„Ich mache nichts Besonderes“, sagt Biolandwirt Benedikt Ley bescheiden. Dabei ist auf seinem Betrieb, dem Mühlenhof Zepelin bei Rostock, vieles besonders für einen Ökobetrieb.
Mit 1 600 ha Ackerland und 500 ha Grünland verfügt er über ungewöhnlich viel Fläche, setzt aber nicht auf Massenkulturen. Obwohl er auf Kleegras verzichtet, erreicht er ein erstaunlich hohes Dünge- und Ertragsniveau. Außerdem arbeitet er bei mehreren Kulturen pfluglos und schafft es trotzdem, den Unkrautdruck gering zu halten. Wie macht er das?
Die Antwort lautet: Mit viel landwirtschaftlichem Fachwissen, einem sehr guten Team und gesundem Pragmatismus. Als er den Mühlenhof im Jahr 2013 übernahm, war Öko für ihn vorerst nur eine Option. Ein Gegeneinander von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft war ihm schon immer fremd. Letztlich entschied er sich dann im Jahr 2018 für die Umstellung, weil er hoffte, sich damit ein Stück weit von den starren konventionellen Agrarmärkten mit festen Preisvorgaben lösen zu können.
Größere Unabhängigkeit
Genau das gelang mit der Umstellung. Für viele Kulturen konnte er mit den Abnehmern langfristige Verträge zu guten Konditionen vereinbaren. Zudem erzielt er bei allen wichtigen Kulturen stabile, überdurchschnittlich hohe Erträge, trotz mäßiger Böden mit 18 bis 60 Bodenpunkten. Sein Ansatz: „Wir betreiben hier im Ökolandbau großen Aufwand mit viel Personal und hohen Kosten. Das muss sich auch wirtschaftlich rechnen. Der Aufwand sollte mindestens so gut vergütet werden wie im konventionellen Bereich.“
Für ihn ist Rentabilität die wichtigste Säule im Betriebskonzept, um wirklich nachhaltig zu wirtschaften. Neben hohen Erträgen und Einsparungen bei den Anbaukosten, etwa durch autonome Hackroboter in Zuckerrüben, setzt er trotz günstiger Flächenausstattung vor allem auf diverse Sonder- und Spezialkulturen, wie Gemüse, Saatkartoffeln und Samenvermehrung. Insgesamt kommt der Mühlenhof auf 17 verschiedene Kulturen. „Eigentlich hätte ich gerne fünf Kulturen weniger“, meint Ley. „Aber es gibt gewisse Zwänge, die den Anbau bestimmter Kulturen erfordern.“ Als Beispiel nennt er den Roggenanbau. Wegen der vielen leichten Sandböden baute er das Getreide anfangs auf 200 ha an. Mehr, als er wollte. Denn die großen Erntemengen ließen sich nur schwer vermarkten, weshalb er die Anbaufläche zugunsten von Gemüse reduzierte. In den Anbau von Rhabarber stieg er ein, weil ein großer Kunde Interesse an der Kultur anmeldete.
Biogemüse hat mit insgesamt 120 ha Fläche große Bedeutung für den Betrieb. Die wichtigste Kultur ist Rote Bete mit 80 ha. Auf je 20 ha kommen Möhren, Zwiebeln und Rhabarber dazu. Ein Teil des Rhabarbers geht an einen großen Limonadenhersteller, der das Gemüse als Basis für seine Schorlen nutzt.
Lockere Fruchtfolge
Eine festgelegte Fruchtfolge hat Ley nicht. „Wir berücksichtigen eigentlich nur die klassischen Empfehlungen, wie den Wechsel von Sommerungen und Winterungen oder auftragenden und abtragenden Kulturen“, erklärt der Biolandwirt. Zentrales Element der Fruchtfolge ist nicht Kleegras, wie sonst im Ökolandbau üblich. Denn dafür gibt es im Betrieb keine sinnvolle Verwendung. Stattdessen ist die Vermehrung von Weidelgras- und Rotkleesamen die Basis der Fruchtfolge. Sie macht 20 bis 25 % der Flächen aus. Damit gehört der Betrieb in diesem Segment zu den größten Vermehrern von Biosaatgut in Deutschland.
Laut Ley sind beide Vermehrungen aus ackerbaulicher Sicht eine hervorragende Alternative zu Kleegras. Der Rotklee hinterlässt bis zu 200 kg Stickstoff pro ha, während die Grassamenvermehrung für eine intensive Durchwurzelung des Bodens sorgt und eine sehr stabile Krümelstruktur hinterlässt. „Nach dem Pflügen haben wir immer einen ganz tollen Boden“, schwärmt Ley. „Auch wenn Kleegras natürlich noch besser wäre, erreichen wir mit dem Weidelgras allein etwa 70 % der Kleegraswirkung. Und wir haben zusätzlich eine sehr hohe Wertschöpfung.“
Bei der Fruchtfolgegestaltung legt er besonderen Wert auf eine möglichst lange Bodenruhe. Das gelingt ihm zum Beispiel, indem er die Weidelgrasvermehrung als Untersaat in Ackerbohnen einbringt. Nach der Bohnenernte wird die Stoppel gemulcht und das Gras bleibt bis zu zwei Jahre lang Hauptkultur, obwohl die Samen nur einmal geerntet werden. Im Winter dienen die Flächen als Schafweide. Dafür gibt es eine Kooperation mit einem regionalen Schäfer. „Durch die längere Nutzung unterdrücken wir sehr gut Unkräuter und haben durch die intensive Wurzelbildung viel Stickstoff für die nachfolgende Frucht im Boden“, sagt Ley.
Pflugloser Ackerbau
Im Ackerbau gelingt ihm außerdem ein Kunststück, das im Ökolandbau selten ist: 30 bis 50 % der Flächen bestellt er ohne Pflugeinsatz. Bei Sonnenblumen und Mais ist der pfluglose Anbau inzwischen Standard, bei Hackkulturen wie Zuckerrüben und Roter Bete wird abgewogen, ob die Bedingungen stimmen.
Voraussetzung für den Pflugverzicht ist zum Beispiel eine gut deckende Zwischenfrucht, die durch Frost oder Schafbeweidung optimal zerkleinert ist. Denn zu lange Pflanzenreste erschweren später das Grubbern und Striegeln. Zudem hilft eine längere Trockenheit und es darf keine Problemunkräuter auf der Fläche geben. „Wenn wir uns für Pflugverzicht entscheiden, funktioniert das eigentlich immer.“, sagt Ley. Nur bei Getreide und nach der Weidelgrasvermehrung wird grundsätzlich immer gepflügt.
Der Verzicht auf den Pflug spart etwa ein Viertel des üblichen Aufwands für die Bodenbearbeitung. Für Ley sprechen aber auch ganz praktische Gründe dafür. Denn in der Region ist eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit inzwischen die Regel. Alles, was gesät wird, muss deshalb laut Ley mit Kapillarwasser keimen. Durch das Pflügen geht dieser wertvolle Speicher verloren.
Ziel: Konventionelle Erträge
Auch bei den Erträgen hebt sich der Mühlenhof deutlich vom Durchschnitt der Ökobetriebe ab. „Gerade bei Sonnenblumen und Körnermais streben wir konventionelle Erträge an“, sagt Ley selbstbewusst. „Hohe Erträge sind wichtig für die Wirtschaftlichkeit im Ökolandbau. Denn die Gleichung halbe Erträge, doppelter Preis gegenüber dem konventionellen Bereich geht schon länger nicht mehr auf.“
Der wichtigste Schlüssel dafür ist die Düngung. Speziell im Getreide setzt er auf flüssigen, organischen Wirtschaftsdünger und ein möglichst hohes Düngeniveau von bis zu 120 kg N/ha. Nur so entwickeln die Pflanzen nach seiner Erfahrung die notwendige Resilienz in Trockenphasen. Zudem würden geringere N-Mengen schnell zu einem enormen Ertragsabfall von bis zu 50 % führen. Als Flüssigdünger nutzt er das Gärsubstrat aus der 540 kW-Biogasanlage des Betriebs. Auch der besonders N-intensive Grassamenanbau mit einem Bedarf von 140 kg N/ha wird überwiegend mit Gärsubstrat abgedeckt.
Bei Sonnenblumen und Mais arbeitet er dagegen mit einer Leguminosenvorfrucht zur N-Bindung und mit Festmist aus der betriebseigenen Mutterkuhherde mit etwa 800 Tieren. „Beide Kulturen können den Mist sehr gut verwerten, sodass wir hier kaum Gärsubstrat brauchen. Das sparen wir hier ein, um es für Getreide und Grassamen nutzen zu können“, sagt Ley.
Viel Düngung, viel Fläche
Neben dem für den Ökolandbau recht hohen Düngeniveau wirkt sich auch die großzügige Flächenausstattung positiv auf die Erträge aus. Sie ermöglicht sehr große Anbauabstände von zehn Jahren bei Kartoffeln oder sieben Jahren bei Zuckerrüben, was laut Ley absolut etragswirksam ist. Als weiteren Faktor für die guten Erträge sieht er die kontinuierliche Arbeit an der Bodenfruchtbarkeit. Durch längere Bodenruhe, Zwischenfrüchte, Untersaaten, den Einsatz von Mist und mehrjährige Kulturen wie dem Weidelgras hat sich die Bodenstruktur seit der Betriebsübernahme 2014 deutlich verbessert.
Für dieses ungewöhnliche und sehr erfolgreiche Betriebskonzept wurde der Mühlenhof Anfang 2025 beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau vom Bundesminister als einer von drei Betrieben ausgezeichnet. Weil sich das Konzept bewährt hat, plant Ley für die nähere Zukunft nur kleinere Anpassungen. So will er bei der Unkrautkontrolle noch mehr auf Robotertechnik setzen. Zurzeit sind bereits drei Hackroboter im Einsatz. „Und dann gibt es grundsätzlich immer Optimierungsbedarf bei den Basics, wie der Saatbettbereitung und der Saatgutablage“, sagt Ley. „Da kann man immer etwas besser machen.“
Jürgen Beckhoff