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Moderner Elektrozaunbau – praxisnah und weidetiergerecht

08.10.2026
Weidezaunbau
Chiel van Dijk hat ein handesübliches Trägerfahrzeug für den mobilen Weidezaunbau optimiert – die Metallstange vorne links neben dem Lenkrad nimmt eine Drahtrolle auf. So kann vom laufenden Fahrzeug aus der Zaunpfahl eingeschlagen und eingehängt werden. Absteigen ist nur noch zum Einschlagen der Eckpfähle nötig.

Wie lassen sich Weidezäune schneller, sicherer und tiergerecht aufbauen? Praxisnahe Antworten lieferte die Veranstaltung „Moderner Elektrozaunbau – professionell, hütesicher und weidetiergerecht“, die am 18. September in Lengerich stattfand. Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von der Bioland-Beratung im Rahmen der Reihe „Öko-Wissen für die Praxis“.

Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte nutzten die Gelegenheit, sich über moderne Zaunsysteme, effiziente Arbeitsverfahren und aktuelle Entwicklungen im Weidemanagement zu informieren. Neben den theoretischen Grundlagen des Elektrozaunbaus standen vor allem praktische Demonstrationen direkt auf der Weide im Mittelpunkt.

Mobile Zäune schnell auf- und abbauen

Weidezaunbau Anhänger
Rappa bietet spezialisierte Anhänger und Anbaugeräte für Quads zum Aufbau mehrlitziger Mobilzäune an.​

Besonders großes Interesse fanden die Vorführungen zum schnellen Auf- und Abbau mobiler Elektrozäune. Gezeigt wurden Systeme mit zwei oder mehr Litzen, die sich innerhalb kürzester Zeit versetzen lassen und sich damit besonders für eine intensive Weideführung eignen.

Der Schlüssel zur hohen Arbeitsgeschwindigkeit liegt in der Kombination aus durchdachten Abroll- und Haspelsystemen sowie der gleichzeitigen Führung mehrerer Litzen auf einem Trägerfahrzeug. Entsprechende Lösungen wurden von Olaf Menzel von der Firma Rappa sowie im Selbstbau von Landwirt Chiel van Dijk aus Tecklenburg vorgestellt.

Während bei herkömmlichen Verfahren oftmals jede Litze einzeln aufgenommen und anschließend wieder gespannt werden muss, ermöglichen moderne Systeme den Auf- und Abbau größerer Zaunabschnitte in einem Arbeitsgang. Koppeln können dadurch innerhalb weniger Minuten erweitert, verkleinert oder neu eingeteilt werden. Gerade bei Verfahren wie Mob Grazing oder einer engmaschigen Portionsbeweidung lässt sich auf diese Weise der tägliche Arbeitsaufwand reduzieren.

Darüber hinaus wurden weitere praktische Lösungen vorgestellt. Rudolf Mathweis aus Eslohe und Andreas Stickling aus Verl zeigten, wie sich mehrlitzige, wolfsabweisende Zäune auch ohne teure technische Hilfsmittel geschickt aufbauen lassen. Ergänzt wurden die Vorführungen durch weitere praxisnahe Detaillösungen aus dem Arbeitsalltag.

Festzäune fachgerecht aufbauen

Weidezaunbau Litze
Ge​flochtene Litzen sind weniger windanfällig und stabiler als gedrehte Litzen. Die Leiter haben auch mehr Kontaktpunkte der Stromleiter und leiten den Strom daher bei kleineren Schäden zuverlässiger.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Aufbau dauerhafter Festzäune mit High-Tensile-Glattdraht. Stefan Clausen von der Firma Rickwark und Malte Raus von der Firma efence demonstrierten die verschiedenen Arbeitsschritte von der Planung über den konstruktiven Aufbau bis hin zur fachgerechten Spannung der Drähte.

Besonderes Interesse fand die Knotentechnik. An einer eigenen Station konnten die Teilnehmenden die entsprechenden Techniken unter Anleitung selbst ausprobieren und dabei praktische Erfahrungen sammeln. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sich direkt bei den professionellen Zaunbauern Tipps für die Umsetzung im eigenen Betrieb zu holen.

Erdung als entscheidender Faktor für die Hütesicherheit

Neben dem eigentlichen Zaunbau widmete sich ein Fachvortrag einem für die Funktionssicherheit von Elektrozaunanlagen entscheidenden Thema: der Erdung. Dabei wurde deutlich gemacht, dass selbst hochwertige Weidezaungeräte und fachgerecht aufgebaute Zäune ihre Wirkung nicht zuverlässig entfalten können, wenn die Erdungsanlage unzureichend ausgeführt ist. Erläutert wurde, wie Erdungsanlagen richtig dimensioniert werden, welche Fehler in der Praxis häufig auftreten und wie sich die Qualität der Erdung überprüfen lässt. Ein häufiges Problem ist dabei, dass zu wenig Erdung verwendet wird, so zum Beispiel nur ein Erdstab. Wenn dieser dann noch in einem trockenen Bereich, beispielsweise unter einem Baum, eingeschlagen wird, dann reduziert sich die Stromübertragung im gesamten Stromkreis so stark, dass selbst kraftvolle Weidezaungeräte kaum noch nennenswerte Stromschläge erzeugen können. 

Zaunbau - Einsatz der Pfahlramme
Einsatz der Pfahlramme der Firma Rickwark. 

Daher ist es sinnvoll mehrere Erdstäbe im Abstand von mehreren Metern und an möglichst dauerhaft feuchten Erdstellen einzuschlagen. Soforthilfe in Trockenperioden kann dann das Gießen der Erststäbe bringen um die Leitfähigkeit des Bodens wieder herzustellen. Anhand praktischer Beispiele konnten die Teilnehmenden nachvollziehen, wie Spannungsverluste erkannt und behoben werden können. Eine fachgerecht ausgeführte Erdung ist damit eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Anlage dauerhaft eine hohe Hütesicherheit gewährleistet.

Praxisnahe Veranstaltung mit konkretem Nutzen

Die Kombination aus Fachvorträgen, Technikdemonstrationen und praktischer Mitarbeit sorgte für einen intensiven Austausch zwischen Fachleuten und Praktikern. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblicke in unterschiedliche Zaunsysteme und Arbeitsverfahren und konnten zahlreiche konkrete Anregungen für ihre eigenen Betriebe mitnehmen.

Die von der Bioland-Beratung organisierte und durchgeführte Veranstaltung bot eine gelungene Verbindung aus Fachwissen, praktischer Erfahrung und Technikdemonstrationen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zahlreiche konkrete Anregungen für einen effizienten, hütesicheren und weidetiergerechten Elektrozaunbau mitnehmen. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Öko-Wissen für die Praxis“, die Bestandteil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) ist und durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) initiiert und finanziert wird.


Hannes Michael, Bioland Landesverband NRW