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Jetzt Kartoffeln füttern?

16.09.2025

Derzeit sind Kartoffeln im Überschuss vorhanden und werden sehr preisgünstig angeboten. Mit einem Energiegehalt von 8,5 MJNEL und 13,1 MJME/kg TM sind Kartoffeln im Bereich von Weizen, Körnermais und anderem sehr energiereichem Kraftfutter einzuordnen. 

Kartoffeln in Kiste

Der hohe Stärkegehalt, sowohl an unbeständiger als auch an beständiger Stärke, unterstützt die Energieversorgung der Pansenbakterien und sorgt auch für eine hohe Stärkeanflutung am Darm. Dadurch kann sich der Milcheiweiß-Gehalt oder die Milchleistung verbessern. 

Mehr Platz zum Fressen

Da Kartoffeln bevorzugt gefressen werden, sollte das Tier-Fressplatz-Verhältnis 1:1 betragen und das Futter dann vorgelegt werden, wenn alle Tiere Zugang zum Futtertisch haben. Andernfalls ist eine gleichmäßige Futteraufnahme nicht zu gewährleisten. Trotzdem muss man mit einer größeren Unruhe im Stall rechnen, was sich insbesondere in Melkroboter-Betrieben negativ auswirkt. Bei kontinuierlicher Vorlage in Verbindung mit anderen Futtermitteln ist das Risiko von Schlundverstopfungen beim Einsatz von Kartoffeln gering.

Behutsam anfüttern

Beim Ersteinsatz von Kartoffeln sollte eine Anfütterungsphase von mindestens einer Woche eingeplant werden. Bei Milchkühen ist eine maximale Einsatzmenge von 8 bis 10 kg möglich. Ein Eiweißausgleich (RNB) muss unbedingt beachtet werden. In der Ration können 5 bis 8 kg Kartoffeln nach NEL rund 1 bis 2 kg Kraftfutter ersetzen. Der Strukturwert der Ration wird nur unwesentlich beeinflusst, wenn Kraftfutter ersetzt wird. Eine gezielte Rationsplanung ist notwendig, um Probleme in der Strukturversorgung oder mit Acidose zu vermeiden. Anzustreben ist ein kontinuierlicher Einsatz der Kartoffeln, mindestens aber zwei bis drei Monate. Das weitere Kraftfutter ist auf die hohen Stärkegehalte in Kartoffeln abzustimmen. Energiearme Maissilagen können durch Kartoffeln aufgewertet werden. 

Optimal lagern oder Silieren

Ein zentrales Thema bei der Nutzung von Futterkartoffeln ist die Lagerung. Da Kartoffeln empfindlich gegenüber Frost und mechanischer Belastung sind, stellt die Silierung eine praktikable Alternative zur klassischen Lagerung dar. Die gemeinsame Silierung mit Silomais hat sich in der Praxis bewährt, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Durchführung.

Für eine erfolgreiche Silierung ist zunächst das richtige Mischungsverhältnis entscheidend. In der Praxis hat sich ein Anteil von etwa 10 bis 20 % Kartoffeln in der Frischsubstanz bewährt. Es empfiehlt sich, die Einbringung kontinuierlich und unter Verwendung einer Zerkleinerungsschaufel durchzuführen, um Selektionen zu minimieren. Auch ganze Kartoffeln können in das Silo eingebracht werden, nur bleibt hier die Selektion am Futtertisch bestehen. Eine gleichmäßige Verteilung und eine gute Verdichtung sind dabei von entscheidender Bedeutung. Dabei ist zu beachten, dass Kartoffeln mit 20 bis 28 % einen niedrigeren Trockenmassegehalt aufweisen als Silomais mit 32 bis 38 %. Eine ausgewogene Mischung ist wichtig, um Fehlgärungen zu vermeiden.

Hohe Verdichtung

Die Verdichtung spielt eine zentrale Rolle für die Qualität der Silage. Es empfiehlt sich, mit langsamer Walzgeschwindigkeit um 3 bis 6 km/h und mehrfachen Überfahrten zu arbeiten, insbesondere bei den Kartoffelschichten, die sich schlechter verdichten lassen. Ein erhöhtes Walzgewicht kann hier unterstützend wirken. Um die Gärung zu stabilisieren und Fehlgärungen vorzubeugen, kann der gezielte Einsatz von Siliermitteln sinnvoll sein - insbesondere bei feuchten oder beschädigten Kartoffeln. Siliermittel mit Wirkung gegen Hefen und Schimmel (Wirkungsrichtung 2) sind hier besonders geeignet.

Da Kartoffeln viel Wasser enthalten, besteht die Gefahr von Sickersaftbildung. Um dies zu vermeiden, sollte Material mit höherem Trockenmassegehalt verwendet und der Siloplatz mit einer funktionierenden Drainage oder einem Auffangsystem ausgestattet sein. Zudem sollte das Silo nicht überfüllt werden, um den Druck und damit den Flüssigkeitsaustritt zu kontrollieren.

Auf Qualität beim Zukauf beachten

Die Qualität ist von großer Bedeutung: gekeimte, grüne oder verschmutzte Kartoffeln sollten nicht verfüttert werden. Keimende oder grüne Kartoffeln enthalten viel Solanin, dies ist auch für Wiederkäuer in größeren Mengen schädlich. Manchmal werden auch Kartoffeln angeboten, die einen deutlichen Verderb aufweisen. Bei den derzeitigen Temperaturen schreitet dieser Verderb dramatisch voran, die Verluste können schnell 30 bis 50 % betragen. Deshalb ist von solchen Partien unbedingt abzuraten: verschimmeltes, verfaultes oder stark verschmutztes Futter gehört nicht in den Trog! Gewaschene Kartoffeln sollten möglichst innerhalb von zwei, maximal drei Wochen verfüttert werden, wenn sie auf einer Siloplatte im Freien gelagert werden. Beim Zukauf ist daher zu überlegen, wieviel Kartoffeln pro Tag verfüttert werden können, und ob dies mit Abnahmemenge übereinstimmt. Vielfach besteht auch die Möglichkeit, dass zwei Betriebe sich eine Lieferung teilen. 


Florin Janßen, 
Landwirtschaftskammer NRW