Beim Treffpunkt Ökozüchtung auf der diesjährigen Biofach berichtete Inde Sattler von ihren Erfahrungen als Apfelzüchterin.
Inde Sattler bewirtschaftet einen Bioland-Obstbaubetrieb in Schleswig-Holstein und ist Mitglied im apfel:gut e.V., einem Förderverein zur Entwicklung und Durchführung ökologischer Obstzüchtung. Neben Zuchtzielen wie langer Haltbarkeit, knackig und frisch - und damit uniformen Äpfeln, wie die der LEH verlangt - geht es bei der Arbeit der Züchterin vor allem um die Feldrobustheit der Sorten und damit zunächst um die Baumgesundheit. „Nicht nur der Verbraucher möchte Spaß an unseren Äpfeln haben, sondern auch der Anbau sollte Spaß machen! Und das gelingt nur, wenn wir die ökologischen Grundsätze des Obstanbaus nicht hinten herunterfallen lassen“, so die ambitionierte und diplomierte Agraringenieurin. Dazu passe eben nicht der hohe Inzuchtgrad bei modernen Sorten, bei denen die Krankheitsanfälligkeit für Baum und Frucht enorm steige.
Die angebauten, modernen Clubsorten hätten zwar ein hohes Marketing-Budget, seien aber oftmals aufgrund des Drucks aus dem Handel nicht zu Ende geprüft. „Wir haben im Ökolandbau keine Pflanzenschutzmittel, mit denen wir die Pilzkrankheiten im Griff halten können. Daher müssen wir auf Sorten setzen, die Resistenzen zum Beispiel gegen das Schorfpilz-Gen entwickelt haben. Mithilfe von Wildapfelsorten erforschen wir Resistenzen gegen Schorfpilze, aber auch Feuerbrand- oder Mehltauresistenzen“, so die Züchterin, die dafür die langjährigen Erfahrungen aus der Pomologie nutze, denn: „Die alten Sorten auf dem Feld sind ohne Pflanzenschutz ausgekommen!“
Unter Federführung vom apfel:gut e.V. sei 2024 das BÖL-Forschungsprojekt BioResiObst gestartet. „An elf Zuchtstandorten auf Praxisbetrieben, zu denen auch unser Betrieb gehört, erforschen wir die Krankheitsanfälligkeit verschiedener Apfel- und Birnensorten. Zahlreiche Zuchtklone aus unserer apfel:gut-Züchtung werden neben ihren Resistenzeigenschaften auch noch auf Klimaresilienz, aber auch ganz praktisch auf ihre Ertrags- und Fruchteigenschaften und damit polygene Resistenzen geprüft“, fasste Inde Sattler zusammen. „Unser Ansatz dabei ist, resiliente Systeme für Obstbaubetriebe der Zukunft mit regional angepassten Sorten zu finden.“ Nötig sei dafür viel Zeit für die Feldbeobachtung. „Eine lange Beobachtung in den Betrieben bleibt wichtig - die kann Crispr Cas nicht ersetzen!“
Meike Siebel, Landwirtschaftskammer NRW