Unter den Körnerleguminosen hat die Körnererbse einen schweren Stand. Der Anbau wird von diversen Unsicherheiten begleitet. Dazu gehören mögliche Erntebehinderungen und -ausfälle durch Spätverunkrautung sowie Lager. Zudem können Wurzelkrankheiten, wie beispielsweise Ascochyta, Fusarium-Arten, Rhizoctonia, oder die Virusübertragung durch Blattläuse den ökologischen Körnererbsenanbau erschweren. Daraus resultieren schwankende Erträge bis hin zu Totalausfällen und entsprechend betriebswirtschaftliche Risiken.
Der Anbau von Öko-Körnererbsen in Niedersachsen verliert entsprechend an Fläche. Auf Grundlage der INVEKOS-Antragszahlen im Jahr 2025 ist die Erbsenanbaufläche um rund 400 ha auf 970 ha gesunken. In Nordrhein-Westfalen wurden 2025 auf 4 953 ha insgesamt Körnererbsen angebaut, davon waren nur noch 165 ha ökologisch bewirtschaftet. Die Anbaufläche schrumpft seit 2023 stetig, sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Anbau.
Die Erträge sind in diesem Jahr in der Praxis und in den Sortenversuchen bestenfalls zufriedenstellend ausgefallen.
Gute Aussaat-, ungünstige Erntebedingungen
Im Jahr 2025 erfolgte die Aussaat der Körnererbsen, anders als im feuchten Frühjahr 2024, vielfach unter optimalen Bedingungen im März und konnte weitestgehend bis Anfang April abgeschlossen werden. Das Frühjahr war ausgesprochen niederschlagsarm und kühl und führte zu einem leicht verzögerten Wachstumsstart bei den Erbsen. Die Witterung ermöglichte in diesem Zeitraum überwiegend günstige Bedingungen für die mechanische Beikrautregulierung. Noch rechtzeitig zur Blüte der Erbsen nahmen ab der letzten Maidekade die Niederschlagsmengen deutlich zu und flankierend führte eine merkliche Erwärmung zu einer guten Entwicklung der Erbsenbestände. Eine Hitzephase von deutlich über 30°C Ende Juni bis Anfang Juli 2025 führte insbesondere auf leichteren Standorten zu Trockenheits- und Hitzeschäden. Zudem forcierte diese knapp einwöchige Extremwetterlage die Abreife.
Im weiteren Verlauf förderte im Juli eine anhaltend unbeständige, feuchte Witterungsperiode die Entwicklung der Spätverkrautung und mit zunehmender Abreife auch Lager in den Erbsenbeständen. Das führte auf einigen Praxisstandorten zur Ernteerschwernis und auch zu Ausfällen. Von den drei niedersächsischen Sortenversuchen konnte der Standort Osnabrück aufgrund massiver Spätverkrautung leider nicht mehr geerntet werden.
Körnererbsenanbau als Gemenge absichern
Zur Risikominimierung ist das Körnererbsen-Getreidegemenge eine interessante Alternative zur Reinsaat von Körnererbsen. Reinsaaten bergen das Risiko, dass mit beginnender Abreife bis zur Ernte eine abnehmende Strohstabilität und somit eine erhöhte Lageranfälligkeit auftreten können. Die Option eines Gemengeanbaus mit Getreide, welches als Stützfrucht dient, kann eine wirkungsvolle und sichere Maßnahme sein, um die Standfestigkeit, die Beerntbarkeit und letztlich auch die Ertragssicherheit von Körnererbsen erheblich zu verbessern. Durch die bessere Standfestigkeit wird auch eine stärkere Konkurrenzkraft gegenüber einer Spätverkrautung erreicht. Aber auch schon in der Jugendentwicklung erreicht das Gemenge eine wesentlich ausgeprägtere und frühere Bodenbeschattung und Beikrautunterdrückung gegenüber einer Erbsen-Reinsaat. Als ein möglicher weiterer Vorteil kann die Qualitätssteigerung in Bezug auf den Proteingehalt des Getreides betrachtet werden. Idealerweise kann das Gemenge innerbetrieblich zur Fütterung eingesetzt werden.
Mittlerweile sind vereinzelt Verarbeiter technisch in der Lage, das Gemenge in die Einzelbestandteile aufzutrennen. Die Abnahme sollte aber trotzdem vorab mit dem Marktpartner abgesprochen werden und die entstehenden Trennkosten sind mit zu berücksichtigen. Trotz der relativ guten Trennbarkeit lässt sich das Bruchkorn mit der derzeitigen Technik nicht vollständig aussortieren, sodass das Getreide für die Speiseverarbeitung häufig nicht mehr in Frage kommt oder Futterrationen nicht exakt berechnet werden können.
Gemenge- und Aussaattipps
Geeignete Gemengepartner für die Sommerform der Körnererbse sind, je nach Bodengüte und Wasserversorgung, vor allem Sommergerste, Sommerhafer und Sommertriticale. Wichtig ist, dass die Abreife der beiden Gemengepartner zusammenpasst. Im Gemenge haben sich Aussaatstärken von 90 bis 100 % der üblichen Reinsaatstärke von Sommererbsen und rund 20 bis 25 % der von Sommergetreide bewährt. Bei gleichzeitiger Aussaat ist die Aussaattiefe des Gemenges den Ansprüchen der Erbse anzupassen und sollte bei etwa 4 cm liegen. Sofern verfügbar, bietet sich Zweitank-Aussaattechnik an, welche die Gemengepartner durch getrennte Saatguttanks und Säschare jeweils in optimaler Tiefe ablegen. Abgesehen von der reinen Körnernutzung zur Fütterung, bietet sich für viehhaltende Betriebe beim Gemengeanbau die Möglichkeit der vorzeitigen Silierung bei sich andeutender Futterknappheit.
Bereits seit mehreren Jahren wird in den niedersächsischen Öko-Landessortenversuchen zusätzlich zu den Sorten in Reinsaat eine Variante Sommererbse und Sommergerste im Gemengeanbau geprüft. Die Aussaatstärke der Körnererbsen beträgt dabei 85 Körner/m² und die der Sommergerste 80 Körner/m². Am südniedersächsischen Standort Wiebrechtshausen konnte nun über einen dreijährigen Zeitraum die Erträge im Vergleich zur Reinsaat verglichen werden. Dabei zeigte sich, dass die Gemengevariante zu Mehrerträgen von 33 % im Jahr 2023 und 13 % in diesem Jahr führte. Im Jahr 2024 lag das Gemenge ertraglich gleichauf mit den Reinsaat-Varianten.
Standorte der LSV Öko-Körnererbsen
Die drei niedersächsischen LSV-Standorte für Öko-Körnererbsen verteilen sich auf die Anbaugebiete (ABG) Sandstandorte Nord-West (ABG 2) und Lehmige Standorte West (ABG 3). Der Sortenversuch am Standort Osnabrück (ABG 2) konnte in diesem Jahr leider nicht beerntet werden. Somit ergänzen in diesem Jahr nur der Standort Oldendorf II (ABG 2) und Wiebrechtshausen (ABG 3) die Auswertung. In Oldendorf II konnten in diesem Jahr im Mittel noch zufriedenstellende 26 dt/ha gedroschen werden, nachdem eine Beerntung in den zurückliegenden zwei Jahren wegen Wild- und Unwetterschaden nicht möglich war. Auf dem lehmigen Standort Wiebrechtshausen im ABG 3 fallen die Erträge im Mittel mit 29 dt/ha, nach zwei Jahren mit relativ niedrigen Resultaten, wieder positiver aus.
Anbau von Körnererbsen als Hackfrucht
Seit zwei Jahren werden am LSV-Versuchsstandort Oldendorf II die Öko-Landessortenversuche Sommerungen und Winterungen mit 25 cm Reihenabstand angelegt, um neben dem Striegel auch den Einsatz der Scharhacke zu ermöglichen. Hintergrund ist eine Verbesserung und Absicherung der Beikrautregulierung gegenüber einen reinen Striegeleinsatz. Auch der LSV Sommerkörnererbsen wird als Hackfrucht angelegt, um das Risiko der Spätverunkrautung zu reduzieren und um die Wertbarkeit der Versuche abzusichern.
Mit dem doppelten Reihenabstand, der den Einsatz der Scharhacke ermöglicht, kann der kurze Zeitraum für die mechanische Beikrautregulierung mit dem Striegel bei den Erbsen um etwa acht bis zehn Tage erweitert werden. Beim üblichen Anbau von Körnererbsen in Drillsaat mit Reihenabständen von 12,5 bis 15 cm ist der Striegeleinsatz nur bis maximal zum beginnenden Verranken der Pflanzen möglich. Beim erweiterten Reihenabstand von 25 cm bis 30 cm können sich die Erbsenpflanzen innerhalb der Reihen schon gegenseitig verranken. Zwischen den Reihen kann dann noch gehackt werden. Zur Krautregulierung innerhalb der Erbsenreihen werden zusätzlich Flachhäufler eingesetzt, die einen wirksamen Verschüttungseffekt der Beikräuter bewirken und ausgesprochen kulturverträglich sind. Die Regulierungsergebnisse sind bislang sehr vielversprechend ausgefallen. Aufgrund der positiven Erfahrungen werden die LSV-Körnerleguminosen am Standort der Hochschule Osnabrück im Jahr 2026 ebenfalls mit doppelten Reihenabstand von etwa 25 cm angelegt, um den Einsatz der Scharhacke zu ermöglichen.
Auch für die Praxis dürfte das Hacksystem interessant sein, um den Körnererbsenanbau abzusichern. Betriebe, die momentan schon Getreide hacken, können dieses System auch im Körnererbsenanbau integrieren. Aufgrund der Tatsache, dass die Erbsenpflanze keine Pfahlwurzel ausbildet, besteht das Risiko, dass bei einem zu dichten Hacken an den Pflanzenreihen Seitenwurzeln verletzt werden können. Deshalb empfiehlt es sich, tendenziell etwas weniger breite Hackschare im Reihenzwischenraum zu verwenden. Die fehlende Arbeitsbreite der Schare kann gut durch flach arbeitende Häufelkörper durch mehr Erdbewegung kompensiert werden.
Ergebnisse und Sortenwahl der Landessortenversuche
Bei der Sortenwahl sollte besonders auf eine überdurchschnittliche Standfestigkeit geachtet werden. Für ein hohes Beikrautunterdrückungsvermögen ist zudem eine ausgeprägte Frohwüchsigkeit von Vorteil. Letztlich sollte die Sorte möglichst auch über eine ausgewiesene Ertragsstabilität verfügen. Für Eigenverwerter ist der Rohproteingehalt zu beachten und ein geringes Tausendkorngewicht kann die Saatgutkosten reduzieren.
Astronaute ist mehrjährig geprüft und kann wiederholt in beiden Anbaugebieten, mit konstant, überdurchschnittlichen Erträgen überzeugen. Zudem verfügt diese Sorte über eine ausgewogene Standfestigkeit, Frohwüchsigkeit und Beerntbarkeit. Astronaute kann weiterhin für den Anbau in die engere Wahl genommen werden.
Orchestra zeigt am Standort Oldendorf II (ABG 2) leicht überdurchschnittliche Erträge. Am Standort Wiebrechtshausen (ABG 3) kann sie an das überdurchschnittliche Ergebnis aus dem Vorjahr nicht anknüpfen und fällt unter den Durchschnitt. Die Sorte verfügt über eine mittlere Pflanzenlänge, Standfestigkeit und Frohwüchsigkeit. Das Tausendkorngewicht liegt auf durchschnittlichem Niveau. Die mehrjährigen Versuchsergebnisse weisen überdurchschnittliche Rohproteingehalte auf. Orchestra ist deshalb besonders für Betriebe mit eigener Verwertung in der Fütterung interessant.
Symbios zeigt auf Grundlage der bislang mehrjährig vorliegenden Ergebnisse auf den Versuchsstandorten überwiegend überdurchschnittliche Erträge. Hervorzuheben sind die solide Frohwüchsigkeit und die gute Standfestigkeit bis zur Ernte. Die Rohproteingehalte bewegen sich im Mittel der Standorte im Bereich des Durchschnitts. Für den Anbau gehört Symbios in die engere Wahl.
Batist kann bislang mit überwiegend überdurchschnittlichen Erträgen aufwarten. In diesem Jahr fällt die Ertragsleistung allerdings auf beiden Prüfstandorten ab. Die Rohproteingehalte liegen auf ausgeglichenem Niveau. Die Sorte ist frohwüchsig, lang im Wuchs und verfügt über eine gute Standfestigkeit bis zur Ernte. Ein Anbau kommt in Frage.
Iconic erreicht auf Grundlage der mehrjährig vorliegenden Ergebnisse auf den Versuchsstandorten fast durchgehend überdurchschnittliche Erträge. Die Sorte verfügt über eine solide Frohwüchsigkeit und Massebildung sowie über eine gute Standfestigkeit bis zur Ernte. Für den Anbau gehört sie in die engere Wahl.
LG Corvet kann auf den Prüfstandorten bislang ertraglich kaum überzeugen. Die Sorte ist kürzer im Wuchs und zeigte eine auffällig schwache Frohwüchsigkeit.
Sorten- Neuzugänge:
Die Sorten NOS Impact, Cosmos und Asgard sind Neuzugänge im Prüfsortiment. Aufgrund der sehr eingeschränkten Datengrundlage ist noch keine sichere Sortenbewertung möglich.
Fazit für die Anbaupraxis
- Aufgrund der guten Ertragsstabilität, Frohwüchsigkeit und Standfestigkeit gehören die mehrjährig geprüften Sorten Astronaute, Symbios, Iconic Batist und Orchestra in die engere Wahl.
- Orchestra ist aufgrund der überdurchschnittlichen Rohproteingehalte insbesondere für Eigenverwerter interessant.
- Der Gemengeanbau von Körnererbsen mit Sommergetreide kann die Anbausicherheit und die Beerntbarkeit wesentlich verbessern. Eine Verwertungs- oder Vermarktungsmöglichkeit sollte aber gegeben sein. Vereinzelt bieten Abnehmer eine Trennung der Gemengepartner an.
Futteranalysen vorsehen: Bei innerbetrieblicher Verwertung der Körnerleguminosen lohnt es sich, Praxispartien vor der Kalkulation von Futterrationen auf Inhaltsstoffe untersuchen zu lassen.
Volker Graß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen