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Reifeprüfung: Teils zum zweiten Mal geschnitten

23.05.2024

Der weitaus überwiegende Anteil der Milchviehbetriebe in den Mittelgebirgslagen wird Ende vorletzter, Anfang letzter Woche unter meist optimalen Witterungsbedingungen Grünland geerntet und einsiliert haben. Zum Teil wurde auch früh geschnittenes Grünland oder Ackergras in den Niederungslagen bereits das zweite Mal geschnitten. Das Zeitfenster dafür war mit fünf bis sechs Tagen in der Regel groß genug.

Was jetzt noch an Grünlandaufwüchsen steht, ist für strukturreiches Futter - zum Beispiel für die Pferde- oder Mutterkuhfütterung eingeplant. Diese Aufwüchse haben zum Teil auch eine Relevanz für den Naturschutz.

Gräser altern schnell

Wie Reifeprüfungsdaten der Prüfstandorte sowie die Reifeprognosen des DWD zeigen, schreitet die physiologische Alterung der Gräser schneller voran. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die meisten Grasarten inzwischen den Blütenstand geschoben haben oder kurz davorstehen und die Bildung der Fasern - Zellulose, Hemizellulose und Lignin -  auch in den Blättern steigt. Zwar befinden sich die Gräser nach wie vor noch im Massenwachstum, aber die optimale Schnittreife für energiebetonte Grassilagen mit Rohfasergehalten von 21 bis 23 % in der TM ist in den Höhenlagen der Mittelgebirge inzwischen deutlich überschritten worden. Die tägliche Rohfaserzunahme lag zuletzt zwischen 0,3 und 0,4 % in der TM.

Die Rohproteingehalte lagen in diesem Jahr, zumindest bei den Prüfstandorten, auf eher mäßigem Niveau. Dagegen waren die Zuckergehalte relativ hoch. Auch die Erträge dürfen überwiegend zufriedenstellend gewesen sein. Bei extensiv oder ökologisch bewirtschaftetem Grünland bestand häufig das Problem, dass die N-Mineralisation des Güllestickstoffs aufgrund der langanhaltend nassen Böden sehr zögerlich vonstattenging. Dadurch konnten oftmals nur mäßige Wachstumsraten beobachtet werden.

Früher geschnitten als üblich

Vor dem Hintergrund des extrem frühen Vegetationsbeginns in diesem Jahr und der überdurchschnittlich milden Frühjahrstemperaturen erfolgte der erste Qualitätsschnitt tendenziell etwa eine Woche früher als im Mittel der Jahre. Wegen der häufigen Niederschlagsphasen seit Beginn der Schnittreife von Ackergras und Grünland von etwa Mitte April bis Anfang Mai waren die Ernte- und Anwelkbedingungen vor allem in den Niederungs- und Übergangslagen schwierig. Fahrspuren mit starken Bodenverdichtungen konnten wegen der oftmals sehr feuchten bis nassen Böden zur Ernte häufig beobachtet werden.

Foto: Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW

Wasser ausreichend vorhanden

Gülle, die zuletzt unmittelbar nach der Grünlandernte auf die Grasstoppel ausgebracht wurde, ist mit den zum Teil ergiebigen Niederschlägen gut eingewaschen worden, sodass es für den Folgeaufwuchs kaum Futterverschmutzungsprobleme geben wird. Die Wasserverfügbarkeit für raschen Wiederaustrieb der Gräser und hohe Zuwachsraten für den Folgeaufwuchs ist derzeit sehr gut. Einzig auf den leichten Standorten im Münsterland wurde es in der vergangenen Woche zunehmend trocken. Hier sind aber in den letzten Tagen wieder Niederschläge gefallen, sodass Trockenstress auch dort derzeit kein Thema ist.

Hiermit endet für dieses Jahr die Veröffentlichung der Reifeprüfung.


Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke, Landwirtschaftskammer NRW

Foto: Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW