Um die Tiere gesund durch die aktuelle Hitzewelle zu bringen und die Temperaturregulation bestmöglich zu unterstützen, besteht aktuell sowohl im Stall als auch auf der Weide Handlungsbedarf. Wie kann der Umgang mit Hitzestress bei Weidehaltung gut gelingen?
Die optimale Außentemperatur für Rinder liegt im Bereich zwischen 4 bis 16 °C. Die aktuell extremen Temperaturen stellen für die Milchkühe eine anspruchsvolle Zeit dar. Gerade hochleistende Tiere leiden wegen ihrer hohen Stoffwechselleistung vermehrt unter dauerhaft hohen Temperaturen.
Management ernstnehmen
Länger andauernder Hitzestress hat für die Gesundheit und die Leistung von Kühen weitreichende Folgen. So nehmen die Kühe bei hohen Temperaturen zum Teil weniger Futter auf und verbrauchen gleichzeitig mehr Energie, um die überschüssige Wärme aktiv abzugeben. So können sie in einen Energiemangel geraten, der den Stoffwechsel beeinflussen kann. Außerdem steigt das Risiko für Acidosen unteranderem durch weniger Speichel und somit Bicarbonate im Pansen aufgrund geringerer Wiederkauaktivität. Ebenso steigt das Risiko für Euterentzündungen.
Grundsätzlich gilt: In Hitzephasen noch mehr Wert auf das Management legen:
- Tränken mehrmals am Tag reinigen
- Fliegenbekämpfung für mehr Ruhe intensivieren
Wie belastet die Tiere durch Hitze sind, zeigen sie durch vielfältige Reaktionen im Verhalten, wie aus der Tabelle ersichtlich, sowie physiologische Anpassungen und infolge dessen auch durch Leistungsabfall.
Alle Reaktionen auf Hitzestress führen dazu, dass durch die verminderte Aktivität und die erhöhte Wasseraufnahme die Futteraufnahme und die Wiederkauaktivität sinkt. Wenn die Energieaufnahme sinkt, treten zudem Milchleistungseinbußen, Rückgänge der Milchinhaltsstoffe, steigende Zellzahlen und eine verminderte Furchtbarkeit, wie eine unsichtbare Brunst oder eine verminderte Spermaqualität bei Bullen, auf. Es lohnt sich also, den Hitzestress für die Tiere zu reduzieren und dadurch dem Betrieb wirtschaftliche Schäden zu ersparen.
Was ist zu tun?
- Milchkühe können bei stallnaher Haltung bei hohen Außentemperaturen tagsüber im - möglichst kühleren - Stall bleiben. Ist eine Nachtweide nicht umsetzbar, so sollte den Kühen in den frühen Morgen- und späten Abendstunden Weidegang angeboten werden. Ab dem Mittag sollten die Tiere Zugang zum Stall erhalten, auch wenn dort keine Zufütterung möglich ist. Je nach Bedingungen im Stall können die Tiere auch windoffene Stellen auf der Weide bevorzugen und diese aufsuchen.
Zudem gilt, ähnlich wie bei der Sommerweidehaltung von Mast- und Aufzuchttieren oder aber Mutterkühen, den Hitzestress auf der Weide zu reduzieren:
- Stress durch Umtreiben, Hunde, oder Gruppenwechsel in Hochtemperaturphasen vermeiden
- Schatten durch Bewuchs: Bäume, Knicks, Hecken zugänglich machen
- Unterstände müssen ausreichend groß sein und luftig – etwa 4 m²/Kuh und 1 m²/Kalb
- Mineralstoffversorgung sicherstellen durch Lecksteine oder ähnliches
- Wasserversorgung über ausreichende Tränkestellen mit möglichst 360 Grad Zugänglichkeit sicherstellen, mindestens alle 300 m eine Tränke für 2 bis 4 ha oder pro 20 bis 25 Kühe.
- Jungvieh und Kälber nicht vergessen – vor allem in Iglus!
Tessa Alkemper und Dr. Sebastian Glowacki,
Landwirtschaftskammer NRW