Welche Anbaupotenziale und Zuchtfortschritte gibt es bei Ackerbohne, Körnererbse, Sojabohne und Lupine? Wie wirtschaftlich ist der Anbau? Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand bei den Kulturen auf dem Feld? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der 16. Leguminosentag NRW am 15. Juni auf Haus Düsse.
Während für viele etablierte Ackerkulturen umfangreiche Marktinformationssysteme existieren, sind vergleichbare Daten für Körnerleguminosen häufig nur eingeschränkt verfügbar oder auf verschiedene Quellen verteilt. Insbesondere Informationen zu Preisentwicklungen, Handelsströmen, Anbauflächen und Erntemengen sind oftmals schwer zugänglich. Dies erschwert sowohl betriebliche Entscheidungen als auch die wissenschaftliche Analyse von Marktentwicklungen. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen des durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten Projekts LeguNet das LeguDash entwickelt. Dennis Köpp, FH Südwestfalen, stellte die interaktive Plattform vor.
„Transparente Marktinformationen sind die Grundlage für eine funktionierende Preisbildung“, so Köpp. Für Kulturen mit einem geringeren Anbauumfang wie Ackerbohnen, Körnererbsen, Sojabohnen und Lupine fehle eine Übersicht über relevante Daten. „Diese sind nun frei zugänglich auf der Homepage einsehbar. Zu den bereitgestellten Informationen zählen unter anderem Anbauflächen, Erträge, Produktionsmengen, Preisentwicklungen, Handelsdaten sowie Import- und Exportstatistiken“, zählte er auf. Die Daten werden regelmäßig aktualisiert und in Form interaktiver Grafiken und Tabellen dargestellt. „So können landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeitungsunternehmen und Handelsakteure Rückschlüsse auf die aktuelle Marktlage ziehen!“
Die Datengrundlage
In Zusammenarbeit mit der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) werden beispielsweise Einkaufspreise nicht nur bundesweit, sondern auch auf Bundeslandebene erhoben. So werden regionale Unterschiede sichtbar. Auch historische Daten sind abrufbar. Eine sogenannte Heatmap gibt Auskunft über Anbaufläche, Erntemengen und Ertrag anderer europäischer Länder und ermöglicht somit eine Markteinschätzung über die Grenzen hinaus. Neu hinzugekommen sind Informationen des Bundessortenamts. Unter dem Reiter „Saatgut“ finden Nutzer gebündelt die Ergebnisse der Sortenversuche sowie eine Übersicht neu zugelassener Sorten.
Ein Blick in die Zukunft
Zusätzlich zum LeguDash entwickelte die Fachhochschule Südwestfalen den Soester Leguminosenpreisindex (SoeLI). Das Prognosemodell basiert auf einer Regressionsanalyse, die die aktuellen Börsenpreise für Futterweizen und Sojaextraktionsschrot als Referenzen berücksichtigt. „Natürlich ist so eine Prognose immer ein Blick in die Glaskugel“, räumte Köpp ein. „Er zeigt aber eine Tendenz auf, die den Handelspartner betriebliche Entscheidungen erleichtern kann.“
Was neue Sorten für die Praxis leisten
Hubert Sauer, Saaten Union, gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Züchtung bei Körnerleguminosen. Vor allem bei Körnererbsen und Ackerbohnen stellt das Unternehmen eine Vielzahl an Sorten am Markt. „In der Züchtungsarbeit sind unsere wichtigsten Zuchtziele hohe und stabile Erträge, hohe Proteingehalte und Pflanzengesundheit“, so der Vertriebsberater. Auch die Trocken- und Hitzetoleranz spielten eine immer wichtiger werdende Rolle.
Die Züchtung einer neuen Sorte dauert etwa zehn Jahre und ist sehr aufwändig. Daher ist es wichtig, Zuchtziele zu wählen, die in der Zukunft relevant sein werden, zum Beispiel im Hinblick auf klimatische Veränderungen oder Qualitätsanforderungen. „Winterformen von Körnererbse und Ackerbohne sind in Regionen mit häufiger Frühjahrstrockenheit oder bei spät befahrbaren Flächen eine Alternative zu Sommerungen. So kann das Anbaurisiko gesenkt werden“, empfahl Sauer. In jedem Fall müsse die spätere Vermarktung oder Verwertung bei der Sortenwahl berücksichtigt werden.
Sarina Hertel, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen