Wie sieht die Land- und Forstwirtschaft von morgen aus und was kann künstliche Intelligenz (KI) schon heute leisten? Antworten darauf soll die neue Tour „Starke Zukunft in NRW: KI in Landwirtschaft und Wald“ von NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen bieten.
Der Startschuss dazu fiel Mitte April auf dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb Bauer Courth in Köln-Esch. „Ziel der Tour ist es, zu zeigen, wie digitale Technologien Stall, Wald und Acker verändern. Wir wollen die Leistungsfähigkeit des Agrarstandorts Nordrhein-Westfalen sichtbar machen und den Dialog zwischen Forschung, Praxis und Öffentlichkeit stärken“, betonte die Ministerin gegenüber der Presse.
Weniger Pflanzenschutzmittel
Im Fokus beim Tour-Start stand eine KI-gestützte Hacke des in Meerbusch ansässigen Unternehmens Feldklasse, die im landwirtschaftlichen Betrieb von Martin Courth eingesetzt wird. Per Kamera erkennt ein Algorithmus Unkraut und entfernt es gezielt, während die Kulturpflanze stehen bleibt. Während die bisher eingesetzten Hacken nur zwischen den Kulturreihen hacken konnten, macht es der Algorithmus möglich, auch zwischen den Pflanzen zu hacken und so den Acker frei von Unkräutern zu halten, die den Ertrag negativ beeinflussen könnten. Ein Ansatz, der zeigt, wie technischer Fortschritt auch helfen kann, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.
Und dies sei auch ein Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung, wie Gorißen betonte. So spiele die Nutzung von technischen Innovationen sowie von KI auch in der Ende 2025 von der Landesregierung verabschiedeten Pflanzenschutzmittelreduktionsstrategie eine große Rolle. Eine Verringerung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ohne die Gefährdung der Ernten lässt sich laut Angaben der Ministerin am besten durch Nutzung des technischen Fortschritts, Innovationen und eine noch bessere Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes erreichen und nicht durch pauschale Verbote erreichen. Ziel der Landesregierung sei es, moderne technische Verfahren, wie etwa automatische Hackroboter, Spot-Spraying, Drohnen und digitale Schädlingserkennung, schneller in die Praxis zu bringen, zum Beispiel durch gezielte Investitionsförderung. Als einen Baustein hat das Landwirtschaftsministerium daher die Förderung moderner Pflanzenschutzgeräte in die Investitionsförderung aufgenommen.
Mehr Fläche in kürzerer Zeit
Dr. Oliver Schmittmann vom Institut für Landtechnik an der Universität Bonn gab Einblicke in die aktuelle Forschung zum Einsatz von KI zur mechanischen Bekämpfung von Unkräutern. Er konzentrierte sich insbesondere auf Reihenkulturen wie Salat oder auch die Zuckerrübe. Der Fokus der Forschung liegt laut Schmittmann vor allem darauf, die Schlagkraft der neuen Verfahren zu erhöhen - der Hackprozess soll also beschleunigt werden, damit mehr Fläche in kürzerer Zeit bearbeitet werden kann. Gleichzeitig arbeite die Uni Bonn an Verfahren, die die Wirksamkeit von entwickelten Innovationen messbar machen, berichtete der Wissenschaftler.
Dr. Jonas Hett, Leiter des Sachbereichs Ackerbau beim Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW, wies darauf hin, dass der Anteil an mechanischen und KI-gesteuerten Hacken in der Unkrautbekämpfung steige, gleichzeitig müsse aber der Werkzeugkasten an Pflanzenschutzmitteln erhalten bleiben. „Wir haben schon sehr viel erreicht, wenn wir durch den Einsatz intelligenter Hacktechnik zumindest einen Teil der Herbizidanwendungen ersetzen können“, stellte Hett fest.
Bis September 2026 sind weitere Stationen der Tour in Kamp-Lintfort und Krefeld, Senden, Rheinbach, Harsewinkel, im Arnsberger Wald und in Bad Sassendorf geplant.
Dr. Elisabeth Legge, LZ Rheinland