Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Grünland resilienter machen

12.03.2026

Auf dem Sauerländer Grünlandtag in Meschede wurden am 19. Februar Anpassungsstrategien an den Klimawandel, die Bedeutung des pH-Werts in der Grünlandbewirtschaftung und die Problematik von Jakobskreuzkraut näher beleuchtet und diskutiert. 

Grünlandbestand und Versuche
Vor allem zunehmender Hitzestress und längere Trockenphasen stellen das Grünland vor große Herausforderungen.

Mit welchen wirkungsvollen Strategien sich Grünland angesichts der negativen Folgen des Klimawandels weiterentwickeln und widerstandsfähiger gestalten lässt, erläuterte Prof. Dr. Harald Laser von der Fachhochschule Südwestfalen, Soest. Er verwies dabei auf die anhaltende globale wie auch regionale Erwärmung und zeigte auf, welche Wetterextreme künftig voraussichtlich häufiger auftreten werden.

Im Vergleich zu Kulturen wie Getreide oder Mais weist Grünland einen deutlich höheren Wasserbedarf auf und reagiert daher besonders sensibel auf Wassermangel. Hitze und Trockenheit können in Futterbaubetrieben eine Kaskade von Negativeffekten auslösen. Neben Ertragsrückgängen und dem Verlust leistungsfähiger Futterpflanzen sind auch die Futterversorgung und -planung sowie letztlich die betriebswirtschaftliche Situation der Betriebe betroffen.

Gleichwohl betonte Prof. Dr. Laser die Notwendigkeit, kurz-, mittel- und langfristige Strategien zu entwickeln, um vor allem Trockenphasen besser abpuffern zu können. Wunderpflanzen oder -mischungen, die erst bei einsetzender Trockenheit ausgesät werden und selbst langanhaltende Hitzeperioden unbeschadet überstehen, während andere Kulturgräser und Leguminosen bereits Welkeerscheinungen zeigen, gebe es im Grünland nicht.

Neuere Untersuchungen und Praxiserfahrungen der vergangenen Jahre zeigen allerdings, dass eine stärkere Artendiversifizierung mit funktionellen Artengruppen aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen auch im intensiv genutzten Grünland einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Resilienz leisten kann. Als Beispiele nannte der Referent tiefwurzelnde Kräuter, wie Futterzichorie und Spitzwegerich, und Leguminosen, wie Luzerne und Rotklee. Bei den Gräsern haben sich unter trockenen Bedingungen insbesondere Rohrschwingel und Knaulgras bewährt, obwohl im Vergleich zum Deutschen Weidelgras gewisse Einbußen in der Futterqualität in Kauf genommen werden müssen.

Zu den kurz- und mittelfristigen Anpassungsmaßnahmen zählen darüber hinaus der Aufbau von Humus, eine ausgewogene Nährstoffversorgung – insbesondere mit Kalium – und ein optimal eingestellter pH-Wert. Ebenso wichtig: Das Risiko von Bodenschadverdichtungen reduzieren. Die erheblichen Auswirkungen von übermäßigen Bodenverdichtungen auf die Ertragsfähigkeit veranschaulichte Prof. Dr. Laser eindrucksvoll anhand eines langjährigen Simulationsversuchs an der Versuchsstation Remblinghausen.

Vorsicht Jakobskreuzkraut

Über die zunehmende Problematik des hochgiftigen Jakobskreuzkrauts (JKK) in den vergangenen zwei Jahrzehnten – insbesondere im extensiv genutzten Grünland – referierte Martin Hoppe, Grünlandspezialberater der Landwirtschaftskammer NRW. Er verdeutlichte das erhebliche gesundheitliche Gefährdungspotenzial für raufutterfressende Tiere. Bereits geringe Aufnahmemengen können zu schweren und irreversiblen Gesundheitsschäden führen.

JKK
Auch auf das gesundheitliche Gefährdungspotenzial von Jakobskreuzkraut wurde in einem Vortag eingegangen.

Hoppe verwies ausdrücklich auf die geltenden futtermittel- und tierschutzrechtlichen Gesetzgebungen. Daraus lasse sich ableiten, dass im Grünland eine Nulltoleranz gegenüber Giftpflanzen wie dem JKK angestrebt werden sollte. Hinsichtlich des Grünlandmanagements machte er deutlich, dass das Risiko der Etablierung und Ausbreitung bei geringer Stickstoffversorgung, hoher Narbenlückigkeit und einer Nutzung als Standweide erheblich ansteige. Auf Flächen, auf denen JKK bislang nicht oder nur in geringem Umfang vorkäme, sei daher die Prävention wichtig. Zentrale vorbeugende Maßnahmen sind eine optimierte Nährstoffversorgung, ein angepasster pH-Wert und der Aufbau und die Erhaltung einer dichten, konkurrenzstarken Grasnarbe. Regelmäßige Nachsaaten stellen hierbei eine wirksame Vorsorgestrategie dar.

Bei direkten Regulierungsmaßnahmen sollten im Sinne eines integrierten Ansatzes vorrangig mechanische Verfahren im Vordergrund stehen, etwa wie das Ausstechen der Pflanzen im Rosettenstadium oder die Mahd vor der Samenreife. Bei chemischen Maßnahmen komme eine Einzelpflanzen- oder eventuell eine gezielte Flächenbehandlung mit dem Herbizid Simplex in Betracht.

Besondere Herausforderungen für eine wirksame und nachhaltige Bekämpfung ergeben sich durch Nutzungseinschränkungen, etwa im Vertragsnaturschutz. Zudem wird die Regulierung erheblich erschwert, wenn sich bereits Sackgassenbestände mit sehr hohen Besatzdichten etabliert haben.

Ein Versuch der Landwirtschaftskammer NRW in der Lippeaue bei Werne untersucht derzeit, wie effektiv verschiedene mechanische Bekämpfungsmaßnahmen auf stark belasteten JKK-Problemflächen erfolgen können. Das Projekt wird gemeinsam mit der Biologischen Station im Kreis Unna durchgeführt. Ergebnisse sollen in den kommenden Jahren erhoben und präsentiert werden. Perspektivisch könnten innovative, bildgebende und KI-gestützte Technologien verwendet werden. Mit ihnen lassen sich Problempflanzen identifizieren und im Spot-Spraying-Verfahren gezielt und selektiv mit Herbiziden behandeln.

Ökosystem-Ingenieure

Welche Leistungen Regenwürmer für den Boden und die Landwirtschaft erbringen, erläuterte Prof. Dr. Lukas Beule von der Fachhochschule Südwestfalen, Soest, bei einer anschaulichen Exkursion. Aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungen bezeichnete er sie als Ökosystem-Ingenieure. Regenwürmer sind essenziell für die Bodengesundheit und zugleich wichtige Indikatoren für ein intaktes Bodenökosystem. Auch in Pflanzenproduktionssystemen – wie dem Grünland – entfalten sie eine wachstumsfördernde und ertragssteigernde Wirkung. Wie Prof. Dr. Beule betonte, leisten die Würmer einen wichtigen Beitrag zur globalen Nahrungsmittelproduktion.

In Deutschland sind 51 Regenwurmarten bekannt. Entsprechend ihrer Lebensweise lassen sie sich in drei ökologische Gruppen einteilen: Streuschichtbewohner, Mineralbodenbewohner und Tiefengräber. Diese unterscheiden sich in Farbe, Größe und Körperform - vor allem aber in ihrer spezifischen Lebensweise und Funktion im Boden. Unter Grünlandnutzung können mehrere Hundert Individuen pro Quadratmeter vorkommen. Aktuell werden an der Versuchsstation in Remblinghausen Untersuchungen durchgeführt, um den Einfluss unterschiedlicher Nutzungsformen sowie von Bodenverdichtungen auf Population und Biomasse der Regenwürmer zu analysieren. 


Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW