung und vieles mehr. Die Schlachterei mit eigener kleiner Verarbeitung ist unter anderem mehrfach biozertifiziert und vermarktet an handwerkliche Metzgereien und den Naturkostfachhandel. Klemens Hinßen erläuterte den Weg des Geflügels durch die Schlachterei von der Anlieferung der Tiere bis zur Verpackung des fertigen Produkts.

Trends am Geflügelmarkt

„Der Biomarkt allgemein ist im vergangenen Jahr in Deutschland um enorme 10 % gewachsen“, eröffnete Axel Hilckmann seinen Vortrag zu Trends und Markt in der Geflügelhaltung. Seit drei Jahren steige der Fleischverzehr deutscher Konsumenten wieder; dabei werde vermehrt auf Geflügelfleisch, bevorzugt Hähnchen, zurückgegriffen. Dieses erfüllt die Trends „gesund“, „eiweißreich“ und „einfach zuzubereiten“. Während Studien weitere Steigerungen des Verbrauchs vorhersagten und die heimische Produktion sinke, nähmen Importe, vor allem aus Österreich, zu. 

Klemens Hinßen, Naturverbund
Klemens Hinßen schilderte die Arbeitsschritte beim Ausnehmen des Geflügels.

Am Geflügelfleischverbrauch von rund 15 kg pro Kopf im vergangenen Jahr hatte das Biogeflügelfleisch einen Anteil von 2,5 %. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern ist in 2025 erneut gestiegen auf 252 Eier. Der Anteil von Bio-Eiern lag im Juni 2026 bei 14,3 %. Bei steigender Nachfrage von Bioprodukten in Nordrhein-Westfalen seien die Chancen für den Einstieg in oder die Umstellung auf Bio-Geflügel also durchaus gut, so der Berater. Dafür sprechen unter anderem auch die Möglichkeit, Altgebäude umzunutzen, gut kalkulierbare Arbeitszeiten und der wertvolle Dünger für Ackerbaubetriebe.

Obwohl die Verbraucherpreise für Bio-Eier deutlich gestiegen und Biomasthähnchen gesucht seien, befänden sich aktuell nur wenig neue Betriebe in Umstellung. Gründe dafür seien unter anderem die politische Ungewissheit, hohe Baukosten für neue Stallgebäude, gestiegene Zinsen und zu lange Planungs- und Genehmigungszeiten.

Viele Möglichkeiten mit Geflügel

Ökogeflügelstall
Moderne Ställe sind eine Investition, die gut durchdacht sein sollte.

Geflügel: Das können Legehennen sein, Masthähnchen oder Puten. Weitere Betriebszweige sind die Elterntierhaltung, die Bruteierproduktion, die Junghennenaufzucht oder das Mästen von Bruderhähnen. Außerdem gibt es kleinere, attraktive Märkte für Wassergeflügel und Saisongeflügel wie die Weihnachtspute oder die Entenmast. 

Da sich die Bioverbände bisher in Deutschland gegen die Geschlechtsbestimmung im Ei ausgesprochen haben, müssen die Bruderhähne der Legelinien mit aufgezogen werden. Dies ist aber wegen deren schlechter Futterverwertung in der Regel unwirtschaftlich. Alternativen sind Zweinutzungshühner – mit Schwerpunkt Eier oder mit Schwerpunkt Mast - etwa aus der Zucht der Uni Witzenhausen, Projekt RegioHuhn, oder der Ökologische Tierzucht gGmbH. Gerade in der Direktvermarktung können Betriebe die Aufzucht der Bruderhähne als Alleinstellungsmerkmal werbewirksam kommunizieren.

Ganz entscheidend sei, vor dem Einstieg in die Ökogeflügelhaltung die Absatzkanäle zu klären. Es muss für die Planung bekannt sein, welcher Abnehmer Geflügel in welchen Qualitäten hinsichtlich Gewicht, Produktionsweise, Vermarktungsschiene und Schlachtung haben möchte.

Herausforderungen der Bioerzeugung

Bei allen guten Aussichten wies Berater Axel Hilckmann auch auf die aktuellen Knackpunkte in der Ökogeflügelhaltung hin. Neben der Aviären Influenza (Vogelgrippe) sei nun auch noch die Newcastle-Krankheit (Newcastle Disease) eine Gefahr für die Bestände. Gegen diese kann man zwar impfen, dennoch bleibt die Gefahr der Eintragung. Steigende Futtermittelkosten, besonders bei Eiweißfuttermitteln, und geringere Eiweißgehalte wegen der Trockenheit sorgen für knappere Kalkulationen. Trockenheit wie in diesem Jahr macht es den Geflügelhaltern außerdem schwer, die erforderlichen 50 % Grün auf den Ausläufen einzuhalten. Dies kann zu Diskussionen bei Kontrollen führen.

Auf Absatzseite sind zunehmende Importe von Eiern und Geflügelfleisch zu nennen ebenso wie eine zunehmende Verlagerung des Geschäfts in den Lebensmitteleinzelhandel, wo mehr Preiskampf herrscht. Die weitere Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und damit der Kaufkraft der Verbraucher könnte dazu führen, dass die wertigere Bioware weniger nachgefragt wird.

Vor dem Einstieg in die ökologische Geflügelhaltung gilt es also, Chancen und Risiken abzuwägen und gemeinsam mit der Beratung sorgfältig zu erörtern und zu kalkulieren. Richtig angepackt, kann der neue Betriebszweig für manchen landwirtschaftlichen Betrieb eine ebenso interessante wie lukrative Alternative sein.


Sabine Aldenhoff