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Erdmandelgras bedroht den Ackerbau

09.07.2026

Das invasive Problem-Ungras kann auch in NRW zu einer Entwertung der Fläche führen. Bei Starkbefall ist ein ertrag- und qualitätsreicher Anbau von Kulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln kaum noch möglich. Das gilt auch für den Obst- und Gartenanbau. Wie also dem Ungras begegnen? 

Erdmandeln in Knolle
Die Erdmandeln werden besonders im Spätsommer in unterschiedlichen Bodenschichten gebildet.

In den letzten fünf Jahren ist es zu einer exponentiellen Ausbreitung des Erdmandelgrases (Cyperus esculentus) in Deutschland gekommen. In Niedersachsen wird aktuell davon ausgegangen, dass Flächen in einer Größenordnung von mindestens 250 000 ha befallen sind. Auch in NRW hat die Ausbreitung stark zugenommen. Genaue Zahlen gibt es nicht – in der Summe ist aber sicherlich eine Größenordnung von 25 000 ha erreicht. In der Grafik ist eine Einschätzung des Befalls auf Gemeindeebene abgebildet. 

Neben anmoorigen Flächen sind inzwischen auch Standorte betroffen, die sich aufgrund der Bodenbeschaffenheit sehr gut zum Anbau von Gemüsekulturen eignen. Durch den überbetrieblichen Maschineneinsatz ist die Gefahr einer weiteren Verbreitung als sehr hoch einzustufen. Der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW beobachtet die Ausbreitung daher zusammen mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) genau. Es wird derzeit ein Monitoring erarbeitet, um den Ausbreitungsumfang genauer festzustellen.

Befallskarte Erdmandelgras
Erdmandelgras-Vorkommen in NRW

Bekämpfung (un)möglich?

Erdmandeln in Kartoffeln
Die Mandeln des Ungrases können sich auch gut in Kartoffeln entwickeln. 

Bei Befall einer Fläche entzieht das Erdmandelgras den angebauten Nutzpflanzen wertvolles Wasser, Nährstoffe und Licht. In Kulturen, die im Frühsommer noch Licht an die Bodenoberfläche lassen, kann sich das Ungras gut entwickeln und die freie Fläche derart ausfüllen, dass eine Ernte der Kultur nicht mehr möglich ist. Als wärmeliebende C4-Pflanze kann es mit Nässe, Hitze und hoher Sonneneinstrahlung besser umgehen als unsere heimischen Kulturpflanzen. 

Das anpassungsfähige Ungras ist auch in Nachbarländern seit längerem ein Problem. Dort wurden bereits mechanische, thermische, physikalische, biologische und chemische Maßnahmen getestet. Keine dieser Behandlungen war geeignet, um eine Fläche wieder befallsfrei zu bekommen. Auch in Deutschland ist der Landwirtschaftskammer NRW bisher keine Fläche bekannt, die nach einem stärkeren Befall wieder saniert werden konnte. Eine Bekämpfung ist nur sehr eingeschränkt und mit erheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand möglich.

Daher ist die Prävention umso wichtiger: Denn frühes Erkennen und konsequentes Handeln kann Schlimmeres verhindern. Aus diesem Grund verfolgt die Landwirtschaftskammer NRW die Entwicklung und Ausbreitung des Erdmandelgrases intensiv und hat bereits verschiedene Versuche initiiert sowie durch Feldbegehungen, Vorträge, Kurzvideos und Informationsmaterial darüber berichtet.

Entwicklung praxistauglicher Strategien

Erdmandelgras befallene Fläche
Nahrungs- oder Futtermittel werden auf dieser befallenen Fläche nicht mehr produziert.

Hilfreich bei der Bekämpfung sind neue Techniken, wie das Spot Spraying, mit der auch das Erdmandelgras punktgenau behandelt werden kann. So werden auch Versuche über die Landesinitiative zur Bekämpfung invasiver Schaderreger im Ackerbau vom MLV mitfinanziert. Da chemische Bekämpfungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, um einen Befall dauerhaft zu unterdrücken, verfolgt die Landwirtschaftskammer einen integrativen Ansatz, der pflanzenbauliche, organisatorische und technische Maßnahmen kombiniert. 

Keine fremden Maschinen, Erden und Substrate auf die Flächen zu lassen, ist für Landwirte kaum möglich. Vor allem der überbetriebliche Maschineneinsatz ist für viele Betriebe essenziell. Besonders wichtig zur Prävention ist daher die Maschinenhygiene. Einfache Maschinen, wie Grubber, können auf dem Feld mit einem Onland-Hochdruckreiniger gewaschen werden. Bei der Ernte geht es vor allem darum, zu wissen, auf welchen Flächen Erdmandelgras vorkommt. Es sollten dann unterschiedliche Maschinen eingesetzt werden oder die grüne und rote Erntekette geben. Einzelne Lohnunternehmer arbeiten bereits nach diesem System. Denn vor allem in nassen Jahren ist die Verbreitung besonders stark. Es bleibt mehr Erde an den Anbaugeräten sowie an den Rädern hängen. So kann dann zum Beispiel auch die Maisernte zur Verbreitung beitragen.

Onland-Hochdruckreiniger
Onland-Hochdruckreiniger für die schnelle Reinigung am Feld.So kann eine Verschleppung verhindert werden. 

Mögliche Maßnahmen der Bekämpfung sind zudem flaches Fräsen von maximal 10 cm, Hacken, Bodenerhitzung, Strombehandlungen, wechselnde Fruchtfolgen und Schwarzbrache über mindestens zwei bis fünf Jahre. Weitere Beispiele aus der Praxis, um eine Verbreitung einzudämmen:

  • Genau überlegen, an wen noch Flächen verpachtet werden und von wem noch gepachtet wird.
  • Flächen begehen und in Zukunft auch mit Drohnen überfliegen, um Befall festzustellen.
  • Anfangsbefall wird konsequent beseitigt.
  • Stärker befallene Teilbereiche abtrennen und mit Gras einsäen oder mit konkurrenzstarken Dauerkulturen wie Durchwachsener Silphie oder Miscanthus bepflanzen.
  • Bei Befall erst in der Vegetation: Flächen gesondert oder gar nicht roden.
  • Landwirte und Lohnunternehmer oder Abfuhrgemeinschaften optimieren die Logistik gemeinsam so, dass befallsfreie Flächen gesondert geerntet werden.

Ein Beispiel aus der Industrie: In der Zuckerfabrik von Pfeifer & Langen in Lage wurden zusätzliche Siebe installiert. Alles, was an Boden und Resten an organischer Substanz wieder auf den Acker gelangt, muss durch ein Sieb mit einer Maschenweite von 0,5 mm.


Günter Klingenhagen und Dr. Jonas Hett, Landwirtschaftskammer NRW; MLV