Die EU-Bio-Verordnung schreibt “frisches, getrocknetes oder siliertes Futter” in den Rationen von Schweinen vor. Wie ist der Einsatz von Kleegras- und Grassilagen nüchtern zu bewerten? Im Folgenden finden Sie Stichpunkte zu den wichtigsten Aspekten der Fütterung.
Energiegehalt
- Die Energiegehalte von Kleegras- und Grassilagen sind deutlich niedriger als von Kraftfutter.
- In Futterwerttabellen finden sich Werte von etwa 7 MJ ME je kg bei 88 % TS.
- Bei einem früheren Schnittzeitpunkt wäre eine höhere Verdaulichkeit der Gemenge zu erwarten, was aber aus den Futterwerttabellen nur in einem geringen Maße abgeleitet werden kann.
Rohproteingehalt
- Der Rohproteingehalt hängt bei ökologischer Bewirtschaftung vom Anteil Leguminosen ab.
- Je höher der Leguminosenanteil, desto höher ist der Rohproteingehalt.
- Spätere Schnitte im Vegetationsverlauf enthalten meistens mehr Leguminosen und damit auch mehr Rohprotein.
Aminosäuregehalte
- Der Lysingehalt liegt bei etwa 7 g und damit deutlich höher als bei Getreide (Weizen etwa 3 g)
- Methionin und Cystin liegen bei etwa 3,5 g (Weizen etwa 4 g).
- Allgemein liegen also die Werte höher als bei Getreide.
Praecaecale Verdaulichkeit
- Die Datengrundlage ist bei Kleegras- und Grassilagen überschaubar.
- Die DLG-Futterwerttabelle für Schweine gibt bei Lysin 35 %, Methionin 75 % und Cystin 30 % an. In der Literatur findet man auch teilweise höhere Werte, die jedoch immer unterhalb der Werte für Getreide liegen. Je nach Quelle findet sich bei Weizen eine praecaecale Verdaulichkeit von Lysin zwischen 71 und 88 %.
- Der höhere Aminosäurenbruttogehalt der Kleegras- und Grassilagen wird also durch die geringere praecaecale Verdaulichkeit wieder ausgeglichen.
- In der Praxis der Rationsberechnung wird meistens auf Basis der Bruttonährstoffe gerechnet, da bei Ergänzern die praecaecale Verdaulichkeit nicht bekannt ist und auch nicht deklariert werden muss. Bei größeren Einsatzmengen von Kleegras- und Grassilagen sollte man sie berücksichtigen, um die Versorgungslage nicht falsch einzuschätzen.
- In der Fachbroschüre “Bio-Schweinefütterung” aus Österreich findet sich daher auch der Hinweis auf die “oft überschätzte Versorgung mit verdaulichen Aminosäuren durch Raufutter”.
Faserversorgung
- Bei konventioneller Haltung, i.d.R. ohne Einstreu und Raufutter, wird mit verschiedenen Faserstoffen gearbeitet, häufig als fertige Fasermixe eingekauft.
- Die Faser dienen u.a. dazu, das Futter zu quellen und damit für eine Sättigung der Tiere zu sorgen und das Magenvolumen zu vergrößern, um das Futteraufnahmevermögen zu Laktationsbeginn positiv zu beeinflussen.
- Die Faserqualität lässt sich nur sehr bedingt aus dem Rohfasergehalt ableiten. Die Werte NDF und ADF als Untergliederung der Rohfaser sind schon aussagekräftiger. Darüber hinaus lassen sich als Parameter die Bakteriell Fermentierbare Substanz (BFS) und die Wasserhaltekapazität (WHC) heranziehen.
- Kleegras- und Grassilagen sind gute Faserlieferanten. Werden sie jedoch nur in kleinen Mengen aufgenommen, können sie auch nur wenig Wirkung entfalten.
- Stroh ist ebenfalls ein Faserlieferant.
- Von den bei ökologischer Fütterung häufig eingesetzten Eiweißfuttermitteln verfügt Weizenkleie über positive Eigenschaften.
- Gerste bringt mehr Faser mit als Weizen.
Raufutter als Teil der Ration
- Bei der Verfütterung von Kleegras- und Grassilage ist zu beachten:
- Schwankende Nährstoffgehalte
- Futteraufnahmemenge von Tier zu Tier stark schwankend => Kraftfuttermenge kann daran nicht angepasst werden
- Nährtstoffverwertung von Tier zu Tier unterschiedlich
- Bei der Verfütterung von Kleegras- und Grassilage ist zu beachten:
Insofern können Silagen Kratfutter ergänzen, aber nur zu einem geringen Teil ersetzen.
Ökonomische Betrachtung
- Aus den Auswertungen der ökologischen Milchviehhaltung (BZA 23/24) ergibt sich, dass 1 dt Grassilage in ihrer Herstellung umgerechnet auf 88 % TS etwa 25 € kostet. Damit ist sie preisgünstiger als Getreide.
- Umgerechnet auf MJ ME (Grassilage 7 MJ, Getreide 12 bis 13 MJ) ist die Energieeinheit jedoch teurer.
- Die Technik der Futtervorlage ist aufwändiger und die technischen Verluste betragen ohne weiteres 10 %.
- Durch Kleegras- und Grassilagen können bei Schweinen daher keine Futterkosten eingespart werden.
Ergebnis eines Versuches in der Bioferkelerzeugung mit verschiedenen Raufuttermitteln
Die verschiedenen Varianten der kombinierten Fütterung hatten keine negativen Effekte auf die Körperkonstitution der Sauen in der Trage- und Säugezeit sowie auf die Reproduktionsleistungen.
Sauen lieben die Vorlage von Kleegras- und Grassilagen. Ihr Wellnesswert ist hoch anzusetzen. Ihr Beitrag zur Nährstoffversorgung sollte realistisch betrachtet werden. Da bei ökologischer Erzeugung keine Fasermixe eingesetzt werden, tragen die Silagen zur Faserversorgung wirksam bei und können durch aufgenommenes Stroh aus der Einstreu oder Weizenkleie wirksam ergänzt werden.
Christian Wucherpfennig,
Landwirtschaftskammer NRW