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Futterhygiene bei der Gülleausbringung im Blick

20.03.2026

Futterhygiene auf dem Grünland umfasst alle Maßnahmen zur Vermeidung von Verschmutzungen während Bewirtschaftung, Ernte, Silierung und Lagerung. Ziel ist die Erzeugung eines hochwertigen, hygienisch einwandfreien und nährstoffreichen Grundfutters ohne Schimmel, Hefen und hohe Keimgehalte. Eine durchgängige Futterhygiene in der gesamten Erzeugungskette senkt das Risiko von Fehlgärungen, wie der Buttersäuregärung, und damit von Futterverlusten, Nacherwärmung und Verderb.

Bei der Gülleausbringung bedeutet Futterhygiene, Verunreinigungen des Futters mit Gülleresten sowie Krankheits- und Verderberregern, wie Clostridien, zu vermeiden. Dafür sind grundlegende Regeln zu beachten.

Rindergülle – ein schwieriges Substrat

Rindergülle mit einem Trockenmassegehalt von über 6 % (TM) dringt nur langsam in den Boden ein, da sie aufgrund hoher Schleimgehalte sehr zähflüssig ist. Auch faserreiche Gärreste oder strohreiche Gülle weisen eine geringe Infiltrationsfähigkeit auf. Bei oberflächlicher Ablage kann es dadurch zu einer Art Separierung kommen: Flüssige Bestandteile dringen in den Boden ein, während Faseranteile an der Oberfläche verbleiben. Eingetrocknete Güllebänder können die Grasnarbe schädigen und das Risiko der Futterverschmutzung erhöhen.

Grasnarbe
Die Vermeidung von Futterverschmutzungen fängt bei der Pflege der Grünlandnarbe an. Offene Bodenstellen erhöhen die Gefahr von Clostridienkontamination durch Erdanhaftungen im Futter. 

Gülle bei Trockenheit?

Die ausgeprägte Trockenheit in Jahren wie 2018, 2019 und 2025 hat – unabhängig von der eingesetzten Ausbringtechnik – deutlich die Grenzen einer effizienten Platzierung von Gülle und Gärresten aufgezeigt. Da die Trockenheit über weite Teile der Vegetationszeit dominierte, fehlten häufig geeignete Zeitfenster für eine Ausbringung unter günstigen Bedingungen, ohne erhebliche Stickstoffverluste durch Ammoniakemissionen zu verursachen. Besonders im Februar und März 2025, dem wichtigsten Zeitraum für die Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger, führte die ausgeprägte Trockenphase vielerorts zu eingetrockneten Güllebändern. Der mit Gülle und Gärresten ausgebrachte Stickstoff muss dennoch gemäß Düngeverordnung vollständig in der Düngebedarfsermittlung angerechnet werden, unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Verluste. Unter langanhaltender Trockenheit, hohen Temperaturen, starker Sonneneinstrahlung, Wind und verhärteter Bodenoberfläche können Ammoniakverluste von bis zu 80 bis 100 % auftreten. Auch die Injektionstechnik stößt unter solchen Bedingungen an ihre Grenzen, wenn ein Eindringen in den Boden nicht mehr möglich ist.

Zwar regelt die Düngeverordnung Sperrfristen und den Bodenzustand bei der Ausbringung, die Düngung bei hohen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung ist jedoch weiterhin zulässig, auch wenn sie nicht der guten fachlichen Praxis entspricht.

Vorbehalte gegen bodennahe Ausbringung

Injektion
Bei der Injektionstechnik ist die Gefahr von Futterverschmutzungen am geringsten, da der flüssige Wirtschaftsdünger direkt in den Boden eingebracht wird.

Durch die vermehrte Frühjahrs- und Sommertrockenheit der letzten Jahre bestehen in der Landwirtschaft weiterhin Unsicherheiten, besonders in Bezug auf Futterverschmutzung bei der bandförmigen Ablage von Gülle und Gärresten. Aus der Praxis wird jedoch oft berichtet, dass das Risiko bei der Breitverteilung geringer eingeschätzt wird. Unstrittig ist, dass Feststoffe in Gülle und Gärresten bei der bandförmigen Ablage, vor allem bei Schleppschuh- und Schleppschlauchverteilern, bei Trockenheit wochenlang konzentriert auf der Futterfläche verbleiben und verkrusten können. Deshalb bleibt bei der Ernte optisch mehr Gülle am Pflanzenbestand als bei der Breitverteilung, was dazu führen kann, dass Güllereste mit dem Gras nach oben wachsen und bei der Ernte ins Futter gelangen, vor allem bei unzureichend eingestellter Erntetechnik. Besonders Faserreiche Substrate, wie Stroh oder NaWaRo-Reste, können dafür sorgen, dass Streifen bis zur Ernte sichtbar bleiben. Der optische Eindruck allein ist jedoch kein verlässlicher Hinweis auf mangelhafte Futterhygiene und es gibt bisher keine klaren Hinweise aus der Praxis oder Versuchen, die diese Annahme stützen.

Einflüsse der Ausbringtechnik auf die Futterhygiene 

Schleppschuh
Wird die Gülle mit Schleppschuh sollte unter den Grasbestand abgelegt, können Futterverschmutzungen vermieden werden. Bei zunehmend trockenen Bedingungen sollte Gülle über Separation, Vergärung oder Verdünnung mit Wasser fließfähiger gemacht werden. Dies verbessert die N-Effizienz und verringert gleichzeitig das Risiko von Futterverschmutzung.   

Bei allen Gülleausbringtechniken können unter ungünstiger Witterung Probleme der Futterhygiene auftreten. Aktuelle wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse zeigen keine geringere Futterverschmutzung oder Clostridienbelastung bei der Breitverteilung gegenüber emissionsmindernden Verfahren; einzelne Versuche weisen vielmehr auf ein höheres Risiko hin. Untersuchungen belegen das höchste Risiko einer Clostridienbelastung bei der Breitverteilung, gefolgt von Schleppschlauch- und Schleppschuhtechnik, während bei der Injektion die niedrigsten Werte auftreten. 

Dieses Muster zeigt sich auch in den Buttersäuregehalten der Silagen. Schweizer Studien mit dünner Gülle fanden keine Nachteile emissionsmindernder Verfahren für die Futterqualität; der Breitverteiler führte in nachgewachsenen Beständen dagegen zu höheren Clostridien- und Buttersäurewerten. Insgesamt sind Schnittzeitpunkt und Anwelkgrad für die Futterqualität wichtiger als die Ausbringtechnik.

Clostridienbelastung durch Boden

Untersuchungen zeigen, dass nach der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern die Keimgehalte von Clostridiensporen, Coliformen und Escherichia coli auf dem Grünfutter zunächst ansteigen, in den folgenden Wochen jedoch deutlich zurückgehen. Zum Erntezeitpunkt ist die Belastung bei normaler Witterung daher meist so gering, sodass aus Sicht der Futterhygiene und des Gärverlaufs kaum negative Effekte zu erwarten sind. 

Clostridien können unter Freilandbedingungen vor allem als Sporen lange überdauern, vermehren sich jedoch in der Regel nicht. Als obligat anaerobe Mikroorganismen benötigen sie sauerstofffreie Bedingungen. Ihre widerstandsfähigen Sporen können im Boden über Jahre bis Jahrzehnte persistieren und verbleiben nach der Ausbringung von Gülle auf und im Boden. Eine aktive Vermehrung ist nur bei anaeroben Bedingungen möglich, etwa in stark verdichteten oder vernässten Böden, in tieferen Bodenschichten oder in Gülledepots. Auf gut durchlüftetem Grünland ist sie entsprechend stark eingeschränkt.

Futterhygiene ganzheitlich sehen

Breitverteilung
Nicht jede bodennahe Ausbringungstechnik eignet sich bei angeschobenen Grünlandbeständen. Wird die Gülle auf die Grasnarbe abgelegt, erhöht sich das Risiko der Futterverschmutzung insbesondere unter trockenen Bedingungen.

Die Vermeidung von Futterverschmutzungen und problematischen Keimen erfordert ein Bündel präventiver Maßnahmen von der Gülledüngung über die Erntekette bis hin zu Verfütterung. Futterhygiene beginnt bereits bei der Pflege der Grünlandnarbe: Offene Bodenstellen und Narbenschäden sind zu vermeiden, Ziel ist eine dauerhaft dichte Grasnarbe. Erhebliche Verschmutzungen entstehen häufig durch zu tiefe Schnitte oder schlecht eingestellte Ernte- und Aufbereitungstechnik, wobei Erdanhaftungen ein zentrales Eintragsmedium für Clostridien darstellen.

Bei Maulwurfshaufen sowie Mäuse- oder Wildschäden sollte erst bei vollständig abgetrocknetem Bestand gemäht werden, da bei Tau vermehrt Schmutz am Futter haften bleibt und kaum entfernt werden kann. Durch Wildschweine geschädigte Teilflächen sollten vor dem ersten Schnitt eingeebnet und Wurzelballen eingearbeitet werden. Um Futterverschmutzungen zu vermeiden, ist es zudem sinnvoll, solche Schadstellen beim ersten Schnitt gezielt auszusparen.

Silierprozess optimieren

Bei hohen Zuckergehalten im Aufwuchs und/oder dem Einsatz von Silierhilfsmitteln wird der pH-Wert in der Silage rasch abgesenkt. Niedrige pH-Werte hemmen das Überleben und die Vermehrung von Clostridien, sodass das Risiko durch trockene Faserstoffe aus Gülle- und Gärresten als gering einzuschätzen ist. Größere Probleme gehen eher von bodenbürtigen Clostridien oder von Clostridium botulinum durch Tierkadaver aus. Zur Sicherung der Futterhygiene sollte dennoch darauf geachtet werden, dass sichtbare, vertrocknete Güllestreifen bei der Ernte nicht mit aufgenommen werden. Durch eine sorgfältige Einstellung der Erntetechnik lässt sich dieses Risiko deutlich reduzieren.

Gülle muss fließen

Separation
Durch die Separation verbessert sich die Fließfähigkeit der Gülle deutlich. Dadurch reduziert sich das Risiko der Futterverschmutzung.

Ziel der Gülleausbringung ist ein rasches Abfließen von den Pflanzen und eine schnelle Infiltration in den Boden, um Ammoniakemissionen und Futterverschmutzungen zu minimieren. Entscheidend sind neben der Witterung vor allem Ausbringtechnik, Bestandeshöhe und -dichte sowie die Fließfähigkeit der Gülle. Auf Grünland bieten faserarme, gut fließfähige Gülle oder Gärreste Vorteile für Stickstoffeffizienz und Futterhygiene, da sie insbesondere bei Trockenheit schneller in den Boden eindringen. 

Gülle sollte erst kurz vor der Ausbringung vollständig homogenisiert werden. Häufiges Rühren erhöht Kosten sowie Ammoniak- und Geruchsemissionen, ohne den Trockenmasse- oder Fasergehalt zu verändern. Sehr faserreiche Gülle kann vor allem bei streifenförmiger Ausbringung sichtbare Güllebänder verursachen. In solchen Fällen ist die Separierung sinnvoll, da sie Fließeigenschaften verbessert, Ammoniakverluste reduziert und die Stickstoffverfügbarkeit erhöht, was auch Mehrerträge begünstigen kann.

Vergorene Rindergülle aus Biogasanlagen ist meist dünnflüssiger, da organische Verbindungen und Schleimstoffe abgebaut werden. Werden in Biogasanlagen hohe Anteile an NaWaRo- und/oder Festmistanteilen als Substrat eingesetzt, kann dies ebenfalls dazu führen, dass hohe Rückstandsmengen an Fasern auf der Bodenoberfläche oder an den Pflanzen verbleiben. Zudem können bei Gärresten höhere Stickstoffverluste auftreten, insbesondere bei Breitverteilung, bedingt durch höhere Ammoniumgehalte und pH-Werte. Clostridien, vor allem Sporen, werden durch die Vergärung nur begrenzt reduziert und bleiben im Gärrest nachweisbar.

Eine Verdünnung der Gülle mit Wasser verbessert ebenfalls die Fließfähigkeit und reduziert Emissionen, ist jedoch aufgrund steigender Transport- und Ausbringungskosten nur begrenzt wirtschaftlich. Güllezusatzmittel zeigen bislang keine verlässlich belegte Wirkung und werden daher nicht empfohlen. Grundsätzlich sollte die Fließfähigkeit der Gülle an eine streifenförmige, bodennahe Ausbringung angepasst werden.

Gülletechnik – was ist zu beachten?

  • Bei der Schleppschlauchtechnik wird die Gülle ohne Auflagedruck auf den Pflanzenbestand abgelegt, was insbesondere bei höheren Aufwüchsen ein erhöhtes Risiko der Futterverschmutzung birgt. Um hygienische Probleme zu vermeiden, sollte sie nur auf kurze Stoppeln und vorzugsweise mit stark verdünnter oder separierter Gülle eingesetzt werden.
  • Die Schleppschuhtechnik ermöglicht eine bodennahe Ablage, indem der Pflanzenbestand durch die Kufen geteilt wird. Dadurch ist die Futterverschmutzung geringer als bei Breitverteilung und Schleppschlauch, und es ergibt sich ein größeres Zeitfenster nach der Mahd. Voraussetzung für gute Hygiene sind exakte Bodenführung, ausreichender Schardruck und angepasste Fahrgeschwindigkeit. Bei optimalem Einsatz kann auch Standardgülle meist hygienisch sauber abgelegt werden, Risiken bestehen jedoch bei hohen und nassen Grasbeständen sowie bei sehr faserreicher Gülle. Insgesamt stellt die Schleppschuhtechnik einen guten Kompromiss zwischen Emissionsminderung und Futterhygiene dar.
  • Die Injektionstechnik weist unter normalen Bedingungen das geringste Verschmutzungsrisiko auf, da die Gülle direkt in den Boden eingebracht wird. Sie ist besonders in trockenen Phasen hygienisch vorteilhaft, jedoch stark von den Bodenbedingungen abhängig. Bei zu trockenen oder zu nassen Böden steigt das Risiko von Verschmutzungen und Narbenschäden, sodass unter ungünstigen Bedingungen auch auf die Injektion verzichtet werden sollte.

Güllemenge begrenzen

Die Ausbringmenge von Gülle oder Gärresten sollte im Sinne der Futterhygiene insbesondere bei dicker Gülle mit mehr als 6% TS auf maximal 15 bis 20 m³ je ha und Gabe begrenzt werden. Höhere Mengen sind nur bei sehr dünner Gülle oder dünnen Gärresten sinnvoll. Insbesondere bei einem höheren Anteil grober Faserbestandteile empfiehlt es sich, die Jahresmenge auf mehrere kleinere Gaben zu verteilen, zum Beispiel viermal 10 m³/ha statt zweimal 20 m³/ha.


Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW