Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Reifeprüfung: Grünlandernte geht weiter

21.05.2026
Grasernte Ladewagen
Um Bodenschadverdichtungen und Narbenschäden nach den vielen Niederschlägen nun möglichst gering zu halten, sollte noch das Abtrocknen der Böden abgewartet werden. 

Das dreitägige Erntezeitfenster vom 8. bis 10. Mai war zu kurz, um den ersten Siloschnitt des intensiv genutzten Grünlandes in den Mittelgebirgsregionen flächendeckend umzusetzen. 

In der 20. Kalenderwoche bestimmte ein ausgedehnter Tiefdruckkomplex das Wetter in Deutschland. Seit vorletztem Sonntag oder Montag fielen in den Mittelgebirgsregionen des Bergischen Landes und des Sauerlandes Niederschläge zwischen 40 und über 50 mm. Bezogen auf die erste Maihälfte, konnten die Niederschlagsmengen bis zu 100 mm erreichen. Bis Mitte dieser Woche blieb das Wetter wechselhaft; es kam wiederholt immer wieder zu Schauern. Für das bereits geerntete Grünland stellten die bisherigen Niederschläge eine wesentliche Grundlage für einen ertragreichen zweiten Schnitt dar. Bei den Betrieben, bei denen Ende April der erste Schnitt durchgeführt wurde, steht in der nächsten Woche bereits der zweite Schnitt an. 

Inhaltsstoffe entwickeln sich langsam

Je nach Pflanzenbestand wurde in der vergangenen Woche die optimale Schnittreife vielerorts erreicht, insbesondere dort, wo hohe Ertragsanteile an Knaulgras, Rohrschwingel, Wiesenrispe oder frühen Deutsche Weidelgras-Sorten den Bestand dominieren. Bei hohen Anteilen mittlerer und später Sorten des Deutschen Weidelgrases ist hinsichtlich der optimalen Schnittreife bislang noch nichts angebrannt. Das Ährenschieben in Mittelgebirgslagen hat dort noch nicht begonnen. 

Aufgrund der zuletzt kühlen Temperaturen gingen die Veränderungsprozesse der Inhaltsstoffe in den Gräsern relativ langsam vonstatten. Der Rohfasergehalt nahm in der vergangenen Woche täglich im Mittel wahrscheinlich nur um 0,1 bis 0,2 % zu, wie die Prognosedaten des DWD für den Prüfstandort Remblinghausen im Sauerland gezeigt haben. Da es insbesondere ab Mitte dieser Woche wieder deutlich wärmer wird, werden sich die Prozesse der physiologischen Alterung dann wieder deutlich beschleunigen. Das bedeutet, dass die Futterqualitäten im Hinblick auf den Energie- und Rohproteingehalt bei den später geschnittenen Grünlandbeständen vielerorts mittelmäßig ausfallen. 

Übersicht Reifeprognose KW 21

Nutzungselastische Sorten wählen

Die wiederkehrenden Witterungsunsicherheiten beim vermeintlich optimalen Erntezeitpunkt des Grünlandes legen nahe, den Bestand so zu entwickeln, dass eine möglichst hohe Nutzungselastik realisiert werden kann. In diesem Zusammenhang spielen mittlere und spätere Deutsche Weidelgras-Sorten im Rahmen von Nachsaatmaßnahmen eine wichtige Rolle; ebenso Weißklee und/oder Rotklee, insbesondere dort, wo die Stickstoff-Düngung kein hohes Niveau vorsieht.

Da die Böden vielerorts noch relativ feucht sind, könnte es sinnvoll sein, selbst bei milderem, trockenerem Wetter mit der Ernte noch bis zum Wochenende zu warten, um Bodenschadverdichtungen und Narbenschäden möglichst gering zu halten. 

Von Trockenstress kann derzeit und bis auf Weiteres keine Rede sein. Der oberste Bodenhorizont unter Grünland ist landesweit gut mit Wasser versorgt. Für die Ertragsbildung des zweiten Schnittes ist das eine wesentliche Basis.


Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke, Landwirtschaftskammer NRW