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Heimische „Sexy Beans“ im Blick

07.04.2026
Besuchsgruppe Studenten Sexy Beans
Die meisten Teilnehmer hatten bislang keine Berührungspunkte mit der Landwirtschaft und freuten sich über die praxisnahen Einblicke.

Im Rahmen einer Zusammenarbeit der Internationale Designhochschule Köln sowie der Designschulen in Nantes, Barcelona und Rom entstand vor vier Jahren das Projekt „Sexy Beans“. Dieses nimmt die pflanzlichen Ernährungstrends der Zukunft aus Sicht des Produktdesigns und Marketings in den Blick. 

Einmal jährlich findet in einem Rotationsverfahren ein Austausch der beteiligten Hochschulen mit einer Gruppe von Studenten und Studentinnen und ihren Lehrenden statt. Um auch die Erzeugerseite kennenzulernen und zu verstehen, hat das LeguNet NRW eine Exkursion durchgeführt. 

Hülsenfrüchte aus dem Münsterland

Bohnenausstellung - Sexy Beans
Im Hofladen und im Onlineshop von Familie Sprenker werden die Trockenbohnen sowie daraus hergestellte Produkte, wie Aufstriche, Falafelmischungen und Nudeln, vermarktet. So bleibt die Wertschöpfung auf dem Betrieb.

Das erste Ziel der Gruppe war der Hof von Familie Sprenker in Beckum. Gemeinsam mit seiner Familie und Mitarbeitern bewirtschaftet Benedikt Sprenker einen Ackerbau- und Schweinemastbetrieb. Vor über 20 Jahren hat er begonnen, großkörnige Leguminosen anzubauen. Angefangen hat er mit der Ackerbohne, seit 2010 baut er auch Sojabohnen an. Inzwischen haben auch verschiedene Trockenbohnen Einzug in seine Fruchtfolge erhalten. Die veränderten Klimabedingungen haben ihn dazu gebracht, über alternative Kulturen nachzudenken. 
„Wir importieren viele Hülsenfrüchte nach Deutschland, obwohl wir sie selber anbauen könnten. Das Wissen über den Anbau „neuer alter Kulturen“ ist leider verloren gegangen“, berichtete der Betriebsleiter von den Chancen und Herausforderungen. Dabei bringe die Vielfalt eine Risikostreuung für den Betrieb mit sich. 

Großes Interesse seitens der Studenten gab es auch an den Bereichen Marketing und Verpackung sowie den politischen Rahmenbedingungen. Sprenker freute sich über den Wechsel der Sichtweise. „Es ist wirklich schön, auch mal eine Gruppe ohne landwirtschaftlichen Hintergrund zu begrüßen. Da ergibt sich eine völlig andere Diskussion.“  

Heimische Rohstoffe für die Ernährung

Besichtigung Raiffeisen - Bohnen
Von der Anlieferung bis zur Verpackung: Die Gruppe erhielt bei der Betriebsführung der Raiffeisen Warendorf eG Einblicke in den Prozess nach der Ernte. 

Die Raiffeisen Warendorf eG bietet Vertragsanbau für Sojabohnen an und ist das Bindeglied zwischen der Erzeugung und weiteren Verarbeitung. Geschäftsführer Reinhold Schmidt begrüßte die Gruppe und stellte das Unternehmen vor. Dieses ist neben dem Handel mit Ernteprodukten und Futtermitteln auch ein Lieferant für Betriebsmittel und Kraftstoff an die landwirtschaftlichen Betriebe. Aktuell nimmt die Genossenschaft jährlich zwischen 2 000 und 4 000 t Sojabohnen auf. „Unser Ziel sind jeweils 1 000 ha Sojaanbaufläche für Qualitätsbohnen und Futtermittelbohnen“, sprach Dirk Steltig, Pflanzenbauberater der Raiffeisen Warendorf eG, ein Unternehmensziel an.

Neben der Witterung hat zum Beispiel auch Taubenfraß Einfluss auf den Ertrag und die Qualität der Ernte. Die Anforderungen an die Ware für den Lebensmittelbereich sind hoch: Besatz, Kontamination, Eiweißgehalt. Können die vorgegebenen Grenzwerte nicht eingehalten werden, wird die Bohne für den Futtermittelbereich verwendet. „Wir bieten den Landwirten eine Abnahmegarantie, so bleiben die Landwirte auch bei schwankenden Erträgen und Inhaltsstoffen nicht auf ihrer Ernte sitzen“, erklärte Hendirk Bresser, Raiffeisen Warendorf eG, den Exkursionsteilnehmern das Prinzip des Vertragsanbaus. Für die internationale Gruppe, die sich bislang eher mit Produktentwicklung und Food Design beschäftigt hat, sind diese Aspekte ein neues Feld. Dass sich die Sortenunterschiede der Sojabohnen beispielsweise auf Produkteigenschaften des Lebensmittels auswirken können, führte zu einer ganz anderen Perspektive der Studenten. Auch die Komplexität der Herausforderungen, die geforderten Qualitäten auf dem Acker zu erreichen, überraschte die Teilnehmer.

Landwirtschaft zum Anfassen

Knöllchenbakterien Ackerbohne
Die Winterackerbohnen hatten bereits viele Knöllchen gebildet. Das rotgefärbte Innere deutete auf eine hohe Aktivität der Bakterien hin. 

Zum Abschluss der Exkursion ging es zurück zu den Wurzeln: Auf dem Biobetrieb Gut Giffelsberg konnten die Studentinnen und Studenten den Anbau von Leguminosen auf dem Feld sehen. Die beiden LeguNet-Mitarbeiter Sarina Hertel und Matthias Bierth, Landwirtschaftskammer NRW, erläuterten, wie der Anbau der Kulturen funktioniert und welche Herausforderungen es gibt. Das Wintererbsen-Triticale-Gemenge und die Winterackerbohnen waren gut durch den Winter gekommen und hatten schon viele Knöllchen gebildet. So konnte den Designstudenten das Prinzip der Stickstofffixierung direkt an der Pflanze erklärt werden. Informationen über die Fruchtfolge, Aussaat und Unkrautregulierung gaben einen Überblick über das komplexe System des ökologischen Ackerbaus. 

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Das gegenseitige Verständnis verschiedener Akteure der Wertschöpfungskette ist der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit des vor- und nachgelagerten Bereichs. Nur so kann der Mehrwert heimischer Rohstoffe wertgeschätzt werden - auch monetär. Herausforderungen wie globaler Wettbewerb und Klimaveränderungen bestehen auch über die Grenzen hinaus und erfordern einen internationalen Wissensaustausch. 


Sarina Hertel, Landwirtschaftskammer NRW