Zwischen Eichen und Haseln wächst im Teutoburger Wald ein unterirdischer Schatz: Trüffel aus Westfalen. Landwirt Tassilo Pöter zeigt mit seinem Betrieb Teuto-Trüffel, dass das „schwarze Gold“ auch auf heimischem Boden gedeiht.
Wer Trüffel anbauen möchte, braucht Wissen, Geduld und die passenden Böden. Diese benötigen Kalk, damit der Trüffel wachsen und Fruchtkörper bilden kann. Staunässe und Trockenheit mag der Pilz auch nicht. Tassilo Pöter bewirtschaftet an sechs Standorten in NRW und Niedersachsen auf 4 ha Trüffelplantagen. Davon sind zwei Flächen mit rund 2 ha in Produktion, die anderen sind noch zu jung. Hier wachsen Baumarten wie Hasel, Eichen und Buchen, die mit dem Trüffelpilz eine Symbiose eingehen können.
Symbiose statt Schmarotzer
Trüffel sind keine Wurzelknollen, sondern Pilze, die in enger Gemeinschaft mit Bäumen leben. „Der Trüffel bekommt Zucker vom Baum und liefert ihm im Gegenzug Wasser und Mineralien. Das ist eine echte Win-Win-Situation“, so Tassilo Pöter im Podcast „Landfunk“ der Landwirtschaftskammer NRW. Gerade in Trockenphasen kann der Pilz den Bäumen helfen, besser an Nährstoffe und Wasser zu kommen – ein Pluspunkt angesichts zunehmender Dürreperioden. „Wir pflanzen sehr junge Bäume, die ein bis zwei Jahre alt sind, damit die Trüffelpartnerschaft wirklich gefördert wird“, erklärt er. Die gepflanzten Bäume sind bereits eine Partnerschaft mit dem Pilz eingegangen. Damit sich die Symbiose gut weiterentwickeln kann, ist es hilfreich, wenn die Bäume anfangs jung und schwach und somit auf die Unterstützung des Pilzes angewiesen sind.
Feine Nasen
Auf den Trüffelplantagen ist die Suche präzise Routinearbeit: Reihe für Reihe, Baum für Baum. Die spezialisierten Hunde, die Tassilo Pöter bei der Arbeit unterstützen, erschnüffeln die verborgenen Pilze im Boden, geben ein Zeichen und Pöter kann sie vorsichtig ausgraben und ernten. „Das ist echte Handarbeit“, erklärt er, denn jeden Trüffel erntet er einzeln. Bis die Hunde diese Ausdauer und Genauigkeit beherrschen, braucht es viel Training. Im Sommer erntet er die Plantage alle sieben Tage, später im Jahr im Abstand von zehn bis 14 Tagen. Doch bis zur ersten Ernte dauert es meist fünf bis acht Jahre. „Den Vollertrag erreichen wir erst nach 15 Jahren“, so der Trüffelbauer. In dieser Zeit heißt es: Pflegen, mulchen, kalken - und Mäuse sowie Wild fernhalten. Dazu hält Pöter das Gras kurz und mulcht die Flächen mit Laubholz-Hackschnitzeln.
Hohe Nachfrage
Trüffel sind ein Luxusprodukt, was sich auch im Preis widerspiegelt. „Wir starten im August mit etwa 500 € pro kg. Zu Weihnachten steigt der Preis oft auf 1 500 bis 2 000 €“, sagt Pöter. Im letzten Jahr erntete er rund 150 kg Trüffel. Doch der Einstieg ist teuer: Rund 20 000 € pro ha kostet allein das Pflanzgut. Dazu kommen Zäune, Bewässerung und Pflege.
„Wir haben nie genug Trüffel“, berichtet Pöter. Die Nachfrage von Restaurants, Feinkosthändlern und Privatkunden übersteigt die Produktion deutlich. Der Trüffelanbau ist nicht nur lukrativ, sondern auch umweltfreundlich. „Wir binden CO₂, fördern den Humusaufbau und arbeiten komplett ohne Chemie“, so Pöter. Zudem bietet die Kultur neue Chancen für Tourismus und Direktvermarktung: Seine Trüffelexkursionen und Kochkurse sind sehr beliebt.
Der Trüffelanbau kann für Landwirte mit kleinen, schwer zu bewirtschaftenden Flächen eine interessante Nischenkultur sein. Um den Austausch zwischen Anbauern zu fördern, gibt es seit Anfang November das „Netzwerk Trüffel“, einen Zusammenschluss von Betrieben aus verschiedenen Bundesländern. As Netzwerken hilft beim Teilen von Erfahrungen, soll die Vermarktung stärken und Wissen verbreiten.
Viola Erfkämper, Landwirtschaftskammer NRW