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Kichererbsenanbau in Deutschland

27.10.2025

Die Kichererbse gewinnt an Beliebtheit in Deutschland. Aufgrund der Trockenheitstoleranz der Kichererbse aber auch wachsender Nachfrage nach regionaler Ware steigt das Interesse der Landwirtinnen und Landwirte. Aktuell wird an vielen Stellschrauben wie Züchtung, Anbau und Vermarktung gedreht, um den Kichererbsenanbau in Deutschland anzukurbeln.

Kichererbsen Blüte und Hülsen

Bei Kichererbsen wird zwischen zwei Typen unterschieden: Desi und Kabuli. Kabuli-Typen zeichnen sich durch große, rundliche Samen aus, welche von einer hell-cremefarbenen Samenhülle umgeben sind. Das Tausendkorngewicht liegt je nach Sorte bei 250 bis 500 g. Auf dem deutschen und europäischen Markt sind vor allem Kichererbsen dieses Typs zu finden. Erhältliche Sorten sind zum Beispiel Cicerone, Sultano, Orion und Flamenco. Die Desi-Typen sind anhand ihrer kleineren, teils kantigen und dunkel gefärbten Samen mit etwas dickerer Samenschale zu erkennen. Das Tausendkorngewicht liegt bei 200 bis 250 g. Ein bekannter Desi-Typ ist die Sorte Nero. Gulabi-Typen sind ein Untertyp des Desi-Typs und haben runde, rötliche Samen. Hierzu zählen die Sorten Olga und Irenka. „Desi-Sorten sind toleranter gegenüber feuchter Witterung und Krankheiten“, erklärt Melanie Rediger, Biofarm Genossenschaft aus der Schweiz. Mehrere Verarbeitende erkennen die Vorteile im Anbau dunklerer Kichererbsensorten und investieren in neue Produktentwicklungen mit den Desi-Sorten.

Das in Deutschland erhältliche Kichererbsen-Saatgut stammt vorwiegend aus Vermehrungen aus Italien und Frankreich. Auf der Webseite des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) ist eine Liste von Saatgut-Anbietern einsehbar. 

Welche Sorten sind anbauwürdig? 

Da die Kichererbse eine neue Kultur in den hiesiegen Breiten ist, gilt es nun herauszufinden, welche Sorten sich für den Anbau in Deutschland eignen. Das Projekt CilaKlima knüpft an dieser Frage mit einem Screening von Kichererbsen-Herkünften für den Anbau in Deutschland an. Ziel ist es, aus 100 Herkünften (sogenannten „Akzessionen“, die global und in der Genbank gesammelt wurden) rund zehn Herkünfte für den Anbau in Deutschland zu finden. Seit 2022 gibt es im Rahmen eines Ringversuches in den DACH-Ländern und den Niederlanden Sortenversuche zum Ertragspotenzial der Kichererbsen. „Die ersten Versuchsergebnisse zeigen, dass der Standort der größte Einflussfaktor ist. Es liegen kaum Sortenunterschiede vor“, so Moritz Reckling, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). 

Der bisherige Kichererbsenanbau in Deutschland zeigt Züchtungspotenzial in Höhe des Hülsenansatzes, Abreife- und Ertragssicherheit, Toleranz gegenüber diversen Pilzerkrankungen und einheitliche Kalibergröße. Problematisch ist aktuell zudem die Saatgutqualität. Keimfähigkeit und Triebkraft sind häufig nicht stimmig und unzureichend. Ein aktuelles Problem stellt auch das indeterminierte Wachstum dar.

Freudige Aussichten gibt es im Bereich der Kichererbsenzüchtung: „Der Züchtung liegt ein Sorten-Genpool vor. Für die Pflanzenzüchtung benötigen wir nun noch den Austausch mit der Landwirtschaft und dem Markt. Eine den Ansprüchen angepasste Sorte kann in drei bis fünf Jahren entwickelt werden“, erklärt Franziska Wespel, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). 

Standort, Aussaat und Feldaufgang

Die Kichererbse ist eine wärmeliebende Kultur. Als benötigte Wärmesumme für die Anbaueignung gilt ein Wert von 1 745°C im Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. September. Die Niederschlagsmenge während der Vegetationszeit sollte zwischen 150 und 250 mm liegen. „Trockene Standorte bieten ein großes Potenzial für den Kichererbsenanbau. Kichererbsen haben standortabhängig ein Ertragspotenzial von 7 bis 39 dt/ha, das zeigen die Ergebnisse unserer Versuchsstandorte in ganz Deutschland“, weiß Reckling. Aufgrund des indeterminierten Wachstums von Kichererbsen sind Gegenden mit trockenem Spätsommer und Herbst besser geeignet. Unter feuchten Bedingungen in diesem Zeitraum verzögert sich die Abreife, die Qualität des Erntegutes kann durch Pilzkrankheiten beeinträchtigt werden und es können sich neue Blüten sowie Hülsenansätze bilden. Leichtere, durchlässigere Böden, die sich schnell erwärmen und wenig Wasser speichern sind für das Wachstum von Kichererbsen günstiger, während sie auf schwereren Standorten, die sich nur langsam erwärmen, weniger gut gedeihen. 

Kichererbsen sollten vor der Aussaat mit einem geeigneten Impfmittel geimpft werden, da die Bakterien, mit denen die Kichererbsen eine Symbiose eingehen, nicht in hiesigen Böden vorkommen. Bezugsquellen für Impfmittel sind auf der Webseitedes LTZ zu finden. 

Um den Feldaufgang zu simulieren, kann ein Triebkrafttest angewendet werden. Dabei wird Stress auf den Samen ausgeübt: Ein beispielhafter Triebkrafttest sieht vor, Samen in Ackererde sieben Tage lang im Dunklen 10 °C auszusetzen mit anschließendem Wechsel für sieben Tage acht Stunden im Hellen und 16 Stunden im Dunkeln bei 25 °C. Landwirte können an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Saatgut schicken und einen Triebkrafttest (hier Kalttest) beantragen. Dementsprechend kann der Aussaatzeitpunkt angepasst werden: Bei guter Triebkraft kann eine frühere Aussaat erfolgen. Bei schlechter Triebkraft ist es ratsam einen schnellen Aufgang bei warmem Boden zu ermöglichen.

Ab einer Bodentemperatur von mindestens 5 bis 7 °C können Kichererbsen ausgesät werden. Mit dieser Temperatur ist in Deutschland von Mitte April bis Anfang Mai zu rechnen. Wichtig sind neben der Bodentemperatur die Bodenfeuchtigkeit sowie die Außentemperatur der folgenden zehn Tage. Das Saatgut muss innerhalb weniger Tage keimen, um einen lückenlosen Bestand zu generieren. Empfohlene Aussaatstärke sind 55 keimfähige Körner/m².

Pioniergeist beim Anbau

2023 waren die Witterungsbedingungen nachteilig für den Kichererbsenanbau. Zehn Betriebe im Kichererbsen-Ring in Ostdeutschland hat die Missernte jedoch angespornt: 2024 wurden zu Versuchszwecken auf 92 ha Kichererbsen angebaut, wobei auf Teilflächen jedes Betriebes einheitliches Saatgut aus einer gleichen Charge der Sorten Flamenco, Kira und Irenka, bezogen wurden. „Im Jahr 2024 haben wir in Ostdeutschland beobachtet, dass spätere Aussaattermine mit trockeneren Böden und höherer Bodentemperatur zu tendenziell besseren Feldaufgängen geführt haben. Im trockeneren Jahr 2023 jedoch wurde es bei den späteren Terminen auch mal zu trocken. Wir benötigen noch weitere Beobachtungsjahre auf den Betrieben“, schlussfolgert Isabella Krause, Projektkoordinatorin Kiwerta, Kichererbsen aus Brandenburg. Einen Ausblick bietet das Projekt CiceRegio, in dem Exaktversuche zu Sorten und Aussaatzeitpunkten durchgeführt werden.

Notwendige Beikrautregulierung

Da die Kichererbsen hypogäisch (unterirdisch) keimen, können sie gut blind gestriegelt werden. Neben der Beikrautregulierung wird mit dem Blindstriegeln der Boden eingeebnet und die Bodenkruste aufgebrochen. Das Blindstriegeln erfolgt circa fünf Tage nach der Aussaat. Ab dem Zwei- bis Dreiblattstadium können die Pflanzen mehrmals gestriegelt werden. Ab dem Vierblattstadium kann die Hacke zum Einsatz kommen. Hacken ist bis zum Schließen des Bestandes möglich. Für die chemische Unkrautregulierung sind nur wenige Herbizide verfügbar. Im Nachauflauf ist zum Beispiel Fusilade Max für Kichererbsen zugelassen. Einzelfallgenehmigungen nach § 22 Pflanzenschutzgesetz der jeweiligen Bundesländer sind auf der Seite des BVL einsehbar. In dem Kichererbsenbestand sollte kein Schwarzer Nachtschatten wachsen. Dieser ist durch den Gehalt an giftigen Tropanalkaloiden eine Gefahr für eine spätere Kontamination des Ernteguts.

Anbaupausen einplanen

Kichererbsen

„Da die Kichererbse bei uns eine noch recht neue Kultur ist, sollten wir unsere Erfahrungen verschriftlichen und teilen“, empfiehlt Prof. Dr. Markus Frank, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). „Fußkrankheiten treten vor allem bei langanhaltender Staunässe auf. Die Erreger überdauern im Boden. Im Management ist eine Anbaupause von sechs Jahren, gesundes Saatgut, tiefes Pflügen sowie das Entfernen aller Ernterückstände zu beachten“, erläutert Frank. Die Brennfleckenkrankheit kann in feuchten, kühlen Jahren zu erheblichen Ertragsverlusten führen. Im Management ist neben den genannten Maßnahmen zusätzlich zu beachten, dass das Risiko für Brennfleckenkrankheit bei einer frühen Saat und hohen Bestandsdichte zunimmt. Eine räumliche Distanz zwischen dem aktuellen Schlag und der Fläche vom letzten Jahr ist ratsam. Generell sind Desi-Typen weniger anfällig für die Brennfleckenkrankheit als Kabuli-Typen. Grauschimmel wird begünstigt durch kühl-feuchte Bedingungen und eine hohe Bestandsdichte. Der Pilz überlebt auf oder im Samen, Ernterückständen oder im Boden. Die Verbreitung der Sporen erfolgt über Wind.

„Schäden durch Schadinsekten bei Kichererbsen sind in Deutschland bisher nicht dokumentiert“, räumt Frank ein. „Als Schadinsekten sind die Erbsenblattlaus, der Blattrandkäfer und der olivbraune Erbsenwickler zu nennen“, so Frank. Dem Blattrandkäfer kann durch Stärkung der Pflanze mit einer angepassten Düngung entgegengewirkt werden. Zusätzlich sollte die Distanz von Leguminosenschlägen maximiert werden. Der olivbraune Erbsenwickler hat die Brack- und Schlupfwespe als natürliche Gegenspieler. Außerdem kann man diesen durch eine Pflugfurche kontrollieren. 

Ein weiterer Schädling ist die Baumwollkapseleule, welche mehrere Teile der Pflanze befällt. In Sachsen gab es 2023 und 2024 durch die Larven der Bohnensaatfliege Schäden beim Auflauf der Kichererbsen. Sie fressen das keimende Saatgut und können zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Optimale Bedingungen für eine schnelle Keimung sowie intensive Bodenbearbeitung könnten effektive Maßnahmen gegen die Bohnensaatfliege sein. Hierzu werden in den kommenden Jahren weitere Untersuchungen durchgeführt. Mit Ausnahme der Brennfleckenkrankheit bestehen momentan keine massiven Probleme mit Pilzkrankheiten oder Schadinsekten. Eine hohe Feuchtigkeit in der frühen Wachstumsperiode kann den Krankheitsdruck erhöhen. Dahingegen könnten Insekten eher von trocken-wärmeren Phasen im späten Frühjahr profitieren. Hinweise auf Krankheiten und Schädlinge werden von Prof. Dr. Frank, HfWU, gesammelt.

Abreife und Erntetechnik

Kichererbsen können gedroschen werden, wenn die Pflanzen zu mindestens 90 % gelb sind und die Samen in den Hülsen rascheln. Melanie Rediger (Biofarm) räumt ein: „Meistens braucht der Erntezeitpunkt einen Kompromiss. Man sollte nicht die Erntequalität und -menge opfern, indem darauf gewartet wird, dass auch die grünen Hülsen noch vollständig abreifen. Auch wenn circa 75 % der Pflanzen gelb sind und die meisten Hülsen davon reif, kann geerntet werden, sofern keine Verbesserung der Wetteraussichten zu erwarten ist. Bei Tau sollte, vor allem wegen der Erdhaftung, nicht gedroschen werden.“ Bei einer zu frühen Ernte sind viele unreife Samen, hohe Feuchtigkeit, Aussortierung unreifer Kichererbsensamen und Qualitätsmängel die Folgen. Eine zu späte Ernte zieht Qualitätsverluste wegen ungünstiger Witterungsbedingungen, ein erhöhtes Ausfallrisiko, Verpilzung und Bruch mit sich. Die Kornfeuchte sollte etwa 16 % betragen, bei weniger als 14 % steigt das Risiko, dass die Kichererbsen bei der Ernte beschädigt werden. Bei einer hohen Kornfeuchte ist mit einem hohen Energie- und damit Kostenaufwand für die Trocknung zu rechnen. Meist wird die Erntereife etwa ab Mitte August erreicht. In feuchten Jahren kann dies aufgrund des indeterminierten Wachstums auch erst später der Fall sein.

Kichererbsen Reife

Zur Erntetechnik erklärt der Dienstleister Benedikt Endres, Endres Agrar: „Axiale Mähdrescher sind zur Kichererbsenernte besser geeignet als solche mit einem tangentialen Dreschsystem, um mit Leguminosenblechen möglichst sauber und bruchfrei ernten zu können. Dank Leguminosenbleche fallen die Kichererbsen schnell durch und werden nicht durch verlängerten Kontakt mit grünen Pflanzenresten und Beikraut verfärbt. Flexschneidwerke erleichtern zudem die Ernte auf unebenen Feldern.“

Schonend aufbereiten

Die Aufbereitung sollte schonend erfolgen, sodass von Förderschnecken abgeraten wird. Die Aussortierung des Besatzes erfolgt mit der Siebreinigung. Nach der Ernte sollte sofort auf etwa 13,5 bis 14, 5 % getrocknet werden. Eine rasche Temperaturregelung auf unter 12°C verringert die biologische Aktivität. Für eine optimale Haltbarkeit eignen sich 6°C im Lager. Eine gute Belüftung ist wichtig für die Qualität. 

Bei Biolandhof Endres erfolgen für die Fein-Speisereinigung neben der Saatgutaufbereitung wichtige zusätzliche Reinigungsschritte: Zwischen Steinauslese, optischer Auslese per Farbausleser und finaler Speiseware ist die Aspiration (das Absaugen) besonders wichtig. Bürstenmaschinen eigen sich gut zur Entfernung von Mikrobiologie, wie mesophilen Keimen. Per Magnet kann die Abwesenheit unerwünschter metallhaltiger Objekte zum Beispiel durch Verschleiß von Maschinen, gesichert werden. Das Schälen von Kichererbsen ist je nach Endprodukt aber vor allem für die Desi-Typen von Bedeutung. 


Katharina Rusch, Gesamtkoordination LeguNet, LLH