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Mehr Diversität und Resilienz mit Ackerbau in Streifen?

19.06.2026
Fruchtfolge im Streifenanbau: Kleegras, Rote Bete, Kartoffel, Mais, Hafer und Fenchel

Eine Fruchtfolge im Streifenanbau: Kleegras, Rote Bete, Kartoffel, Mais, Hafer und Fenchel.


Während der Anbau verschiedener Kulturen auf einer Fläche in einigen Ländern der Welt in Streifen erfolgt, beschränkt sich der Mischanbau bei uns meist auf den klassischen Gemengeanbau. Dabei kann der Streifenanbau durchaus Vorteile gegenüber Reinsaaten und Gemenge haben, wie das Projekt „Diversifizierter Ackerbau für Risikominderung und nachhaltige Klimaanpassung“ (DIARNIKA) der Universität Bonn derzeit untersucht. 

Das vom BMLEH geförderte Projekt ermittelt in Versuchen Methoden, die die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen der Klimaveränderung machen kann. Der Gemengeanbau bietet eine gewisse Risikostreuung. 

Streifenanbau Fahrspur von 2,5 m
Innerhalb einer Fahrspur von 2,5 m wurden zwei schmale Streifen von 1,125 m Breite angelegt. Somit werden Fahrspur-Effekte vermieden. 

„Funktioniert der eine Gemengepartner zum Beispiel aufgrund von Trockenheit in einem Jahr nicht, kann der andere Partner dies oft ausgleichen“, erklärte Dr. Roman Kemper, Universität Bonn, den Vorteil des Systems. Allerdings passe dieses Anbausystem durch Einschränkungen in der Kulturführung eher in Low-Input-Systeme, wie den ökologischen Landbau. 

Ackerbauliche Herausforderungen, wie unterschiedliche Saattiefen der Gemengepartner, Einschränkungen im Pflanzenschutz und Schwierigkeiten bei der Vermarktung oder Trennung, passen weniger in intensive Bewirtschaftungsweisen. Der Streifenanbau könnte die Vorteile des Gemengeanbaus mit den Möglichkeiten des intensiven Landbaus kombinieren und so zu einer Risikostreuung beitragen. 

Der Streifenmischanbau

Ackerbohnen und Mais im Streifenanbau
Ackerbohnen und Mais im Streifenanbau. Im letzten Jahr konnten in diesem System 3,1 t/ha TM Ackerbohnen und 6,5 t/ha TM Körnermais geerntet werden. 

Auf dem ökologisch wirtschaftenden Wiesengut der Universität Bonn wurden umfangreiche Versuche angelegt. In elf Mischungsvarianten und sechs Reinsaaten als Referenz werden Winterackerbohne, Sommerackerbohne, Soja, Winterweizen, Sommerhafer und Mais auf ihre Eignung als Mischungspartner und das Ertragspotenzial untersucht. 

Dabei wurden die Randeffekte der Streifen berücksichtigt, da diese durch eine niedrigere Beschattung und Konkurrenz ein höheres Ertragspotenzial bieten. „Die Ackerbohnen wiesen im letzten Jahr eine doppelte Anzahl an Hülsen in den Randreihen auf und trugen damit mit einem wesentlichen Anteil zum Ertrag bei“, so Phillip Nachtweide, Doktorand an der Universität Bonn.

Neben Varianten mit zeitgleicher Aussaat und Ernte wurden auch Mischungen von Partnern mit unterschiedlichen Zeitfenstern der Arbeitsgänge verglichen. „Die Frage war hier, was der eine Partner schafft, bis der zweite hinzukommt und wie sich dieser erholt, wenn die erste Kultur geerntet wurde“, so Kemper bei der Besichtigung der Versuche. Hier zeigte der Streifenanbau von Winterweizen und Sojabohne einen hohen Ertrag. Dabei sei der Winterweizen durch sein ausgeprägtes Wurzelwerk ein eher aggressiver Partner. In Jahren mit einer knappen Wasserverfügbarkeit könne dies auch problematisch sein. „Vorteilhaft ist es, wenn sich die Zeitfenster eines besonders hohen Wasser- und Nährstoffbedarfs der beiden Kulturen nicht überschneiden.“ 

In den Versuchen zeigte sich im letzten Jahr in allen elf Varianten ein höherer Flächenertrag als die Reinsaaten und somit ein hohes Potenzial des Systems. 

Der Streifenanbau

Auf einer anderen Fläche präsentierte Kemper die Versuche zum Streifenanbau. Dort wurde eine gesamte Fruchtfolge in Streifen von 3 m Breite angelegt. Als zweites System wurde Mais und Ackerbohnen in alternierenden Streifen gesät. Die Ergebnisse aus dem letzten Jahr deuten auf „gute“ und „schlechte“ Nachbarn hin. Dabei führt ein anfänglicher Nachteil nicht unbedingt zu einer geringeren Ernte: „Die Rote Bete hat nach der Ernte von Hafer oder Mais ihren Wachstumsrückstand überkompensiert und so doch noch profitiert“, so die Wissenschaftler der Uni Bonn.

Hafer und Kartoffeln
Durch das Anhäufeln der Kartoffeln wurden die Wurzeln des Hafers stark beeinträchtigt.

Und in der Praxis?

Während die Versuche auf ein Potenzial des Streifenanbaus hinweisen, zeigen sie auch die Schwierigkeiten in der Praxis auf: Die Übergänge zwischen zwei Kulturen wachsen schnell zu. Bei Kartoffeln und anderen Dammkulturen kann das Anhäufeln das Wurzelwerk der Nachbarkultur schädigen.

Vor allem der Streifenmischanbau ist durch fehlende Technik aktuell nur schwer umsetzbar. Der Anbau in breiteren Streifen ließe sich mit betriebsüblicher Landtechnik umsetzen. Bis zum Projektende wollen Kemper, Nachtweide und die anderen Projektbeteiligten noch möglichst viele Daten erheben, um daraus weiteren Forschungsbedarf und Empfehlungen für die Praxis ableiten zu können. 


Sarina Hertel, 
Landwirtschaftskammer NRW