Am 6. November fand nach einer ersten Veranstaltung Mitte Oktober im Kreis Borken eine weitere Feldbegehung zum Zwischenfruchtanbau auf einem Modellbetrieb der Wasserrahmenrichtlinie statt. Dieses Mal ging es auf die Demoflächen des Biohofs Bolten in Niederkrüchten. Im Fokus der Besichtigung standen vor allem die Kulturwahl in Acker- und Gemüsefruchtfolgen, das N-Speichervermögen der Zwischenfrüchte und ihr Beitrag zur Bekämpfung von Nematoden.
Willi und Simon Bolten sind Spezialisten im Biogemüseanbau. Auf den sandigen Lehmflächen ihres Bioland- und Naturland-zertifizierten Gemüse- und Ackerbaubetriebs im Kreis Viersen wird eine siebengliedrige Fruchtfolge gefahren, Kernkulturen sind Kartoffeln, Möhren, Spinat, Erbsen, Zwiebeln und Weißkohl, vermarktet wird sowohl Industrie- als auch Frischware.
Die Stickstoffversorgung in der Ackerbaufruchtfolge realisieren Vater und Sohn über den Kleegrasanbau; das wird dreimal geschnitten und in der Biogasanlage vergoren. Diese Gärreste, ergänzt um zugekauften organischen Dünger, bilden die Nährstoffversorgung auf dem intensiv bewirtschafteten Biobetrieb, der seit 2014 auch Modellbetrieb der Wasserrahmenrichtlinie ist. „Auf den Demoflächen, die wir zur Verfügung stellen, stehen diverse Zwischenfrüchte, an denen uns vor allem ihr Vermögen der Nährstoffspeicherung über Winter interessiert“, erklärte Simon Bolten im Hinblick auf den Wasserschutz. Allerdings müssten die Kulturen auch in die Fruchtfolge passen - „und das ist im Gemüseanbau ziemlich tricky, vor allem dann, wenn Kohl in der Fruchtfolge steht“, gab der junge Betriebsleiter zu bedenken. Kruziferen, wie Rübsen, Ölrettich und Senf, gingen weniger gut. „Wir haben aber zum Beispiel auch eine Fruchtfolge mit Sommerweizen, Ölrettich und Kartoffeln. Hier stellt der Ölrettich kein Problem dar, sondern bietet Vorteile“, ergänzte Vater Willi Bolten.
Grünroggen
Grünroggen bildet sehr viel feine Wurzelmasse im Oberboden aus. Grünroggen ist gut verträglich in Gemüsefruchtfolgen und lässt sich im Frühjahr als Grünschnittroggen silieren oder in der Biogasanlage verwerten.
Lein
Lein - sowohl die winterfestere Art, im Bild rechts auf der linken Parzelle, als auch der Sommerlein - hat eine starke Unkrautunterdrückung.
Sandhafer
Sandhafer eignet sich gut für Gemüsefruchtfolgen und ist zum Beispiel in vielen Möhrenbetrieben zu finden. Sandhafer ist keine Wirtspflanze für die Getreidenematode Pratylenchus, unterbricht also den Wirtspflanzenkreislauf. Er friert gut ab, liefert eine optimale Bodenbedeckung und hält damit den Unkrautdruck unter Kontrolle.
N-Speicherung zur Sickerperiode
Lea Garmer, WRRL-Beraterin bei der Landwirtschaftskammer NRW, führte gemeinsam mit ihrem Kollegen und Gemüsebauberater Markus Puffert durch die Demoanlage. „Welche Zwischenfrüchte sollten wir idealer Weise nutzen? Eine winterharte Mischung? Eine winterharte Kultur in Einzelaussaat? Oder abfrierende Zwischenfrüchte?“, erläuterte sie das Ziel der versuchsweisen Anpflanzung.
Die Ausgangslage auf dem Betrieb seien Nmin-Werte in der Brache von 140 kg gewesen. „Die liegen im Frühjahr deutlich niedriger, aber nur wegen der Auswaschungen! Mit Zwischenfruchtanbau schießen die Nmin-Werte zwar zunächst ebenfalls hoch, gehen dann aber wieder deutlich runter auf kleine zweistellige Werte. Denn: Bis zu 122 kg werden in der Zwischenfrucht gespeichert. Genau diesen Unterschied möchten wir herausarbeiten“, so Lea Garmer.
Die von der Zwischenfrucht aufgenommenen N-Mengen sollten also zu einem möglichst großen Teil der Nachfrucht zur Verfügung gestellt werden. Abfrierende Arten hätten nach Auswertung der Demoanlagen die höchsten Zuwächse und N-Aufnahmen vor Winter aufgewiesen, da gebe es aber auch meist nicht unerhebliche Verluste über die Wintermonate. „Diese Verluste könnten dadurch effektiv abgemildert werden, dass der abfrierenden Mischung oder Komponente ein winterharter Partner zur Seite gestellt wird. Winterraps und Winterrübsen zeigten dabei die höchsten Zuwächse im zeitigen Frühjahr“, resümierte die Beraterin aus den vergangenen Jahren.
Entscheidend sei außerdem der Aussaattermin: „Grundsätzlich sollte der Aussaattermin so gewählt werden, dass kein Aussamen vor dem Winter droht und somit auf jede Bodenbearbeitung vor dem Winter verzichtet werden kann. Der Mineralisierungsschub vor allem von Stickstoff, der durch eine Bodenbearbeitung hervorgerufen wird, kann durch keine Kultur mehr eingefangen und aufgeholt werden!“, nannte die Beraterin den Grund für den sensiblen Umgang mit den Zwischenfrüchten vor Winter.
Ölrettich
Ölrettich ist eine abfrierende Kultur und wird als Kruzifere nicht für Kohlfruchtfolgen empfohlen, er ist maximal in sehr weiten Kohlfruchtfolgen anbauwürdig. Multiresistenter Ölrettich kann freilebende, zysten- und gallenbildende Nematoden bekämpfen und reduziert Trichodorus-Arten, die für die Übertragung des TRV-Virus bekannt sind. Er ist somit als Zwischenfrucht vor Zwiebeln, Möhren, Rüben und Kartoffeln zu empfehlen.
Sandhafer mit Tagetes
Tagetes tötet sicher Pratylenchus ab: Die Blumen sondern für die Nematoden giftige Substanzen ab. Durch das Beimischen von Sandhafer wird eine nematodenreduzierende Pflanze genommen, die Unkraut unterdrückt, das Aussäen mit normaler Saattechnik erlaubt und die Saatgutkosten reduziert.
Senf
Die Kruzifere Senf bereitet in Kohlfruchtfolgen Probleme. Senf ist resistent gegen Rübenzystennematoden.
Wer setzt sich durch?
Wenn es darum gehe, zwei oder mehr Arten zu kombinieren, die sich nur schwer im Gemenge nebeneinander entwickeln, könnten die Arten auch streifenweise ausgesät werden. „Wir haben zum Beispiel viel mit Lupinen und Grünrogen experimentiert. Bei einem Schnitt der Lupinen noch vor dem Winter bleibt nicht viel Stickstoff übrig, den die Hauptkultur im Frühjahr nutzen könnte. Im Gemisch mit Grünroggen wird der freiwerdende Stickstoff aber von ebendiesem Mischungspartner genutzt, er nimmt als winterharter Partner die ungenutzten und freiwerdenden N-Mengen auf“, nannte Garmer eine Möglichkeit, zwei konkurrierende Arten miteinander zu kombinieren, was am besten gelänge, wann man diese im Biostrip-Verfahren, also nebeneinander, aber nicht durcheinander, säen würde. „Der Vorfruchtwert wird verbessert, Verluste werden reduziert.“
Verschiedene Zwischenfrüchte
Lea Garmer, Markus Puffert und Pascal Gerbaulet, die die WRRL-Demoanlagen für die Landwirtschaftskammer betreuen, stellten 17 verschiedene Kulturen vor. Alle Sämereien seien mit derselben Sämaschine ausgebracht worden, die Tagetessamen gemeinsam mit Sandhafer als Mischungspartner. Daraus erklärten sich auch die auffällig hohen Aussaatkosten, in denen die Aussaat, hier mit Kreiselegge und Drillmaschine, schon berücksichtigt seien. „Die Saatgutkosten liegen im Ökolandbau mindestens doppelt, manchmal sogar bis zu drei Mal so hoch wie im konventionellen Anbau“, so Pascal Gerbaulet. Nahezu in astronomischer Höhe lagen beispielsweise die Aussaatkosten für die Winterackerbohne „Arabella“ plus Sandhafer im Gemenge mit 534 €/ha und die Aussaat von Sandhafer plus Tagetes „Patula“ mit 599 €/ha. Andererseits könne man im Frühjahr dann große Mengen Frischmasse zur Nachfrucht bereitstellen, wodurch Zukaufdünger eingespart werde, der im ökologischen Gemüseanbau 3 bis 6 €/kg N kosten kann. „Ein Inkarnatklee mit 150 kg N im Aufwuchs hat somit zum Beispiel eine Leistung von mindestens 450 €/ha“, rechnete Pascal Gerbaulet vor.
Die Kulturen, deren Aussaattermine und Nmin-Werte vor Winter finden Sie in der Übersicht rechts, Infos zum WRRL-Projekt sowie die Kontakte zur Beratung ebenfalls in diesem Fachportal.
Meike Siebel,
Landwirtschaftskammer NRW