Im Rahmen der diesjährigen Bioland-Gärtner-Exkursion des Bioland-Landesverbands Nordrhein-Westfalen wurde auch der Betrieb Peeters-Mertens in Neer besucht.
Biogemüse und Biojungpflanzen produzieren Robin Peeters, seine Eltern und ein Kompagnon im Niederländischen Neer zwischen Venlo und Roermond. Die leichten Böden mit 2 bis 2,5 % Humusanteil eignen sich prima für den Gemüseanbau im Freiland. Abnehmer sind der Großhandel und der Lebensmitteleinzelhandel.
Wim Peeters und Ellen Mertens gründeten 1993 ihre Gärtnerei als konventionellen Betrieb mit 8 ha Spargel, Porree und Chinakohl. Als sie um die Jahrtausendwende vor der Frage standen, wie das Unternehmen wachsen soll und Spritzmittel immer mehr Thema wurden, begannen sie, sich mit dem Bioanbau zu beschäftigen. Sie besuchten Bio-Ackerbaubetriebe in der Polderregion und stellten fest, dass die Betriebsleiter eine besondere Einstellung hatten: immer positiv.
Das wollten sie auch, und so konnten sie nach der Umstellungsphase 2003 ihr erstes Biogemüse verkaufen, damals Kartoffeln, Porree und Chinakohl. Nach kleinen Startschwierigkeiten mit der Vermarktung wurde der Betrieb rasch zu klein und so wurde 2008 „auf der grünen Wiese“ ein größeres Unternehmen errichtet mit Wohnhaus, Halle und Büroräumen. Das Credo der Firmengründer lautet: „Zusammen mit einem geschätzten festen Team, mit Achtsamkeit für Boden und Natur, arbeiten wir täglich daran, das leckerste Gemüse anzubauen!“
Vielfalt an Gemüsekulturen
Inzwischen hat Sohn Robin die Betriebsleitung übernommen und es werden auf rund 100 ha folgende Kulturen angebaut: ganzjährig Porree, Chinakohl von Mai bis Februar, Zucchini von Juli bis Oktober, Miniromana von Mai bis Oktober, Eisbergsalat im Juni, Fenchel von Mai bis Oktober sowie Dicke Bohnen im Juni und Juli. Die Ware bleibt überwiegend in den Niederlanden; Abnehmer sind Bioläden, die über den Großhandel bedient werden, sowie große Discountketten. Vermarktet werden alle Gemüseprodukte über die Anbauervereinigung Fossa Eugenia. Neuestes Projekt ist der Anbau von Bioschnittblumen, unter anderem Sonnenblumen, die über die Versteigerung abgesetzt werden sollen.
In der Aufbereitungshalle stehen allerlei Maschinen für das Waschen, Putzen und Verpacken der verschiedenen Kulturen, darunter eine Flowpack- sowie Banderolier-Maschinen. Die Marktaufbereitung erfordert ebenso wie die Ernte trotz der Maschinen viel Personal. Arbeitskräfte kosten zurzeit in den Niederlanden 26 €/h brutto. Die Truppe bei Peeters-Mertens kommt aus Bulgarien über eine Agentur, die auch die Unterkunft bietet. Alle bekommen den gleichen Lohn und jeder fängt mit Unkrautpflücken an. Wenn das zwei Wochen gut geklappt hat, kann man sich hocharbeiten. Der „Lohn“ ist dann eine angenehmere Arbeit, so die Philosophie in dem Biobetrieb.
Ökologisches Flächenmanagement
Gegen Unkraut werden alle Flächen 15 cm tief mit dem Eco-Pflug bearbeitet. Erntereste werden zurück auf den Acker gebracht und ebenso wie Kompost eingearbeitet. Fruchtwechsel ist natürlich ein Thema; hier ist unter anderem die Kultur von Dicken Bohnen sehr bereichernd. Die Spurbreite liegt bei 1,8 m, sodass Salat vierreihig und alles andere dreireihig gepflanzt wird.
Bei den Düngemitteln müssen in den Niederlanden im Ökoanbau 70 % aus biologischer Herkunft stammen. 30 % dürfen aus konventionellen Betrieben stammen wie etwa Haarmehlpellets. Der Betrieb ist nicht nur als Biobetrieb zertifiziert, sondern hat auch weitere Zertifizierungen wie GlobalGAP, EKO, Europa Biologisch und SKAL.
Porree als Hauptkultur
Die Porreejungpflanzen gehen natürlich auch in den eigenen Bioanbau. Die 25 ha Flächen dafür werden im April mit einer Gründüngung mit Leguminosen vorbereitet, die im Juni eingearbeitet wird. Es folgt das Ausbringen von Rindergülle. Dann wird der Porree darauf gepflanzt. Bereits fünf bis sechs Tage nach der Pflanzung wird er erstmals gestriegelt. Auch während der Kultur wird der Porree noch einmal über eine spezielle Maschine mit Gülle zwischen den Reihen versorgt, denn Porree braucht viel Stickstoff. Mit der Hacke inklusive Kamera werden die Flächen saubergehalten und abwechselnd mit einer speziellen Maschine angehäufelt. Eine gewisse Menge Thripsschäden am Laub werden vom Handel akzeptiert, das erfordert allerdings immer wieder Erläuterungen. Ein Knoblauchpräparat wird gegen Insekten gespritzt.
„Der Ertrag war in diesem Jahr mit 50 t Porree/ha für Sommerporree sehr gut“, berichtete Robin. Daher ist Porree übrig geblieben und überständig geworden. Auch diese Pflanzen, die bereits Knospen gebildet haben, werden noch vermarktet: 100 000 kg gehen an einen Parfümhersteller in Frankreich.
Herausforderung Fenchel
Auf 15 ha wird Fenchel angebaut; besonderes Augenmerk liegt auf der frühen Ernte aus dem Freiland. Diese Kultur bezeichnet Robin als die schwierigste: „Die Ausbeute kann bei 99 % liegen, aber auch nur bei 40 %.“ Hier werden zuvor 30 m³ Rindergülle ausgebracht, viel mehr Stickstoff brauche der Fenchel nicht. Angebaut werden die Fenchelsorten `Solaris F1´, `Clodio F1´ und `Velino F1´. Das Jäten erfordert in dieser Kultur viel Handarbeit.
Für die Gülle arbeitet Peeters-Mertens mit zwei Viehbetrieben zusammen. Von denen hat allerdings im letzten Jahr einer aufgehört, als die Regierung Prämien für die Reduktion des Viehbestands ausgelobt hatte. Aufgrund dieser Politik werde es immer schwieriger, an ausreichend Wirtschaftsdünger zu kommen. Mit dem verbleibenden Landwirt pflegen die Gemüsegärtner ein enges Verhältnis, sie produzieren im Rahmen ihrer Fruchtfolge Kleegras für ihn.
Zucchini täglich ernten
Die Zucchini wachsen auf per GPS gezogenen niedrigen Dämmen in Mulchfolie aus Maisstärke, wo sie von Hand hineingepflanzt werden. Verfrüht werden sie mit einem Minitunnel mit 20 g-Vlies. Der erste Satz wird mit Hummeln bestäubt. In den Folgesätzen sind natürlich zufliegende Bestäuberinsekten aktiv. Bewässert wird von oben. Gegen Mehltau wird Backpulver gespritzt. Außerdem wird ein Präparat mit Magnesium, Schwefel und Kupfer verabreicht, um die Pflanzen zu stärken. Zwischen den Reihen wird mit einer Fingerhacke per GPS sauber gehalten. So kann in der Regel ab der ersten Juniwoche geerntet werden. Zucchinikultur bedeutet tägliche Ernte, auch sonntags. Seitentriebe müssen rausgebrochen werden. Geerntet wird mit einem Gewicht von 250 bis 400 g. Robin rechnet damit, dass eine Pflanze 18 Stück liefert – „das ist eine gute Ernte!“
Nach der Ernte werden Zucchini erstmal bei 10 °C zwischengelagert, damit ihre Schale nachhärtet und beim Lauf über die Sortiermaschine nicht beschädigt wird. Zucchini werden nach Kundenwunsch lose in Kisten mit oder ohne Banderole sowie zu zweien in Flowpacks verpackt.
Eine Besonderheit ist die Ernte von kleinen Zucchini inklusive Blüte für die gehobene Gastronomie. Diese Ernte muss morgens zwischen 9 und 10 Uhr erfolgen und es muss sofort geliefert werden, denn die Blüten welken sonst rasch.
Biojungpflanzen schwer verfügbar
An gute Biojungpflanzen heranzukommen, ist je nach Kulturart schwierig. So gründete Peeters-Mertens vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Porreevermehrer Lenders im wenige Kilometer entfernten Kessel das Unternehmen Lenders Peeters Organic Plants. Produziert werden biologische Porreepflanzen als Superseedlings und als wurzelnackte Pflanzen. Für frühe Pflanzen unterhalten die Vermehrer Flächen in Marokko und Spanien. In den Niederlanden werden Pflanzen unter Tunnel und im Freiland herangezogen.
Nach der Aussaat mit einer Dichte von 4,5 Mio. Pflanzen pro ha wird das Beet erstmal für zwei bis drei Wochen zur Beschleunigung der Keimung und gegen die Porreeminierfliege mit Vlies abgedeckt. Während des Aufwuchses werden die Jungpflanzen ein- bis dreimal gestutzt. Maschinell und von Hand wird gejätet. Bis zu 1,5 Mio. junge Porreepflanzen können pro Tag gerodet werden. Der einreihige Klemmbandroder hat extra weiche Klemmbänder für die Pflanzenaufnahme. Auf dem Roder werden die Wurzeln der Jungpflanzen auf Länge nach Kundenwunsch geschnitten.
Da die Jungpflanzen nur zehn bis zwölf Wochen auf dem Feld stehen und Porree gut selbstverträglich ist, können sie alle zwei Jahre auf die gleiche Fläche. Sie müssen gut mit Stickstoff versorgt sein, da sie im vollen Wachstum geerntet werden. Nach dem Roden der Jungpflanzen folgt Salat, der keine zusätzliche Düngung braucht, und danach die Gründüngung mit Leguminosen „Papillon Bio“ von Joordens Zaden aus Kessel, also sehr regional.
Außer Porreepflanzen werden auch biologische Spargel- und Rhabarberpflanzen erzeugt. „Gutes, gesundes Ausgangsmaterial ist essentiell für einen gesunden Bioanbau. Optimale Böden sowie unsere umfassende Expertise sorgen für perfekt biologisch herangezogenes Pflanzenmaterial“, ist auf der Webseite zu lesen. Kontrolliert werde die Qualität durch das niederländische Analyselabor NAKtuinbouw und die biologische Kontrollstelle SKAL. Robin ist zufrieden mit diesem Standbein, der Jungpflanzenabsatz steige, sagt er.
Sabine Aldenhoff, Gartenbauprofi