Hohe Ferkelverluste stellen ökologische Schweinehalter seit Jahren vor große Herausforderungen. Ein neues Projekt soll praxisnahe Lösungen finden. Dr. Astrid van Asten und Dr. Jochen Krieg, Landwirtschaftskammer NRW, stellen das Projekt in einem Interview vor.
Welches Problem steht im Projekt OHFOES im Mittelpunkt?
van Asten: Es geht um die Optimierung der Haltung und Fütterung in der Ökosauenhaltung zur Verbesserung der Ferkelgesundheit (OHFOES), um die Ferkelsterblichkeit zu reduzieren. Wir untersuchen im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse verschiedene Abferkelsysteme sowie unterschiedliche Fütterungskonzepte. Parallel dazu entwickeln wir Ansätze für ein strukturiertes Gesundheitsmonitoring und erproben dieses sowohl im Versuchsbetrieb, als auch unter Praxisbedingungen. Ziel ist es, Ursachen für Ferkelverluste zu verstehen und praxisnahe, direkt umsetzbare Lösungen zu erarbeiten, die Tierwohl, Gesundheit und die Wirtschaftlichkeit ökologischer Betriebe stärken.
Wie tragen unterschiedliche Abferkelsysteme dazu bei, Ferkelverluste zu reduzieren?
van Asten: Wir vergleichen drei Abferkelbuchten, die auf Haus Düsse im Zuge der Modernisierung der ökologischen Sauenhaltung eingebaut wurden, hinsichtlich:
- Aktivität und Bewegungsverhalten der Sauen,
- Abliegeverhalten und Aufenthaltsort der Ferkel und
- Häufigkeit und Ursachen für Saugferkelverluste.
Das geschieht mithilfe von Videoanalysen rund um die Geburt und fünf Tage danach sowie Sektionen toter Ferkel. Dadurch erhoffen wir uns, Rückschlüsse ziehen zu können, welche Buchtentypen ein besonders sicheres Abliegen der Sauen fördern und wie beispielsweise die Strukturierung der Bucht das Ferkelverhalten beeinflusst. Die Analysen sollen klären, ob gegebenenfalls bauliche oder funktionelle Anpassungen helfen können, die Ferkelverluste zu reduzieren.
Welche Rolle spielen Einstreu und Nestgestaltung für Sicherheit und Wohlbefinden der Ferkel?
van Asten: Die Art und Menge der Einstreu beeinflusst das Nestbauverhalten der Sauen und die Geschwindigkeit, in der die Ferkel das Ferkelnest aufsuchen. Wir wollen herausfinden, welche Kombination von Art des Materials und Menge der Einstreu die Anforderungen bestmöglich erfüllt und einen positiven Einfluss für Sau und Ferkel liefert. Ein gut isoliertes, zugfreies Ferkelnest schafft eine stabile Wohlfühltemperatur und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Ferkel es gerne annehmen. Je attraktiver das Nest ist, desto besser bleiben sie aus dem Gefahrenbereich der Sau. Darum untersuchen wir, ob die Anordnung der Nester in der Bucht einen Einfluss auf die Ferkelsterblichkeit hat.
Welche Erkenntnisse haben Sie bisher zur Nutzung von Ausläufen durch die Ferkel?
van Asten: In der ökologischen Aufzucht steht die Nutzung des Auslaufs besonders im Fokus. Durch den nicht komplett überdachten Auslauf sind die Tiere vor allem der Sonneneinstrahlung, aber auch Starkwettereignissen beinahe ungeschützt ausgesetzt. Ein unzureichender Sonnenschutz führt zu Sonnenbrand und stellt ein reales Problem in der Praxis dar. Im Projekt möchten wir deshalb untersuchen, ob der Einsatz gesteuerter Curtains das Tierwohl verbessern kann, indem sie den Auslauf je nach Witterung gezielt beschatten oder schützen. Parallel dazu werten wir über Videoanalysen aus, wie intensiv die Ferkel den Auslauf unter verschiedenen Bedingungen nutzen und welchen Einfluss die Curtains auf das Verhalten und die Aufenthaltsbereiche der Tiere haben.
Welche Maßnahmen setzen Sie um, um die Tiergesundheit zu fördern?
van Asten: Wir führen ein regelmäßiges Gesundheitsmonitoring auf Haus Düsse und in den Praxisbetrieben durch. Dabei untersucht der Schweinegesundheitsdienst (SGD) die Sauen und Ferkel routinemäßig klinisch und entnimmt in festen Intervallen Kot- und Blutproben. Diese Proben dienen dazu, verschiedene Erreger frühzeitig zu identifizieren und mögliche Infektionsgeschehen schnell zu erkennen. Ergänzend bewertet der SGD die bestehenden Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen der Betriebe und erarbeitet bei Bedarf konkrete Verbesserungsmaßnahmen. Ziel es, Neuinfektionen schneller aufzudecken, gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten und auf dieser Grundlage ein praxistaugliches Tiergesundheitsmonitoring speziell für ökologische Betriebe zu entwickeln.
Das Projekt erprobt eine mehrphasige Ferkelfütterung. Wie wirkt sie sich auf das Wachstum aus?
Krieg: Der Nährstoffbedarf und der Anspruch an die Futtermittel, zum Beispiel an deren Verdaulichkeit, ändert sich über die Dauer der Aufzucht. Eine Fütterung in mehreren Fütterungsphasen erlaubt eine Anpassung der Futtermischungen, um einerseits junge Ferkel möglichst bedarfsdeckend zu versorgen und andererseits eine Überversorgung älterer Tiere zu reduzieren. Dementsprechend können sie das Wachstumspotenzial besser ausschöpfen.
Wie hängt die Fütterung von Sauen und Ferkeln mit der Ferkelsterblichkeit zusammen?
Krieg: Bereits im hinteren Drittel der Trächtigkeit bzw. den letzten Wochen vor der Abferkelung ist die Nährstoffversorgung der Sau und damit der Föten besonders wichtig, um möglichst vitale Ferkel mit gleichmäßigem Geburtsgewicht zu erzielen. In diesem Abschnitt spielt die Aminosäureversorgung eine zentrale Rolle. Danach beeinflusst die Fütterung der Sauen über die Milchbildung maßgeblich die Ferkelgesundheit und -entwicklung.
Ist die Sau nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, schlägt sich das auf die Ferkelgesundheit nieder – insbesondere bei großen Würfen und knapper Nährstoffversorgung. Zudem beeinflussen die aufgenommenen Nährstoffe und die Milch die Entwicklung des Magen-Darm-Trakts, die Darmintegrität und die Besiedlung des Verdauungstrakts mit Mikroorganismen. Im Projekt sollen daher Kotuntersuchungen Aufschluss geben, wie sich die Fütterung der Sau und die Saugferkelbeifütterung auf das Darmmikrobiom auswirkt.
Das Interview führte Viola Erfkämper, Landwirtschaftskammer NRW