Wie gelingt der erfolgreiche Anbau von Lupinen und wie lassen sie sich sinnvoll im Betrieb verwerten? Diesen Fragen widmete sich eine Betriebsbesichtigung Anfang Oktober auf einem Demonstrationsbetrieb des Leguminosen-Netzwerks LeguNet in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke.
Der konventionelle Betrieb von Joachim und Dominik Schmedt betreibt Landschaftspflege mit Mutterkühen und Weiderindern. Weitere Betriebszweige sind der Ackerbau sowie die Bullen- und Schweinemast. Die Veranstaltung bot spannende Einblicke in die Praxis des Lupinenanbaus und zeigte, wie die Hülsenfrucht in Betriebsstrukturen integriert werden kann.
Lupinen ins Futter
Matthias Bierth, Landwirtschaftskammer NRW, gab zunächst eine kurze Einführung in das Projekt LeguNet sowie einen Überblick über den Anbau großkörniger Leguminosen in NRW. Im Anschluss informierte Harald Sievers, Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern, umfassend über die Möglichkeiten des Einsatzes von Lupinen in der Fütterung von Wiederkäuern.
Dabei berichteter er auch über die aktuell laufenden Versuche der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz von Lupinen in der Bullenmast. Dort wird 50 % des Rapsextraktionsschrots in der Ration durch Lupinen ersetzt. Bisher zeigen sich keine Leistungseinbußen bei einer verringerten Phosphor-Ausscheidung bei den Tieren. Somit kann bei gleichen Tageszunahmen ein geringerer Phosphor-Eintrag in die Umwelt erreicht werden.
Toxische Herausforderungen
Der Gehalt an Alkaloiden, einem in hohen Dosen toxisch wirkenden Pflanzeninhaltsstoff, kann den Einsatz in der Fütterung begrenzen. Vor allem bei Monogastriern können eine verringerte Futteraufnahme und gesundheitliche Probleme als Folge eines zu hohen Alkaloidgehalts auftreten. Bei Wiederkäuern dagegen sind bisher keine negativen Folgen bekannt. Auch der leicht bittere Geschmack von Lupinen mit einem erhöhten Alkaloidgehalt wird von Rindern durchaus akzeptiert. In der Praxis sollen bis zu 4 kg Lupine je Tier und Tag möglich sein. In der Regel sind meist nicht mehr als 2 kg in der Ration enthalten.
Der Futterwert von Lupinen:
Wie lagern?
Sievers sprach auch die verschiedenen Lagerungsmöglichkeiten an. Bei einem Feuchtegehalt von weniger als 14 % sind die Lupinen lagerfähig. Bei einem höheren Gehalt müssen die Körner getrocknet werden. Darüber hinaus sind auch Schlauchsilierung oder -konservierung möglich.
„Die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit ist betriebsindividuell. Neben den Fütterungskosten müssen bei eigenem Anbau auch die ackerbaulichen Vorteile berücksichtigt werden“ beleuchtete Sievers auch den monetären Aspekt. „Um den Wert der Lupine im eigenen Betrieb zu berechnen, hilft die Substitutionsrechnung nach der Methode Löhr“, empfahl der Fütterungsexperte. Bei der Methode Löhr handelt es sich um ein Modell zur Berechnung der Preiswürdigkeit von Futtermitteln unter Berücksichtigung von Nährstoff und Energiegehalten und dem monetären Vergleich mit anderen Futtermitteln.
Landschaftspflege im Niedermoor
Joachim Schmedt und sein Sohn Dominik, der inzwischen den Betrieb übernommen hat, stellten ausführlich das Konzept des Betriebs mit Fokus auf der Landschaftspflege und Rinderhaltung vor.
45 Mutterkühe mit ihren Kälbern und über 200 Rinder werden in den Sommermonaten auf mehr als 260 ha Weidefläche gehalten. Die Flächen liegen vor allem im Naturschutzgebiet und sind teilweise stark vernässt. Zusätzlich werden etwa 230 Angus-Bullen im Offenstall auf Stroh gemästet. Das Futter wird zum Großteil auf dem eigenen Betrieb erzeugt.
Vermarktet wird das Fleisch über ein regionales Markenfleischprogramm von Edeka. Damit ist Joachim Schmedt sehr zufrieden. „Diese Kooperation besteht seit sechs Jahren und funktioniert für beide Seiten sehr gut“. Der Transport zum Schlachthof dauert lediglich 45 Minuten. „Wir transportieren die Tiere immer selbst. Das bedeutet weniger Stress“ erklärte Dominik Schmedt.
Hoher Vorfruchtwert
„Wir probieren gerne neue Dinge aus. Durch die Förderung über die vielfältige Fruchtfolge hatten wir im Prinzip kein Risiko“ erzählte Joachim Schmedt vom Einstieg in den Lupinenanbau. Auch Soja und Weiße Lupine haben Joachim und Dominik Schmedt schon ausprobiert. Die leichten Böden mit 20 bis 30 Bodenpunkten eignen sich allerdings eher für die Blaue Lupine.
Im letzten Herbst wurde auf der Fläche Roggen ausgesät, im Frühjahr dann in den Bestand die Lupine. „Dadurch hatten wir überhaupt keine Probleme mit Vogelfraß“ berichtete der Betriebsleiter. Nach der Ernte wird die Lupine gemeinsam mit Getreide vermahlen und dann siliert. Von dieser Mischung werden zwischen 0,7 und 1,4 kg je Tier und Tag verfüttert. „Ob das eigene Eiweißfutter immer günstiger ist als der Zukauf ist unklar. Aber der Vorfruchtwert ist nicht zu unterschätzen. Bei Getreide als Nachfrucht ist ein deutlicher Unterschied zu anderen Vorfrüchten zu erkennen“, erläuterte der Landwirt. Seiner Einschätzung nach hinterlasse die Lupine zwischen 20 und 30 kg Stickstoff je ha für die Nachfrucht.
Auch wenn die Erträge schwanken und auch einmal mit einem Totalausfall gerechnet werden muss: Die Blaue Lupine bleibt bei den Schmedts ein fester Bestandteil - sowohl auf dem Acker, als auch im Futtertrog.
Sarina Hertel, Landwirtschaftskammer NRW