Körnerleguminosen sind für den Ökolandbau in besondere Weise wichtig, da sie Luftstickstoff binden können und für nachfolgende Kulturen eine gute Vorfrucht darstellen. Darüber hinaus sind die Körner als Eiweißquelle für die Tierernährung von Bedeutung. Die Landessortenversuche 2025 sind ausgewertet. Im Folgenden werden die Eignung der Sorten, verschiedener Winterformen und von Gemengen auf besseren Böden in NRW vorgestellt.
Aufgrund der wieder steigenden Anfragen nach Sortenversuchen bei Körnerleguminosen und einigen neueren Sorten hat die Landwirtschaftskammer NRW seit 2013 einen Öko-Ackerbohnen-Sortenversuch angelegt. Öko-Winterackerbohnensorten werden zusätzlich seit 2023 geprüft, Wintererbsen in Gemengen mit Getreide sind in diesem Jahr neu in die Prüfung gekommen.
Von 2013 bis 2015 gab es außerdem Berichte über Versuche zu Winterackerbohnen und Wintererbsen in Gemengen. Dort wurde zum Beispiel auf die Winterackerbohnensorte Hiverna oder die Wintererbsensorte James hingewiesen, die es aber beide nicht mehr am Markt gibt. Interessant ist es, nun neue Sorten zu untersuchen.
Die Öko-Sojasortenversuche werden seit dem Jahr 2000 bei der Landwirtschaftskammer NRW durchgeführt. Öko-Lupinen-, Körnererbsen- und Kichererbsen-Sortenversuche mussten aus verschiedenen Gründen eingestellt werden.
Vergleich der Körnerleguminosen in NRW
In den Landessortenversuchen zu den Körnerleguminosen zeigte sich über die Jahre, dass die Ackerbohne, sofern sie gute Bodenbedingungen vorfindet und Wasser zur Blüte bekommt, hohe Erträge erbringen kann. Winterackerbohnen waren in jeweils zwei Jahren im Mittel der Sorten besser als Sommerformen. Die Sojabohnen stehen recht gut, sind häufig nach der Trockenheit in der Blüte und können auch gute Erträge bringen (zur Ansicht aufs Bild klicken).
Empfohlene Ackerbohnensorten
In diesem Jahr standen die Ackerbohnen in NRW im Vergleich zu den Vorjahren etwas besser mit im Mittel 30,3 dt/ha und geringeren Proteingehalten von 29,9 %. Bewährte Sorten für den Ackerbohnenanbau sind Stella (mittlerer Ertrag, gute Proteingehalte) und Protina (ertragsstark, etwas mehr Proteingehalte). Tiffany ist interessant für die Geflügelfütterung, sie ist vicin- und convicinarm und deutlich ertragsstärker als Divine. Ebenso ist die neue vicin- und convicinarme Sorte Iron in dem Segment im Anbau interessant, sie hat sehr gute Erträge und mittlere Proteingehalte. Von den neuen Sorten ist Futura offenbar ertragsstark und Callas kommt auf höhere Proteinwerte. Viele der neuen Sorten sind vicin- und convicinarm, was für die Fütterung von Belang ist.
Tabelle 1: Erträge der Ackerbohnensorten
Empfohlene Winterackerbohnensorten
Winterackerbohnen sind deutlich schneller im Wachstum und haben eine frühere Blüte. Das ist oftmals besser, da hier noch genügend Wasser vorhanden ist. Sommerformen leiden in der Blütephase häufig unter Trockenheit und reagieren empfindlich mit deutlichen Ertragseinbußen. Die Winterformen der Ackerbohnen hatten, wie schon 2023 gezeigt auch in diesem Jahr Vorteile: Im Mittel der Sorten wurden in Auweiler 48,5 dt/ha geerntet mit 28,3 % Proteingehalt. Es gibt derzeit nicht viele Sorten. Die Sorten aus Frankreich sind kaum zu bekommen, eigenen sich vermutlich aber auch nicht für Deutschland und die hier oft strengeren Winter. Daher bleibt für den Anbau im Ökolandbau zu schauen, welche Sorte unter organicxseeds, der Datenbank, in der die aktuell in Deutschland verfügbaren und ökologisch vermehrten Sorten von Saat- und Pflanzgut gelistet sind, verfügbar ist. Die vier im Jahr 2025 geprüften Sorten können ausprobiert werden.
Tabelle 2: Erträge der Winterackerbohnensorten
Wintererbsen in Gemengen mit Getreide
Bei den Wintererbsen gibt es viele sehr unterschiedliche neuere Sorten. Im Ökolandbau werden diese überwiegend im Gemenge mit Getreide angebaut. Hier muss man aufpassen, welche Sorte zu welchem Partner mit welcher Saatstärke passt. Das Ziel ist in der Regel eine futterbauliche Nutzung mit guten Erträgen und Proteingehalten. Längere Sorten, wie zum Beispiel die weiß blühende Pandora, eignen sich im Gemenge mit Triticale, hier zum Beispiel mit der sehr langen Sorte Allrounder. Der Ertrag war in der Mischung 20 % der Reinsaatstärke der Wintererbse mit 80 % der Reinsaatstärke der Triticale durch das Getreide signifikant am höchsten. Den höchsten Proteinertrag erreicht jedoch die Mischung aus 50 % : 50 % der jeweiligen Reinsaatstärken. Die Mischung mit 80 % Erbse lagerte stark, auch 50:50 ging teilweise ins Lager, konnte aber noch gut beerntet werden.
Kürzere, halbblattlose, meist weiß blühende Wintererbsen, wie zum Beispiel Fresnel, eignen sich eher mit kurzen Getreidearten/-sorten für einen Gemengeanbau. Im Gemenge mit Wintergerste, hier mit der Sorte Exquise, war der Ertrag in der Summe in den Mischungen 80 % Erbse mit 20 % Gerste oder 50:50 der jeweiligen Reinsaatstärken gleich hoch. Der Proteinertrag war in der Mischung mit 80 % Erbse allerdings am höchsten. Diese halbblattlosen Wintererbsenformen sind also eher wie Sommererbsentypen einzuschätzen. Lager trat hier nicht auf.
Empfohlene Sojabohnensorten
Mit im Mittel 31,1 dt/ha lagen die Sojabohnen in 2025 etwas über dem Durchschnitt. Für NRW kommen grundsätzlich nur die sehr frühen Reifegruppen 0000 und 000 in Betracht. Innerhalb der Reifegruppe 000 unterscheidet die beschreibende Sortenliste aus Österreich schnellere Sorten (Reifegruppe 1) bis hin zu langsameren Sorten (Reifegruppe 4). Die Vierfach-Nullsorten erbringen in der regel in den hiesigen Breiten nicht den erwünschten Ertrag. Bei den Dreifach-Nullsorten ergeben sich folgende Empfehlungen für NRW:
Für Grenzstandorte, wie das Münsterland (Reifegruppe 2): Hier passen die Sorten mit einer schnellen Jugendentwicklung und sicherer Abreife gut. Weiterhin die Sorte der Wahl ist Merlin mit mittlerem Ertrag und mittleren Proteingehalten. Neue vielversprechende Sorten sind Paprika (103 % Ertrag) und Stepa (102 %).
Für bessere Lagen, wie den Niederrhein (Reifegruppe3): Sultana (besserer Ertrag, höhere Proteingehalte) ist die Sorte der Wahl. Alle für Grenzstandorte genannte Sorten funktionieren hier natürlich auch. Weiterhin können die ertragsstärkeren Sorten Akumara (105 %) oder ES Comandor (101 %) angebaut werden.
Für beste Lagen, wie die Köln- Aachener Bucht (Reifegruppe 4): Hier können alle oben genannten Sorten angebaut werden, eine gute, schon ältere Sorte wäre Solena. Die neuen Sorten bleiben abzuwarten.
Tabelle 4: Erträge der Sojabohnensorten
Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW