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Klimawandel fördert Kreativität beim Wassermanagement

10.07.2026

Wenn sich jemand mit Wasser auskennt, dann doch wohl die Niederländer. Und so fand die jährliche Tagung der DLG-Arbeitsgruppe Bewässerung in diesem Jahr im Juni in Venlo statt. Berater, Wissenschaftler, Landwirte und Firmenvertreter diskutierten den sparsamen Umgang mit Wasser in Landwirtschaft und Gartenbau angesichts zunehmender Wetterextreme mit Dürren und Starkregen. 

„Auch dieses Jahr wieder ist es trocken und auch dieses Jahr wieder benötigen wir die Bewässerung“, stimmte Dr. Sandra Kruse, Vorsitzende der DLG-Arbeitsgruppe Bewässerung, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Vortragsteil der Veranstaltung ein. Aktuelle Herausforderungen beim Thema Bewässerung seien Wasserrechte, Diskussionen um Wasserverfügbarkeit und Prioritätensetzung, wer zuerst Wasser bekommt, aus welcher Quelle und wie viel. Es gelte, regionale Produktion von hochwertigen Lebensmitteln sicherzustellen. Im Kontakt mit den Kollegen aus den Niederlanden wurde klar: „Jenseits der Grenze gibt es die gleichen Herausforderungen und man kann voneinander lernen!“

Trockene Niederlande

Be- und Entwässerungsgraben
Einst wurden die Gräben in den Niederlanden, hier an der Versuchsstation Vredepeel, zur Entwässerung angelegt, heute sind sie sehr wertvoll für die Bewässerung.

Einen Überblick über den Agrarsektor und Bewässerung in den Niederlanden gab Ardy Saarlos, Wageningen University and Research (WUR). Über Jahrhunderte war man in dem Nachbarland darauf fokussiert, Wasser loszuwerden, um Land urbar zu machen und zu halten. Gräben und Drainagen wurden angelegt, Pumpen installiert und das Wasser dem Meer zugeführt. „Dies ist lange gutgegangen, aber in letzter Zeit häufen sich Perioden mit Wasserknappheit während der Vegetationsphase. Trockenheit und Bewässerung sind auf einmal Themen in der niederländischen Landwirtschaft“, meinte Saarlos. 

Insgesamt werden 54 % der Landesfläche von rund 50 000 landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Unternehmen agrarisch genutzt. Je nach Region herrschen Sand, Ton oder Torf als Bodenform vor und entsprechend finden sich bevorzugte Kulturen. Im sandigen Osten, zu dem die Provinz Limburg zählt, sind dies Mais, Kartoffeln und Grünland. Die Region um Venlo ist allerdings bekannt für ihren intensiven Gemüseanbau und Gartenbau unter Glas.

Jede Region der Niederlande habe ihre eigenen Herausforderungen beim Thema Bewässerung: „Dies sind besonders auf Sandböden die Wasserverfügbarkeit und in den küstennahen Bereichen die Versalzung. Natur, Landwirtschaft, Trinkwasserversorger und Industrie konkurrieren um das Wasser. Es gibt Priorisierungen und Bewässerungsverbote. Die Herausforderung für Landwirtschaft und Gartenbau ist es, sicherzustellen, dass stets ausreichend Frischwasser zur rechten Zeit am rechten Ort verfügbar ist“, so der Referent. Geschätzt 95 % der Bewässerung auf Feldern und Grünland würden mit Regenkanonen vorgenommen. In einzelnen bestimmten Kulturen ist Tropfbewässerung installiert. 

Kartoffeln bewässern oder nicht?

Stan Kroonen
Stan Kroonen testet die Bodenfeuchte im Kartoffelversuch mit dem Bohrstock; wenn sich die Erde mit der Hand zu einem Klumpen zusammendrücken lässt, ist es noch feucht genug.

Des Weiteren berichtete Saarlos von einem Versuch zur Bewässerung von Kartoffeln, der an der WUR-Versuchsstation Vredepeel durchgeführt wurde. Dabei gab es vier Varianten in vier Wiederholungen: nicht bewässert; nur im Juni bewässert (dreimal nach Bedarf); im Juni und Juli bewässert (insgesamt fünfmal); im Juli und August bewässert (ebenfalls fünfmal). „Wie zu erwarten war, lieferte die nicht bewässerte Variante die kleinsten Kartoffeln. Aber da hier keine Kosten für die Bewässerung anfielen, war sie unterm Strich noch wirtschaftlicher als die Variante mit Bewässerung nur im Juni“, fasste Saarlos zusammen. Den höchsten Ertrag bei guter Sortierung und damit den besten Erlös nach Abzug der Bewässerungskosten erzielte die Variante mit Bewässerung im Juni und Juli. „Auch dieses Jahr steht wieder so ein Versuch in Vredepeel“, schloss er.

Wasserentnahme in Limburg

Ines Kodde und Twan Gielen, Waterschap Limburg, erläuterten die Richtlinien zur Wasserentnahme in der Provinz Limburg. In den Niederlanden gibt es zwölf Provinzen, aber 21 Wasserbehörden, genannt Waterschap, was historische Gründe hat. In Limburg sind allerdings Provinz und Waterschap deckungsgleich, was die Abstimmung zwischen beiden erleichtert. Die Waterschapen sind unabhängige staatliche Einrichtungen, die eine eigene Steuer erheben. Sie sorgen für ausreichend sauberes Wasser, unter anderem durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, und eine geschützte, sichere Umgebung vor allem durch Deiche, wobei die nachhaltige Wasserbewirtschaftung im Vordergrund steht. 

Im Norden der Provinz Limburg, in der Region um Venlo, dominieren flache, sandige Böden. Wie erhalten die Kulturpflanzen dort ausreichend Wasser? „Das Wasser kommt aus der Maas und wird über Kanäle verteilt, die ursprünglich zum Entwässern der Moore angelegt worden waren. Gesteuert wird die Wasserverteilung über Wehre und kleine Bauernwehre sowie die seit 2018 in der Region verpflichtende, pegelgesteuerte Entwässerung von Feldern. Bäche werden renaturiert und aus den Gräben kann Wasser zur Bewässerung entnommen werden“, erläuterte Twan Gielen das System. In Regenperioden mit Wasserüberschuss werde das Kanalnetz wieder wie früher zum Entwässern genutzt. „Es funktioniert also in zwei Richtungen.“ 

Sehr interessiert waren die Tagungsteilnehmer an den Wasserentnahmeregelungen im Nachbarland. Es gibt - je nach Durchflusstempo - Melde- oder Genehmigungspflichten für die Entnahme aus Oberflächengewässern. Die Verdrängungsreihenfolge bei Wasserknappheit sieht eine höhere Priorität für wertvolle Kulturen, wie Obst, vor, danach kommt die sonstige Landwirtschaft. Noch davor rangieren aber Deichsicherheit, Trinkwasserversorgung und Energieversorgung. Was die Grundwasserentnahme betrifft, so herrscht in Limburg ein Stand-still, das heißt, es werden keine neuen Brunnen mehr genehmigt. Die entnommene Grundwassermenge ist vierteljährlich zu melden. „Voraussichtlich werden diese Regelungen künftig strenger, denn aktuell arbeitet das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft an einem neuen Gesetzesentwurf für Entnahmen und Einleitungen“, so die Referenten. 

Ausbringverluste bei Beregnung

Über einen Versuch zum Einfluss der Witterung auf Ausbringverluste bei der Beregnung berichtete Marisa Sonntag, Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Bisher dominiert bei der Bewässerungstechnik in Niedersachsen mit 98 % die Regenkanone. Die übrigen 2 % verteilen sich auf Gießwägen, Pivot-Bewässerungsanlagen und Tropfbewässerung“, meinte sie. Die klassischen Regenkanonen stünden hinsichtlich ihrer Effizienz jedoch in der Kritik. „Nachdem es bei Wasserknappheit Allgemeinverfügungen gab, dass tagsüber nicht bewässert werden durfte, wurde der Versuch durchgeführt mit dem Ziel, dass künftig Gießwägen von solchen Allgemeinverfügungen ausgenommen werden“, ergänzte Sonntag. 

Ziel des Versuchs war der Vergleich zwischen Gießwagen und Starkregner - beide jeweils angeschlossen an eine mobile Beregnungsmaschine - in Hinblick auf witterungsbedingte Ausbringverluste durch Abdrift und/oder Verdunstung. Es zeigte sich, dass beim Starkregner mit 11,3 % mehr Verdunstungsverluste auftraten als beim Düsenwagen mit 5,6 %. Auch bei den Abdriftverlusten schnitt der Düsenwagen mit nur 3,2 % gegenüber 9,1 % besser ab. Aus diesen und weiteren Ergebnissen wurden folgende Empfehlungen abgeleitet: „Die Beregnung sollte bei Witterungsbedingungen, die hohe Verluste erwarten lassen, wie bei starkem Wind, vermieden werden. Je näher das Wasser am Pflanzenbestand ausgebracht wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Ausbringverluste. Die Wahl der Beregnungstechnik kann also zur Verringerung von Wasserverlusten beitragen“, resümierte Marisa Sonntag. 

Wasserrückhalt durch Grabeneinstau

Sinkende Grundwasserstände erfordern Handlungsbedarf, es geht nicht mehr nur um Wasserqualität. Die Gewässerschutzberatung im Trinkwassergewinnungsgebiet Rühen, Landkreis Gifhorn, hatte deshalb Ideen gesammelt, wie dem zu begegnen sei. Eine Idee zum Wassermanagement ist der Wasserrückhalt durch Grabeneinstau, wie Markus Hansseler, Geries Ingenieure GmbH in Göttingen, in Venlo berichtete. Der gelernte Landwirt ist im niedersächsischen Kooperationsmodell Wasserschutz tätig mit Schwerpunkt Wassermengenmanagement.

Im Rahmen des Projekts „Wassermengenmanagement Kleine Aller/Westlicher Drömling“ wurde im vorhandenen Grabensystem zwischen Feldern mit Hilfe von grobem Schotter eine Sohlschwelle im Graben aufgeschüttet, die diesen zurückstaute. Die Effekte wurden mit Bodenfeuchtemessungen in verschiedenen Tiefen dokumentiert, traten aber im Einzelfall auch als Wasserlachen auf den Feldern optisch zu Tage. „In diesen Fällen musste nachreguliert werden, denn das war zu viel des Guten“, so der Landwirt. Im Projekt konnte gezeigt werden, dass durch den Grabenanstau auch die Grundwasserleiter Zufluss erhielten und sich der Vegetationsindex (NDVI) im Einflussbereich der Sohlschwelle deutlich erhöhte. Zusätzlich sollen im Projektgebiet kleinere Maßnahmen, wie regulierbare Staustufen, das Wasser im Grabensystem halten.

Auch mit Drainagesteuerung wurde in dem Projekt experimentiert. Sie funktionierte effektiv, um Wasser auf Flächen zurückzuhalten. Im Fazit betonte der Referent: „Jede Drainage und jeder Graben muss als Einzelfall betrachtet werden. Außerdem hänge die höhere Pflanzenverfügbarkeit des angestauten Wassers vom Standort ab. Im Ergebnis sei es durch kombinierte Maßnahmen gelungen, Wasser in den Flächen zu halten und die Grundwasserneubildung zu erhöhen.

Praxiseinblicke am Exkursionstag

Versuchsingenieurin Brigitte Kroonen-Backbier
Versuchsingenieurin Brigitte Kroonen-Backbier stellte den DLG-Tagungsteilnehmern die Versuchsstation Vredepeel vor. 
  • Proefboerderij Vredepeel: Am nächsten Tag ging es für die Tagungsteilnehmer in die Praxis. Zunächst wurde die Proefboerderij, sprich Versuchsstation Vredepeel der Wageningen University and Research besucht. Diese wurde bereits 1959 gegründet, um die Frage zu beantworten, wie Landwirtschaft auf den grobsandigen Böden der Region möglich sei. Auf rund 30 ha laufen Versuche in Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais, Getreide, Bohnen, Möhren, Schwarzwurzeln, Porree, Saatzwiebeln, Gras und weiteren Kulturen. Dabei geht es um Bodengesundheit, Düngung, Minderung von Nitratauswaschungen, reduzierten Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, Kultursysteme, Erosionskontrolle und Wassermanagement. 

Wie Versuchsingenieurin Brigitte Kroonen-Backbier erläuterte, werden im Bereich Wassermanagement verschiedene Themen bearbeitet: kontrollierte Drainage für das Grundwasserspiegelmanagement, kleine Wehre für den Wasserrückhalt, aktive Wasserzufuhr aus Oberflächenwasser, Grabenpflege mittels konservativen Mähplans, Bodenbearbeitungsverfahren, Bodenverbesserung mittels organischer Masse, Grundwasserentnahme für die Bewässerung.

  • Bewässerung im Gemüsebau: Was Peter van Osch im Jahr 2003 mit 12 ha begann, ist heute ein bedeutendes Unternehmen mit Freilandgemüseanbau auf rund 600 ha, mit 25 Festangestellten und bis zu 140 Saisonarbeitskräften. Der Besuch des innovativen Betriebs in Leunen, Nord-Limburg, bildete den Abschluss des Exkursionstags der DLG-Bewässerungstagung. Produziert werden in erster Linie Salate für die Verarbeitungsindustrie, aber auch weitere Feldgemüsearten für den Lebensmitteleinzelhandel. Außerdem werden auf 100 ha Lilienzwiebeln großgezogen. Die Gemüsejungpflanzen werden in einem eigenen Unterglasbetrieb auf 3 ha selbst produziert. Für die Bodenbearbeitung mit gleichzeitiger Aussaat ist ein Axeed-Roboter zuständig. Die Salatpflanzmaschine wurde selbst entworfen, um das Kistenmanagement zu vereinfachen. Um nur einige Innovationen zu nennen.
Beregnungskanonen
Im Gemüsebaubetrieb P. v. Osch übernehmen Beregnungskanonen einen Großteil der Bewässerung.

Für die Bewässerung sind im Betrieb 18 Beregnungsmaschinen im Einsatz, 15 davon mit Regenkanone und drei mit Gießwagen. Letztere kommen an Stellen mit viel Wind zum Einsatz sowie bei Spinat. Bei extremer Hitze laufen die Regenkanonen mit Maximalgeschwindigkeit von 100 m/h übers Feld, um möglichst rasch alle Pflanzen zu erreichen und zu erfrischen. Dafür laufen sie dann mehrfach. In den Lilien liegen Tropfbewässerungsschläuche, die einmalig gebraucht werden. Es sei zwar Arbeit, diese zu verlegen, aber es macht die Bewässerung effektiver und verbessert die Qualität der Lilienzwiebeln.


Sabine Aldenhoff