Der Situationsbericht zur Mutterkuhhaltung in Nordrhein-Westfalen ist erschienen.
Seitens des zuständigen Fachbereichs 71 der Landwirtschaftskammer NRW ist aktuell ein umfassendes Werk zu Strukturen, Bedeutung und Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung in NRW erscheinen. Rund 7 000 landwirtschaftliche Betriebe halten rund 65 000 Mutterkühe in diesem Bundesland. Damit stehen im Schnitt nur 9,2 Kühe pro Halter auf den Höfen, Tendenz in den letzten zehn Jahren unverändert. Mehr als 6 000 Mutterkuhhalter haben dabei weniger als 20 Mutterkühe im Bestand, mehr als 100 Mutterkühe dagegen halten nur 17 Betriebe.
HSK und Borken vorn
In einem Dutzend Landkreisen sind jeweils mehr als 2 500 Mutterkühe anzutreffen. Neben den typischen Mittelgebirgsregionen, wie dem Sauer-/Siegerland und der Eifel mit dem Hochsauerlandkreis (HSK), Olpe, Siegen-Wittgenstein, Gummersbach und Euskirchen, sind dies auch Landkreise etwa am Niederrhein und Westmünsterland, also Wesel, Borken und Steinfurt, sowie in Ostwestfalen Höxter und Paderborn. Spitzenreiter sind der HSK und der Kreis Borken mit mehr als 4 000 Mutterkühen. Dabei ist die Intensität der Bewirtschaftung des Dauergrünlandes in den angesprochenen Kreisen sehr unterschiedlich und reicht von Extensivierungsanteilen (ÖR 4) am Dauergrünland von 62 % in Siegen-Wittgenstein bis zu nur 5 % im Kreis Borken.
Was sagt die Betriebszweigauswertung?
Sehr umfangreich wurde eine Auswertung von 20 Mutterkuhbetrieben nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten (BZA-Mutterkuh) für das Jahr 2020/21 vorgenommen. Diese Mutterkuhbetriebe hielten durchschnittlich rund 30 Mutterkühe und wurden nach dem Prinzip einer Vollkostenrechnung ausgewertet, sodass auch die eigene Arbeit, eigene Flächen und gebundenes Kapital entsprechend bewertet wurden.
Für den Futterbedarf der eigenen Mutterkuhhaltung haben diese Betriebe rund 20 ha Weide und 13 ha Grassilagefläche vorgehalten. Daneben gab es weitere Flächen, deren Aufwuchs zum Beispiel als Heu verkauft wurde. Im Mittel der Betriebe verursachte die Weide Gesamtkosten von 900 € pro ha, die Grassilageproduktion von 1 600 € / ha. Die Spannbreite zwischen dem unteren und oberen Kostenviertel der Betriebe betrugen dabei rund 1 000 € / ha bei der Grassilage und 800 € / ha bei der Weide!
Diese Vollkosten beinhalten auch den nicht unerheblichen Arbeitszeitbedarf für Weide und Futterbau. Rund 14 Stunden pro ha Weide und 18 Stunden pro ha Silagefläche wurden im Mittel der Betriebe aufgewendet und über diese Ansätze auch rechnerisch entlohnt. Pro Mutterkuh ergaben sich aus dem Zusammenspiel von Weide und Grassilage insgesamt Grobfutterbereitstellungskosten von 1 700 € pro Tier und Jahr – rund 70 % der gesamten Direktkosten der Mutterkuhhaltung. Diese erreichten im Schnitt 2 374 € und lagen damit um rund 640 € über den durchschnittlichen Erlösen des Betriebszweiges. Das beste Viertel der Betriebe erreichte jedoch immerhin eine direktkostenfreie Leistung von + 130 €. Hier wurden also zumindest Weide- und Futterbereitstellung unter Vollkostenbetrachtung der Verfahren gedeckt.
Nicht entlohnte Arbeit
Unter dem Strich bleiben allerdings darüber hinaus rund 40 Arbeitsstunden pro Mutterkuh und Jahr für Betreuung der Tiere in den Stallungen, für Einstreuen, Entmisten, sowie der anteiligen Büroarbeit im Betrieb. Eine Entlohnung für diese Tätigkeiten und eingebrachte Faktoren wie Kapital und Flächen findet in vielen Praxisbetrieben unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht statt.
Jörn Bender, Bioland-Fachberatung Fleischrinder