Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Fleischrinderhaltung: Stabile Zahlen aus NRW

27.03.2026

Am 20. März kamen die Fleischrinderzüchter aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in der Geschäftsstelle des FHB in Bonn zur Jahresmitgliederversammlung zusammen. 

Neben den mit Zahlen und Fakten aus Mutterkuh- und Fleischrinderhaltung gespickten Vorträgen von Geschäftsführer Maximilian Schäfer sowie des FHB-Vorstandes stand ein spannender Gastvortrag von Dr. Peter Heimberg, Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW, auf dem Programm. 

Stabile Zahlen in NRW

Rinder am Fressgitter
67 000 Mutterkühe werden in 7 000 nordrhein-westfälischen Betrieben gehalten.

Die Mutterkuhzahlen in NRW sind stabil, 2025 sogar leicht wachsend mit + 4 %. Insgesamt rund 67 000 Mutterkühe stehen in gut 7 000 Haltungsbetrieben. Auch in der bundesweiten Betrachtung sind die Zahlen konstant. „Allerdings: Europa- und weltweit stagnieren die Tierzahlen und sind tendenziell sogar rückläufig, was eine wesentliche Erklärung für das hohe Preisniveau beim Rindfleisch ist“, so Schäfer. Im FHB-Gebiet liegt bezüglich der Zahl der Herdbuchkühe die Rasse Limousin mit gut 1 800 Kühen in 122 Zuchtbetrieben vor den Glanrindern mit gut 1 100 Kühen in 133 Haltungen. Die Plätze 3 und 4 gehen an Charolais und Angus. Bundesweit betrachtet dominiert bei den Herdbuchkühen die Rasse Angus (10 600), auf den Plätzen zwei und drei folgen Limousin (8 600) und Fleckvieh-Fleisch (7 900). Das FHB betreut derzeit 38 Rassen.

Trotz der durch die BTV-3 Erkrankungen reduzierten Tierzahlen konnte das FHB in 2025 mit gut 4 300 Absetzern rund 200 Tiere mehr über die Auktionen verkaufen als 2024. Der Durchschnittspreis für die rund 2 700 männlichen Tiere betrug 5,77 € pro kg, für die 1 600 weiblichen 4,25 €. Die Preissteigerungen innerhalb des Jahres 2025 waren enorm, weibliche Tiere kosteten zum Jahresende 2025 so viel wie die männlichen Ende 2024.

Spitzenpreise auf den Auktionen

Die Zuchtbullenauktion im Januar 2026 schlug etliche Rekorde. Nicht nur, dass ausnahmslos alle 62 Bullen verkauft wurden, auch ein Durchschnittspreis deutlich über 5 000 € ist ein Novum, selbst im bundesdeutschen Vergleich. Auch das sehr gute Abschneiden des Charolais-Kontingentes erwähnte Schäfer nochmals explizit. 500 Teilnehmer verfolgten die hybride Auktion über den Onlinekanal, jedes zweite Gebot wurde online abgegeben und gut 40 % der Tiere gingen an Bieter aus dem Internet - ein klares Indiz für die Bedeutung des Online-Angebotes. Nicht so allerdings der Tagessieger: Der mit 10 100 € zugeschlagene Bulle aus dem Bio-Zuchtbetrieb Schäferhof Scholl (Fleckvieh-Fleisch) ging an einen in der Bullenhalle anwesenden Bioland-Zuchtbetrieb aus Westfalen.

Auch die folgende Märzauktion mit Zuchttieren in Meschede konnte als voller Erfolg gewertet werden. Für 32 Zuchtbullen gab es am Ende einen Durchschnittspreis von knapp 5 200 € bei einem Tageshöchstpreis von sogar 11 000 € für einen Limousin-Vererber.

Bedingt durch das stabile Auktionsgeschehen und die stark gestiegenen Verkaufspreise entwickelte sich auch der Gesamtumsatz des FHB im vergangenen Jahr deutlich positiv. Am Ende des Jahres standen 8,2 Mio. € Umsatz und 50 000 € Überschuss nach Bildung von Rücklagen für anstehende Investitionen. 

Was macht das Seuchengeschehen?

Dr. Peter Heimberg, Tiergesundheitsdienst NRW, berichtete umfangreich über die aktuell in Westeuropa vorherrschenden Tierseuchen im Bereich der Rinderhaltung. BTV 3 und 8, BHV-1 sowie EHD und LSD standen ebenso auf dem Programm wie Ausführungen zum Thema Biosicherheitskonzept. Das Blauzungen-Seuchengeschehen betreffend, verwies Heimberg auf die deutlich erhöhte Sterblichkeit während des Höhepunktes der BTV-3 Ausbrüche in Deutschland. „In der zweiten Jahreshälfte 2024 lag die Sterblichkeit bei Rindern um 35 %, bei Schafen gar um 200 % über den langjährigen Mittelwerten!“ Der Veterinärmediziner sprach sich klar für eine BTV-3- und BTV-8-Impfung bei Mutterkühen, Deckbullen und Nachzuchttieren aus. 

„Die zwischenzeitlich in Frankreich grassierende LSD ist aktuell über Impfprogramme gut eingedämmt, es ist aber nicht auszuschließen, dass das Virus aus anderer Quelle wieder auftaucht“, so der Veterinärmediziner weiter. Sowohl Dr. Heimberg als auch Maximilian Schäfer verwiesen nochmals darauf, dass das Jahr 2025 auch völlig anders hätte verlaufen können, wenn sich die MKS-Situation im Januar 2025 anders entwickelt hätte.

Vor dem Hintergrund der umfassenden Seuchengeschehen der letzten Jahre riet Heimberg dringend zur Erstellung eines Biosicherheitskonzeptes für rinderhaltende Betriebe und die Umsetzung der wesentlichen Vorsorgemaßnahmen. „Ich empfehle hierzu das Biosicherheitskonzept für rinderhaltende Betriebe aus Niedersachsen sowie ein für den Verlauf des Jahres 2026 vorgesehenes Papier zur Biosicherheit in kleinen/extensiven Rinderhaltungen“, so Dr. Heimberg. Dieses werde veröffentlicht, sobald die Schulungstermine für die Hoftierärzte abgeschlossen sind und diese damit in die Beratung gehen. 

Wie geht es weiter?

Angesichts der durch zu geringe Meldezahlen wegen BTV-Auflagen bedingten Absage der für April geplanten FHB-Sternstunden in Krefeld rief Maximilian Schäfer dazu auf, gemeinsame Überlegungen anzustellen, in welcher Weise das FHB sich zukünftig mit einer Schauveranstaltung präsentieren möchte. Auch eine Wiederbelebung der einstigen Fleischrindernacht in Hamm schloss er dabei nicht grundsätzlich aus. 

Am 9. und 16. Mai finden Mutterkuhexkursionen des Bioland-Landesverbandes in die Eifel und nach Ostwestfalen statt.  


Jörn Bender, Bioland