Inzwischen dürfte die Ernte des Welschen Weidelgrases, das überwiegend in den Niederungs- und Übergangslagenlagen vor allem als Winterzwischenfrucht vor Silomais angebaut wird, abgeschlossen sein. Die trockenen und sonnenreichen Witterungsbedingungen waren optimal.
Mitunter erfolgte in der Region des Niederrheins in der vergangenen Woche bereits der erste Grünlandschnitt. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen werden Welsches Weidelgras und Grünland oftmals zusammen geerntet. Am Prüfstandort Riswick lag der TM-Ertrag beim Welschen Weidelgras am vorletzten Montag bei 64,7 dt TM/ha. Damit zeigt dieses Feldfuttergras bei optimaler Wasser- und Nährstoffversorgung sein enormes Ertragspotenzial. Die durchschnittliche Zuwachsrate zwischen dem 13. und 20. April lag bei 2,1 dt TM/Tag. Der RF-Gehalt lag zu Beginn der 17. KW bei 22,7 %, womit die optimale Schnittreife für ein relativ energiereiches Futter mit gutem Strukturwert erreicht wurde. Da die Nutzungselastizität des Welschen Weidelgrases als eher gering einzuschätzen ist, sollte mit der Ernte über das BBHC-Stadium zwischen 37 und 42 (letztes Blatt / Beginn Ährenschwellen) nicht länger gewartet werden.
Ernte bei niedrigen Rohfasergehalten
Bei der konventionell bewirtschafteten Dauergrünlandfläche am Prüfstandort Kleve lag der RF-Gehalt vorletzten Montag bei 20,5 % in der TM und dürfte derzeit etwa bei 22,5 % liegen. Die modellierten Prognosedaten des DWD liegen etwas darüber. Unter Berücksichtigung der anhaltend trockenen und sonnigen Witterung und der physiologischen Entwicklungsprozesse (0,2 bis 0,3 % RF-Anstieg/Tag), wird im Laufe dieser Woche vor allem in den Niederungs- und Übergangslagen (bis 300 m ü NN) des westlichen Landesteils ein Großteil des intensiv genutzten Grünlandes geschnitten werden. Bei hohen Anteilen an späten Sorten des Deutschen Weidelgrases im Grünlandbestand ist das vielleicht noch etwas früh, aber für viele Milchviehbetriebe mit hoher Milchleistung scheint ein RF-Gehalt von 21 bis 23 % nicht mehr der angestrebte Zielwert zu sein; vielfach wird das Grünland vielerorts deutlich unterhalb dieses Wertes geerntet.
Ökogrünland leicht zurück
Im Vergleich zur Prüfung des konventionellen Grünlandes liegt die Ertragsentwicklung auf dem ökologisch bewirtschafteten Grünland noch etwas zurück. Der Rohfasergehalt lag zuletzt auf etwa gleichem Niveau, was sicherlich auf die signifikanten Ertragsanteile an Wiesenfuchsschwanz (ca. 20 %) zurückzuführen ist.
Phänologisch und physiologisch schon relativ weit entwickelt ist das Grünland am Prüfstandort Kall-Wahlen (konventionell). Obwohl der Standort rund 500 m ü. NN liegt, wurde vorletzten Montag bereits ein Ertrag von 37,1 dt TM/ha erzielt. Der Ertrag dürfte inzwischen bei mindestens 45 dt TM/ha liegen. Die täglichen Wachstumsraten lagen zuletzt bei 1,8 dt TM/ha. Der RF-Gehalt dürfte den DWD-Prognosen bei inzwischen bei etwa 20,5 % in der TM liegen. Die Grünlandernte hat auch auf günstigen Standorten in der Eifel bereits vorletzte Woche begonnen und wird sicherlich auch in der letzten und in dieser Woche fortgesetzt worden sein, was sehr früh ist. Am ökologisch bewirtschafteten Standort liegen die Ertragsbildung und die physiologische Reife dagegen noch deutlich zurück. Ein optimaler Schnitttermin wird hier noch mindestens sieben bis zehn Tage auf sich warten lassen.
Bergland braucht noch Sonne
Gleiches gilt im Grunde auch für die beiden Prüfstandorte im Sauerland. Hier waren vor allem die Nächte und frühen Vormittagsstunden zuletzt empfindlich kalt (Tiefstwert: -2°C). Im Vergleich zur Vorwoche sind die Tageshöchstwerte in den letzten fünf Tagen aber wieder auf 17 bis 18 °C gestiegen. Auch in den höheren Mittelgebirgslagen des Bergischen Landes und des Sauerlandes hat inzwischen das Massenwachstum im Grünland eingesetzt. Auch wenn die ersten Betriebe dort wahrscheinlich wieder Anfang Mai den ersten Grünlandschnitt organisieren, liegen die physiologischen Real- und Prognosewerte an den sauerländischen Prüfstandorten derzeit noch deutlich hinter dem vermeintlichen Optimalwert bei der Rohfaser von 21 bis 22 % in der TM zurück. Legt man einen täglichen Rohfaseranstieg von 0,4 % in der TM zugrunde, so wäre dieser Wert gegen Ende der nächsten Woche erreicht.
Ausreichende Bodenfeuchte
Den Wetterprognosen zufolge hält die milde, sonnenreiche und trockene Hochdruckwetterlage voraussichtlich auch noch die nächste Woche an. In der Folge ist mit relativ hohen Rohzucker- und Fructan-Gehalten im Gras zu rechnen. Diese Wetterphase wird überwiegend in den Niederungs- und Übergangslagen, zum Teil auch in den westlichen Mittelgebirgsregionen für den ersten Grünlandschnitt bei optimalen Witterungsbedingungen genutzt, um sehr energiereiches, wenn auch zum Teil rohfaserarmes Futter vom Grünland zu ernten.
Auch wenn der April landesweit bisher relativ niederschlagsarm war, zeigen sowohl der DWD-Bodenfeuchteviewer als auch der Helmholz-Dürremonitor zumindest im Oberboden derzeit noch keine Wasserknappheit. Derzeit scheint die Wasserverfügbarkeit für Grünland in weiten Landesteilen noch ausreichend zu sein. Am vorletzten Wochenende gab es dann doch vielerorts nennenswerte Niederschlagsmengen (15 bis 25 mm); vor allem in der südlichen Landeshälfte. Lediglich auf den leichten Standorten des nördlichen Münsterlandes herrscht derzeit bereits leichter Trockenstress vor. Fallen in der nächsten Zeit weiterhin keine nennenswerten Niederschlagsmengen, wird sich der Trockenstress in dieser Region und möglicherweise darüber hinaus verstärken und ausbreiten. Denn Grünland ist eine stark wasserbedürftige Kultur.
Überblick über die Reifeentwicklung der KW 19.
Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke,
Landwirtschaftskammer NRW