Das zurückliegende „Marktgespräch Biogemüse“ der Organisatoren von „bio2030“ enthielt neben den Arbeitskreisen unter anderem zu „Möhre“, „Zwiebel“ und „Kooperationen“ einen Kreis zur „Direktvermarktung“.
Anfang Juni war es nur ein kleiner Kreis von Gemüse-Anbauern, die am frühen Abend Gelegenheit hatten, sich bei diesem Online-Format einzuwählen. Das Thema der Konferenz war die künftige deutliche Vergrößerung des Marktvolumens für Biogemüse. Der zeitliche Rahmen war eng gesteckt, so dass Themen nur angerissen werden konnten. Die Lage der vielfältigen kleinen Bio-Gemüsebetriebe wurde hier kurz beschrieben - ein Gemüsebauer sagte: „Vielfalt kostet Geld. Wir haben uns deshalb in den letzten Jahren von der Kulturvielfalt gezwungenermaßen weitestgehend verabschiedet.“ Das ist das genaue Gegenteil einer Äußerung eines anderen Teilnehmers einer früheren Videokonferenz, der für seinen Betrieb klarstellte, dass Vielfalt im Anbau für ihn auf jeden Fall essentiell sei.
Vielfalt oder fokussiert?
Die schwierige wirtschaftliche Lage kleiner Betriebe mit großer Kulturvielfalt wurde dann ebenso gegensätzlich kommentiert mit der Meinung, dass die Kundschaft durch den konventionellen Handel sehr geringe Verbraucherpreise für Biogemüse vorfindet, und das passe zur Marschrichtung „bio für alle“, sei aber schwierig für die Preisgestaltung der Gärtnereien. Entgegnet wurde: „Nein, wir machen bio für die Gutverdiener, die sich das leisten können oder wollen.“ Wieder eine offene Frage, wohin es strategisch geht.
Fest steht, dass die vielfältigen, unspezialisierten Betriebe mit geringer Flächenausstattung immer höhere Produktionskosten haben als die flächenstarken Spezialisten. Wie weit geht man da bei den niedrigen Preisen tatsächlich mit in der eigenen Vermarktung?
Abfrage der Verbraucherpreise
In NRW hat die Beratung der Biogemüsebetriebe damit begonnen, Verbraucherpreise der Vorwoche von selbsterzeugtem Gemüse in der Direktvermarktung zu erheben. Dieser Preisspiegel soll ein erster Schritt sein, damit es eine wochenaktuelle Orientierung gibt, wo zuletzt der Durchschnittspreis lag. Auf dieser Grundlage der Preisentwicklung lässt sich dann in einem zweiten Schritt untersuchen, in wie weit das im Durchschnitt noch in die kleinflächige, vielfältige Produktion passt. Der Preisspiegel ist gut angelaufen und immer mehr Betriebe machen mit.
Gemeinsame Strategie vonnöten
Beim Marktgespräch ist deutlich geworden, dass es bei den Biogärtnerinnen und Biogärtnern die unterschiedlichsten Überzeugungen gibt, wie es weitergehen soll und kann. Eine gemeinsame Vermarktungsstrategie wäre dringend nötig - sowohl für die kleinen, wie für die großen Betriebe, so ein Teilnehmer. Eine gemeinsame Strategie könnte Zuversicht und Stärke ausstrahlen. Zuvor scheint aber eine Diskussion nötig, mit welchen Pfunden man gemeinsam für Bio werben kann. Sollte man nicht zum Beispiel mit großer Vielfalt werben, solange es sie in den Betrieben noch gibt, oder mit wunderbarem Geschmack, mit kurzen Wegen, mit dem hohen Anteil an Festangestellten und einigen Pluspunkten mehr?
Weitere Inhalte aus dem Marktgespräch bio2030 können auf der Webseite von bio2030 nachgelesen werden.
Markus Puffert,
Landwirtschaftskammer NRW