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Reifeprüfung: Segensreicher Regen

07.05.2026

Die Grünlandernte ist vor allem in den nördlichen und westlichen Landesteilen schon weit vorangeschritten oder gar seit Tagen im Silo. Die anhaltend trockene und sonnenreiche Witterung bot optimale Verhältnisse für eine meist schmutzarme Ernte von ertrag- und energiereichem Futter auf dem Grünland. 

Auch im Bergischen Land sowie in den südwestfälischen Mittelgebirgsregionen wurde letzte Woche bereits mit der Grünlandernte begonnen. Nicht ganz unproblematisch für die Futterernte im Hinblick auf die Rohaschegehalte sind die zahlreichen Schwarzwildschäden, die in den Mittelgebirgsregionen dieses Jahr wieder weit verbreitet sind. 

Silage nah
In Kleve wurden 30,7 dt TM/ha ökologisches Gras geerntet.

Zufriedenstellende Erträge

Am Reifeprüfungsstandort Kleve wurde die optimale Schnittreife sowohl bei konventioneller als auch bei ökologischer Bewirtschaftung Anfang letzter Woche erreicht. Der Ertrag konnte mit 37,4 dt TM/ha (konventionell) und 30,7 dt TM/ha (ökologisch) zufriedenstellen. 

Trotz des relativ niederschlagsarmen Aprils kam es in Kleve zu keiner Phase zu einer Verminderung des Wachstums. Das heißt: Trockenstress ist am Niederrhein bislang noch kein Thema gewesen. Was in den Niederungslagen noch nicht geerntet wurde, ist meist naturschutzrelevantes Grünland oder Grünland, das beispielsweise zur Erzeugung von rohfaserreichem Futter, wie Pferdeheu, genutzt wird.

Mittelgebirge liegt etwas zurück

Auch wenn in den Gunstlagen des Sauerlands einige Futterbaubetriebe bereits mit der Grünlandernte begonnen haben, ist die physiologische Reifeentwicklung bei den sauerländischen Prüfstandorten in Meschede-Remblinghausen derzeit noch zurück. So lagen die Rohfasergehalte bei den Deutsches Weidelgras dominierten Prüfflächen am Montag vergangener bei 17,1 % und bei 18,3 % i. d. TM. Unter der Prämisse, dass der Rohfasergehalt in der derzeitigen Entwicklungsphase täglich etwa um 0,4 % i. d. TM zunimmt, dürfe der vermeintlich optimale Schnitttermin mit 21 bis 23 % RF i. d. TM Ende dieser oder Anfang nächster Woche erreicht sein. Die Schnittreife ist aber auch immer eine Frage von Arten- sowie Sortenzusammensetzung. Insbesondere die späten Deutschen Weidelgrassorten sind in den Mittelgebirgslagen des Sauerlandes in der Entwicklung noch deutlich zurück.

In der Eifel (Kall-Wahlen, konventionell) ist die physiologische und phänologische Entwicklung der Gräser bereits etwas weiter als im Sauerland, wie die Reifeprüfungsergebnisse vom Montag der vergangenen Woche zeigen und aus der Tabelle ersichtlich ist. Hier ist auch laut DWD-Reifeprognose die optimale Schnittreife für Intensivgrünland inzwischen erreicht. Die Aufwüchse der ökologisch bewirtschafteten Grünlandfläche ist in der Reifeentwicklung dagegen noch um etwa eine Woche zurück. 

Tabellen Reifeprüfung KW 19

Intensives Grünland mit viel Zucker

Dort, wo bis Ende vergangener Woche der erste Silageschnitt auf Intensivgrünland erfolgte, konnten bei den entsprechenden Witterungsverhältnissen 24- bis 36-Stunden-Silagen realisiert werden. Die hohe Sonneneinstrahlungsintensität der vergangenen Woche hat für sehr hohe Zuckergehalte, insbesondere beim Deutschen Weidelgras, gesorgt. Die Werte lagen bei allen Prüfstandorten zuletzt bei deutlich über 20 %. Angesichts der zunehmenden Bewölkung der letzten Tage dürfte der Zuckergehalt wieder etwas gesunken sein.

Trockenstress in Sicht

Je nach Region wurde das Wetter Ende letzter und Anfang dieser Woche unbeständig. Tiefdruckeinfluss brachte in den vergangenen Tagen immer wieder Regenschauer, wobei die Mengen regional unterschiedlich ausfielen. Im Rheinland blieb es meist bei leichteren Schauern, während in Staulagen, wie im Bergischen Land und dem Sauerland, etwas mehr Niederschlag fallen konnte. Für die N-Wirkung der Gülle, die nach dem Schnitt vor oder bei Regen auf die Grünlandnarbe ausgebracht wurde, ist das positiv zu bewerten - ebenso im Hinblick auf die Reduzierung von Futterverschmutzungen durch Güllereste.

In den nächsten Tagen und Wochen braucht das Grünland aber noch mehr Wasser, um den Wiederaustrieb und das Wachstum des Folgeschnittes anzuregen. Der DWD-Bodenfeuchteviewer zeigte zuletzt in weiten Teilen des Münsterlandes sowie zunehmend auch des Niederrheins und des Sauerlandes und der Eifel vermehrt leichten bis mittleren Trockenstress. Von den Niederschlagsmengen der vergangenen Tage und nächsten Wochen wird maßgeblich die Ertragserwartung des zweiten Schnittes abhängen.

Die Verdunstungsraten waren zuletzt gering bis moderat. Die physiologischen Veränderungsprozesse sowie die Wachstumsraten waren deshalb deutlich verlangsamt, wie auch die DWD-Prognosedaten in den Tabellen zeigen. Bei der nächsten trockenen Phase wird dann das Gros des Intensivgrünlandes in Mittelgebirgslagen geerntet werden.


Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke,
Landwirtschaftskammer NRW