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Reifeprüfung: Ernte von Ackergras im Gange

22.04.2026
Grasernte 1. Schnitt
Hält die Reifeentwicklung der letzten Tage weiterhin an, können am Standort Riswick bereits Ende April energiereiche Futteraufwüchse geerntet werden. 

In der vergangenen Woche stiegen die Tageshöchsttemperaturen landesweit auf über 20°C an. Die Nächte waren bei überwiegend klarem Himmel aber noch empfindlich kühl, auch wenn diese im Laufe der Woche zunahmen. 

Die milderen Temperaturen und zunehmende Tageslängen befördern das Massenwachstum beim Welschen Weidelgras und beim Grünland - zumindest in den Niederungslagen - deutlich. Am Prüfstandort Kleve stiegen die täglichen Zuwachsraten beim Welschen Weidelgras von der 15. auf die 16. KW um rund 1,4 dt TM/ha. Dieser Wert ist zuletzt sicherlich noch etwas ansteigen. Die Rohfaserwerte nahmen innerhalb einer Woche ebenfalls deutlich zu auf 0,76 % i. d. TM/Tag. Die Energiekonzentrationen lagen am 13. April bei 6,6 MJ NEL/kg TM. Das bedeutet für die Reifeprüfung am Standort Kleve, dass die optimale Schnittreife Anfang dieser Woche zu erwarten war. In der Praxis können in Abhängigkeit von Klima, Sorte und Aussaatzeit im Herbst mehr oder weniger große Abweichungen in der Reifeentwicklung zu beobachten sein. 

Grünschnittroggen legt zu

In Futterbaubetrieben wurden bereits in der vergangenen Woche, vor allem in westlichen Niederungslagen, nicht wenige Bestände mit der Winterzwischenfrucht Welsches Weidelgras geerntet, vor allem auch, um frühzeitig den nachfolgenden Silomais zu säen. 

Der Grünschnittroggen hatte am Prüfstandort Riswick bereits letzte Woche die Schnittreife inzwischen erreicht. Innerhalb der vorletzten Woche hatte der Rohfasergehalt deutlich von 22,1 auf 27,2 % i. d. TM zugenommen, während der Energiegehalt innerhalb von sechs Tagen um 0,6 % i. d. TM abgenommen hat. Dieser lag am vorletzten Montag bei 5,9 MJ NEL/kg TM bei BBHC 37. Die TM-Erträge lagen zuletzt bei 74,3 dt/ha. Die mittleren täglichen Zuwachsraten betrugen 2,8 dt TM/ha. Damit zeigt der Grünschnittroggen sein enormes Ertragspotenzial einerseits, aber auch die rasante Verschlechterung futterwertbestimmender Inhaltsstoffe andererseits. Hier kann die physiologische Entwicklung innerhalb weniger Tage von passablem Futter zu „schlechtem“, energiearmen und strukturreichem Futter führen. 

Niederungen: Grünlandernte Ende April?

Im Hinblick auf Zuwachsraten und Reifeentwicklung im Grünland sind die westlichen Prüfstandorte des Niederrheins (Kleve) aber auch der Eifel (Kall-Wahlen) schon deutlich weiter vorrangeschritten als am Standort Remblinghausen im Sauerland. Im Vergleich zum Welschen Weidelgras ist die Reifeentwicklung und Ertragsbildung auf dem Grünland aber noch zurück, auch wenn das Massenwachstum inzwischen deutlich sicht- und messbar ist. Ebenso sind die Rohfasergehalte innerhalb einer Woche deutlich angestiegen. Hält diese Entwicklung weiterhin an, können am Standort Riswick bereits Ende April energiereiche Futteraufwüchse geerntet werden. Es ist aber zu beachten, dass nennenswerte Anteile an Wiesenfuchsschwanz, als sehr frühes Gras, auch immer zu einer schnellen physiologischen Alterung des Gesamtbestandes beitragen. Dies ist insbesondere bei der ökologisch bewirtschafteten Grünlandfläche in Kleve der Fall, wo etwa 20 % RF i. d. TM gemessen wurde.

Mittelgebirge zurück

An den Mittelgebirgsstandorten in der Eifel und vor allem im Sauerland ist zwar zunehmendes Wachstum zu beobachten, die Aufwüchse sind derzeit physiologisch aber noch relativ jung. Hier ist der erste Schnitt noch nicht in Sichtweite. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Temperaturen am vergangenen Wochenende wieder deutlich gesunken. Auch in dieser Woche bleibt es vor allem in den Mittelgebirgslagen relativ kühl, sodass die physiologischen Veränderungsprozesse und die Zuwachsraten in den Mittelgebirgslagen eher verhalten sein werden. 

Die Reifeprognose im Überblick.


Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke, Landwirtschaftskammer NRW