Das Netzwerktreffen Bauernhoferlebnispädagogik der Landwirtschaftskammer NRW bringt Anbieter von Bauernhoferlebnissen regelmäßig zusammen. Der Austausch im Netzwerk unterstützt die Betriebe dabei, ihre Angebote weiterzuentwickeln, Erfahrungen zu teilen und neue pädagogische Ansätze für den Lernort Bauernhof zu nutzen. Ann-Kathrin Esser und Karoline Löbbert, Beraterinnen bei der Landwirtschaftskammer NRW, führten durch den Tag.
Das Netzwerktreffen der Bauernhoferlebnispädagogen der Landwirtschaftskammer NRW führte dieses Jahr auf den Hof Belke ins Sauerland. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Landwirtschaft zum außerschulischen Lernort wird.
Claudia und Wilhelm Belke bewirtschaften ihren Hof im Milstenauer Tal im Nebenerwerb. Claudia Belke ist Grundschullehrerin, ihr Mann Wilhelm Sozialpädagoge. Seit 2008 verbinden sie Landwirtschaft mit tier-, natur- und waldpädagogischen Angeboten. Auf dem Hof lebt zudem eine Außenwohngruppe des Josefshauses Olpe mit neun Kindern, die in den Hofalltag eingebunden sind.
Landwirtschaft erleben
Die Landwirtschaft auf dem Hof Belke hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Aus dem früheren Schweinebetrieb ist eine Bildungseinrichtung mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt geworden. In einem Folientunnel wachsen Tomaten, auf den Feldern bauen die Belkes unter anderem Kartoffeln an. So erleben die Kinder, wie Lebensmittel vom Anbau bis zur Ernte entstehen. Die eigenen Erzeugnisse wie Lammfleisch, Eier und Gemüse vermarkten die Belkes vor Ort und in regionalen Supermärkten. Auch Schafe, Pferde, Esel, Hühner und Bienen gehören zum Betrieb und bieten den Kindern Möglichkeiten, Tiere und landwirtschaftliche Kreisläufe zu erleben. Besonders für die pädagogische Arbeit sind die Tiere wertvoll: Sie schaffen einen direkten Zugang zu Themen wie Tierhaltung, Ernährung, Verantwortung und Natur.
BNE-zertifiziert
Ein wichtiger Baustein der Arbeit auf dem Hof Belke ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Seit April 2024 ist der Hof als BNE-Regionalzentrum für den Kreis Olpe anerkannt, für die Jahre 2025 bis 2028 ist er zudem als BNE-Einrichtung zertifiziert. Dabei geht es um mehr als die Vermittlung von Wissen. Die Kinder und Jugendlichen sollen Zusammenhänge selbst entdecken, eigene Erfahrungen sammeln und verstehen, wie ihr Handeln Umwelt, Landwirtschaft und Gesellschaft beeinflusst. Der Hof bietet dafür ideale Voraussetzungen: Tiere versorgen, Gemüse anbauen, Kartoffeln ernten oder Lebensmittel verarbeiten. Auch die Jahreszeiten spielen eine wichtige Rolle, denn Landwirtschaft lässt sich nicht nach einem festen Stundenplan erleben.
Bildungspartnerschaft mit Schulen
Für den Hof Belke ist die Bildungspartnerschaft NRW eine wichtige Schnittstelle zu den Schulen. Mit inzwischen elf Partnerschulen bestehen feste Ansprechpartner und regelmäßige Abläufe. Die Bildungspartnerschaft NRW setzt bewusst auf langfristige und verbindliche Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Lernorten. Grundlage ist eine schriftliche Vereinbarung, in der gemeinsame Ziele, Aktivitäten und organisatorische Abläufe festgelegt werden. Die Zusammenarbeit lässt sich dadurch langfristig planen und die Hofbesuche gezielt auf Unterrichtsinhalte abstimmen.
Außerschulischer Lernort
Inmitten des Gewächshauses lernen Kinder auf dem Hof Belke, wie die Landwirtschaft im Jahresverlauf funktioniert. Das Bildungsangebot ist fest in den Schulalltag der Region eingebunden. Besonders eng arbeitet der Hof mit Grundschulen zusammen: Alle zweiten Klassen aus Schulen in der näheren Umgebung kommen zehnmal im Jahr auf den Hof und erleben Landwirtschaft, Natur und Tiere im Jahresverlauf im Rahmen des Sachkundeunterrichts.
Der Hof fungiert dabei als außerschulischer Lernort. Die Angebote orientieren sich an den jeweiligen Lehrplänen und verbinden praktische Erfahrungen auf dem Hof mit Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Kochen mit Kindern
Auch das Kochen mit Kindern ist im Bildungsangebot des Hofes verankert. Dabei geht es nicht um ein fertiges Gericht, sondern um den gesamten Weg des Lebensmittels. Die Kinder arbeiten mit kindgerechten Rezeptkarten und lernen dabei unter anderem den sicheren Umgang mit dem Messer, wie den Tunnelgriff und den Krallengriff. Dafür gibt es beispielsweise feste „Messerparkplätze“, an denen sie die Messer fest ablegen können.
Die Küche ist konsequent auf Kinder ausgerichtet: Die Arbeitsflächen haben eine passende Höhe, Hocker ermöglichen auch kleineren Kindern das Arbeiten und die Ausstattung ist übersichtlich und sicher gestaltet. Schon ab zwei Jahren können Kinder auf dem Hof gemeinsam kochen.
Viola Schulte Spechtel, Landwirtschaftskammer NRW