Mischungen mit Welschem Weidelgras sind bezogen auf das Saatgutgewicht günstiger im Einkauf als zum Beispiel die deutlich teureren Luzernemischungen. Trotzdem sind Saatgutmischungen mit Welschem Weidelgras für die meisten Öko-Milchviehbetriebe nicht empfehlenswert und in Arbeitskreisbetrieben inzwischen kaum noch zu finden.
Die Gründe hierfür können sein:
- Geringere Erträge: Bei hoher Stickstoffnachlieferung aus dem Boden, wie sie auf vielen Milchviehbetrieben oder auch bei reichlicher Gabe von Biogasgülle in konventionellen Betrieben vorkommt, dominiert Welsches Weidelgras schnell den Bestand und kann im Extremfall Klee und Luzerne fast vollständig verdrängen. Die Folgen sind geringere Futter- und insbesondere geringere Rohproteinerträge. In Versuchen auf mehreren Standorten brachte die Mischung mit Welschem Weidelgras 15 bis 20 % geringere Rohproteinerträge. Fehlen Klee und Luzerne im Aufwuchs, fallen die Mindererträge noch deutlich niedriger aus. Im Extremfall lohnt sich die Ernte des zweiten Aufwuchses kaum.
- Geringere Preisunterschiede pro ha: Die großen Unterschiede pro Gewichtseinheit relativieren sich auf dem Feld (Preise nach Sammelbestellung): 589 und 968 € pro 100 kg sind bei einer Saatstärke von 25 bis 35 kg Saatgut/ha (niedrig bei Luzerne, höher bei Welschem Weidelgras) lediglich 206 bis 259 €/ha. Der Unterschied beträgt damit rund 50 € pro ha. Schon bei nur einjährigem Anbau gleichen 2 bis 4 % Ertragsunterschied diesen Preisunterschied aus. Zusätzlich verschlechtert der geringere Vorfruchtwert von Welschem Weidelgras die Wirtschaftlichkeit, da weniger Stickstoff gebunden wird.
Hinweis zu Bastardweidelgras, Wiesenschwingel und Deutschem Weidelgras
Diese Gräser sind zwar weniger wüchsig als Welsches Weidelgras, können bei hoher Stickstoffnachlieferung, zum Beispiel nach Kartoffelanbau, aber ebenfalls Klee und vor allem Luzerne verdrängen. Die Folgen sind geringere Rohproteinerträge und ein geringerer Vorfruchtwert.
Ausnahme: Auf Standorten oder in Fruchtfolgen, an denen bisher zu viel Klee im Aufwuchs vorhanden war, wie bei weiten Fruchtfolgen und bei Untersaaten, wirkt Welsches Weidelgras nicht verdrängend. In diesen Fällen kann es die Futterqualität und den Vorfruchtwert verbessern, da der Stickstoff nicht so schnell freigesetzt wird.
Dr. Sebastian Glowacki, Landwirtschaftskammer NRW
Dr. Edmund Leisen