Der diesjährige Gemüsebautag für Biobetriebe aller Verbände wurde zum zweiten Mal von Bioland NRW und der Landwirtschaftskammer NRW gemeinsam und in Absprache mit Demeter NRW und Naturland NRW organisiert und gestaltet. Er fand dieses Mal Mitte November auf Haus Düsse statt und war wieder einmal gut besucht.
Zwischen den Referentinnen und Referenten, den Biogärtnern und -gärtnerinnen und den Ausstellern, namentlich Bejo, Beckmann & Brehm, Mack bio-agrar, Lebosol, Hauert Manna Düngerwerke und Maltaflor, kam es zu regen Diskussionen und einem guten Ideenaustausch.
Rückblick auf die Saison
Jan Wöhning, Bioland NRW, und Dominic Baron, Landwirtschaftskammer NRW, starteten mit einem Saisonrückblick. Beide gingen dabei auf die zahlreichen Veranstaltungen von Bioland und der Landwirtschaftskammer ein und sprachen die vordergründigen Themen aus dieser Saison an: „Starker Lausdruck im Frühjahr und damit einhergehend der Virusbefall an Hokkaido-Kürbissen, der ebenso starke Lausbefall an vielen Salaten und die Wuchsdepressionen durch auftretende Nematoden waren Beispiele für die Herausforderungen der Anbausaison“, so die Berater. Weil in NRW bislang noch keine gravierenden Schäden aufgetreten sind informierten die beiden über Aussehen und Biologie der Schilfglasflügelzikade, damit die Praktikerinnen und Praktiker bei empfindlichen Kulturen eigene Flächen aufmerksam kontrollieren können.
Kohl Unterfuß düngen
Anschließend berichtete Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW, von Demoanlagen zur Unterfußdüngung im Kohlanbau auf einem Öko-Modellbetrieb der Wasserrahmenrichtline (WRRL). „Durch die Bandablage unter der Pflanzreihe im frühen Frühjahr mit 80 % des Düngebedarfs konnte drei Jahre hintereinander auf dem sandigen Standort rund eine Woche früher geerntet und eine gleichmäßigere Abreife zum Beispiel bei Brokkoli erzielt werden“, berichtete er.
Aufgrund dieser Ergebnisse wurde im Öko-Versuchszentrum Köln-Auweiler ein Exakt-Versuch zum Thema Unterfußdüngung gestartet. „Nach dreijährigen Versuchen wurde festgestellt, dass auf dem schweren Boden in Köln die Ergebnisse aus den Demoanlagen auf leichtem Boden nicht in gleicher Weise reproduziert werden konnten. Die Unterfußdüngung bringt offensichtlich auf dem schweren, sich nur langsam erwärmenden Boden in Auweiler nicht dieselbe erhoffte Verfrühung“, fasste Versuchsleiterin Dr. Ute Perkons zusammen. „Wie groß der Effekt einer Unterfußdüngung ist, ist also stark von der Bodenart abhängig“, so Perkons. Die Versuche werden fortgeführt, um detailliertere Schlüsse ziehen zu können.
Stark im Markt
Am Nachmittag stand das Thema Betriebswirtschaft auf dem Programm. Unter der Überschrift „Stark im Markt“ werden seit einiger Zeit Ideen gesammelt, um kleine Gemüsebaubetriebe mit Direktvermarktung zu stärken. Markus Puffert, Landwirtschaftskammer NRW, berichtete aus langjähriger Beratung, dass in der Vergangenheit intensiv an produktionstechnischen Fragen zur Verbesserung des Anbauerfolges gearbeitet wurde. Hier seien wesentliche Erfolge vor allem auch in der Kontrolle der Unkräuter erreicht worden. „Auf vielen Gemüseflächen kleiner und mittlerer Betriebe wird eine große Vielfalt an Arten heute ansehnlich und recht erfolgreich produziert. Durch die zunehmende Beteiligung der konventionellen Handelshäuser und des Discounts am Biomarkt ist nun aber ein Preisdruck entstanden, der unter anderem dazu geführt hat, dass sich die Verbraucher- und Erzeugerpreisepreise für Gemüseprodukte aus kleinen und mittleren Betrieben nicht mit den dort gestiegenen Kosten mitentwickeln“, merkte der Referent kritisch an.
Die Arbeitskosten im Blick
Wenn sich also die Preise nicht bewegen, ist die genaue Betrachtung der Produktionskosten im eigenen Betrieb eine wesentliche Notwendigkeit. Solch eine betriebliche Vollkostenrechnung wurde am Beispiel von Kohlrabi aus einem Biolandbetrieb dargestellt. Anhand einer Excel-Anwendung konnten alle Kosten auf Vollkostenniveau bei gegebenem Produktpreis mit den Einnahmen verglichen werden. „So wird eine wirtschaftliche Bewertung der einzelnen Kulturen im Einzelbetrieb möglich, bei einem in Aussicht gestellten Produktpreis kann außerdem die Rentabilität eingeordnet werden“, erläuterte Puffert. Da im Gemüsebau vor allem die Arbeitskosten zu Buche schlagen, rechnete der Referent anhand der konkreten Betrachtung aus dem Biolandbetrieb aus, was es für den Produktpreis bedeutet, wenn die Arbeitsstunde angemessen entlohnt und der hohe Anteil an Festarbeitskräften in der Biogärtnerei berücksichtigt werden. Die Diskussion führte zu der Frage, wie groß ein angemessener Abstand zum Mindestlohn für die Entlohnung der festen Mitarbeiter sein muss und ob sich das am Markt überhaupt realisieren lässt.
Den Betrieb ins Licht rücken
Als Angebot für eine neue Form der Gemeinschaftswerbung war Florian Rösler, Landservice NRW, eingeladen. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte liegt im Anfertigen und Einstellen von filmischen Kurz-Dokumentationen aus Betrieben mit Direktvermarktung für die Landservice-Webseite. Rößler stellte Beispiele seiner Arbeit vor und machte das Angebot, künftig mit der Unterstützung der Beratung auch für kleine Biobetriebe tätig zu werden. „Auf diesem Wege kann man die Vorzüge der Produktion in der Region im kleinen Biogemüsebetrieb für die Verbraucher bilderreich und authentisch darstellen“, ermunterte er die Anwesenden.
Versuchsfeld Mulch-Anbau
Abgerundet wurde der Gemüsebautag mit der Betriebsvorstellung des Lenßenhofs von Joachim Kamphausen und Sohn Daniel Rosiny in Mönchengladbach. Der Bioland zertifizierte Betrieb befindet sich im Übergang in die fünfte Generation und baut Gemüse, Getreide und Kartoffeln auf etwa 30 ha an. Die Vermarktung läuft über den eigenen Hofladen, Wochenmärkte und den Großhandel.
Der Betrieb hat in den letzten Jahren den Mulchanbau für sich entdeckt und dieses Jahr verschiedene Mulchmaterialien, wie Luzernelieschgras, Wickroggen und Silage, getestet. Auch unterschiedliche Ausbringungsverfahren, wie Transfer- und In-situ-Mulch, und die Pflanzung in eine dicke Mulchschicht mit dem Mulchtec-Planter wurden anhand von Bildern aus der Praxis dargestellt. Aufgrund des reduzierten Bewässerungsaufwands durch die Bedeckung sowie die vermuteten Vorteile für den Boden und das Bodenleben bleiben Vater und Sohn am Thema Mulch-Anbau dran mit dem Ziel, dieses Verfahren im Betrieb weiter zu optimieren.
Landwirtschaftskammer NRW,
Ökologische Gemüsebauberatung