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Sie macht mehr aus Milch

14.08.2026
Petra Zens vom Schauhof in Willich
Petra Zens entwickelt ihre Hofmolkerei Schritt für Schritt weiter: Nach Milch, Joghurt und Eis soll künftig auch Skyr aus eigener Herstellung dazukommen.

Petra Zens aus Willich wurde vom Deutschen Landfrauenverband vor Kurzem als Unternehmerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Auf dem Schauhof hat sie mit einer eigenen Hofmolkerei neue Wege eingeschlagen. Ihr unternehmerischer Mut und ihre Innovationskraft wurden nun mit der Auszeichnung gewürdigt.

Als Petra Zens vor rund fünf Jahren ihre Hofmolkerei auf dem Biolandbetrieb eröffnete, gab es keine Garantie, dass ihr Konzept aufgehen würde. Wie viele Liter Milch sie einmal verkaufen könnte, konnte ihr niemand sagen. Die Banken wollten Zahlen, Sicherheiten und Pro­gnosen sehen. Die Bäuerin aus Willich hatte vor allem eine Idee, ein ausgearbeitetes Konzept und den Willen, mehr Wertschöpfung am Hof zu halten. Heute verarbeitet sie rund die Hälfte der Milch ihrer 90 Fleckviehkühe selbst weiter - und wurde dafür vom Deutschen LandFrauenverband als Unternehmerin des Jahres 2026 ausgezeichnet.

Die Preisverleihung fand im Juni auf dem Deutschen Landfrauentag in Essen statt und war für sie ein besonderer Moment. Die Atmosphäre in der großen Halle mit rund 5 000 Menschen habe sie überwältigt. „Als ich dann wirklich auf die Bühne musste, ist mir das Herz kurz in die Hose gerutscht“, gesteht die 54-Jährige. Dass sie gewonnen hatte, erfuhr Petra Zens erst kurz vorher. Beworben hatte sie sich Ende vergangenen Jahres, nachdem sie da­rauf angesprochen worden war. „Dann habe ich gedacht: Warum eigentlich nicht? Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich da ausgewählt werde“, erzählt sie. Umso größer war die Freude, als die Nachricht kam, dass ihr Konzept die Jury überzeugt hatte. Besonders hervorgehoben wurden dabei ihr Mut und ihre Innovationskraft.

Mut gehört dazu

„Ein bisschen Mut gehört schon dazu“, sagt Petra Zens rückblickend. Am Anfang habe sie durchaus Bedenken gehabt. „Es konnte mir ja auch keiner sagen, wie die Milch angenommen wird.“ Gerade bei den Gesprächen mit Banken sei das schwierig gewesen. Gefragt worden sei nach Vermarktungsaussichten, Verkaufszahlen und Sicherheiten - Zahlen, die es für ihr neues Projekt noch gar nicht geben konnte. Sie blieb trotzdem am Ball. „Ich wollte das machen, ich fand das gut, ich fand es auch für die Entwicklung des Betriebes wichtig. Das hat mir den Ansporn gegeben, da am Ball zu bleiben“, erklärt sie. Wenn die damals angehende Unternehmerin nach einem Banktermin enttäuscht nach Hause gegangen sei, habe sie sich gesagt: „Es gibt noch andere Banken, du versuchst es weiter.“ Die Lösung fand sie schließlich über die Regionalwert AG. Diese unterstützt nachhaltige Projekte und Neugründungen: „Sie haben mir vertraut und so konnte ich dann starten.“

Das dafür nötige Konzept hatte sie selbst erarbeitet. Erfahrungen aus einer früheren Kuhstallerweiterung halfen ihr dabei, auch wenn die Ausarbeitung für eine Molkerei deutlich anders gestrickt war. „Das war sehr mühselige Kleinarbeit, aber ich habe gedacht: Schritt für Schritt, du schaffst es und du kommst ans Ziel“, erzählt sie.

Eine eigene Molkerei

Fleckviehkuh mit Kalb
Die Milchkuhherde von Familie Zens umfasst 90 Fleckviehkühe. 

Aufgewachsen ist Petra Zens auf einem Milchviehbetrieb in Nettetal. Nach einer Ausbildung zur Industrieelektronikerin und später zur Industriekauffrau führte sie die Liebe zu ihrem Mann Peter zurück in die Landwirtschaft. Die Molkerei sei inzwischen gewissermaßen ihr dritter Beruf neben der Landwirtschaft. Der Betrieb hat vor zehn Jahren auf ökologische Landwirtschaft umgestellt und wirtschaftet seitdem nach Biolandvorgaben. Mit der Direktvermarktung hatte Familie Zens bereits vor mehr als 20 Jahren in kleinem Stil begonnen und diese nach und nach ausgebaut.

Kurz nach der Umstellung auf Bio kam die Idee einer eigenen Hofmolkerei auf. Petra Zens hatte für die Familie schon immer gerne Joghurt selbst gemacht. Gleichzeitig fragten andere Biolandkollegen nach regionaler Milch und Joghurt für ihre Hofläden. Damit war die Idee geboren: „Ich habe noch eine Zeit gebraucht und überlegt und dann gesagt: Warum eigentlich nicht? Ich mache es gerne, es gelingt mir, wa­rum sollte ich das nicht können oder schaffen?“ Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie, den Betrieb um eine Hofmolkerei zu erweitern. „Ich habe es auch als Chance gesehen, den Betrieb noch ein bisschen breiter aufzustellen und zukunftsfähiger zu gestalten, sodass nachher vielleicht auch zwei Familien davon leben können.“ Damals war noch nicht klar, ob ihr jüngster Sohn Timo in den Betrieb einsteigen würde. Mittlerweile hat er sich dazu entschieden und absolviert gerade die Fortbildung zum Agrar­betriebswirt. „Darüber sind wir auch sehr froh“, sagt seine Mutter.

Wertschöpfung am Hof halten

Mit der Hofmolkerei wollte Zens auch ein zweites Standbein für den Betrieb schaffen. „Das war auch gedacht, um ein bisschen unabhängiger zu sein von den Molkereien“, erläutert sie. Dort erfahre man den Milchpreis mitunter erst im Nachhinein und habe keinen Einfluss da­rauf. „So ist das eigentlich ein Versuch gewesen, die Wertschöpfung wirklich am Hof zu halten und in die eigene Hand zu nehmen.“

Nach der Entscheidung für den neuen Betriebszweig besuchte sie zunächst zahlreiche Schulungen, um sich das nötige Hintergrundwissen für das Betreiben einer Molkerei anzueignen. Dann beantragte sie die Umnutzung eines Altgebäudes. „Das hat leider lange gedauert. Wir haben gute drei Jahre auf die Genehmigung des Umnutzungsantrags gewartet und dann konnte es endlich losgehen mit dem Umbau“, berichtet die 54-Jährige.

Als die Hofmolkerei in Betrieb genommen werden konnte, begann Petra Zens zunächst allein, die eigene Milch zu verarbeiten. Die Nachfrage war jedoch schneller größer als erwartet. Mittlerweile ist die Molkerei seit mehr als fünf Jahren in Betrieb und Zens beschäftigt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - vom Minijobber bis zur Teilzeitkraft.

Die Milchkuhherde von Familie Zens umfasst 90 Fleckviehkühe. Von der auf dem Betrieb erzeugten Milch werden rund 50 % selbst weiterverarbeitet. Die restliche Milch geht an eine Biomolkerei, die daraus Käse herstellt. Für Petra Zens ist das auch eine bewusste Entlastung. An Feiertagen müsse die Milch dann nicht vollständig selbst verarbeitet werden. „Die Mitarbeiter haben an Weihnachten, Silvester oder Ostern auch gerne frei, und dann steht man selbst da und schafft es nicht. Das wollte ich nicht“, erklärt sie.

Demnächst auch Skyr

Neben pasteurisierter Milch, Natur- und Fruchtjoghurt wird auf dem Schauhof seit kurzem auch Eis hergestellt. Dabei soll es nicht bleiben: Als nächstes Produkt möchte die Molkereibetreiberin Skyr herstellen. Erste Versuche hat sie bereits in der Küche gemacht. In der Molkerei müsse ein neues Produkt dann aber auch in die Arbeitsabläufe passen. Besonders viel Freude macht ihr das Veredeln der Milch. „Es ist so erfüllend, nachher zu sehen, dass man da ein vernünftiges, hochwertiges Produkt stehen hat“, beschreibt sie. Wichtig sei ihr dabei, möglichst natürliche Produkte herzustellen: ohne zugesetzten Zucker, Farb- und Konservierungsstoffe oder Ähnliches.

Mitarbeiterinnen in der Hofmolkerei Schauhof
In der Hofmolkerei sind zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt – vom Minijobber bis zur Teilzeitkraft. Petra Zens ist ein gutes Miteinander in ihrem Team besonders wichtig.

Neben der Verarbeitung der Milch ist die Unternehmerin viel mit Büroarbeit beschäftigt – von der Dokumentation über Lieferscheine bis zu Rechnungen. Auch die Gewinnung neuer Abnehmer kostet Zeit. Sie beliefert Firmen, Kantinen, Bäckereien und Eisdielen. „Da steckt teilweise ein langer Prozess dahinter, von der ersten Kontaktaufnahme bis man dann an die Kunden liefert. Bei der letzten größeren Firma hat das fast zwei Jahre gedauert“, berichtet sie. Die eigenen Milchprodukte werden auf dem Schauhof auch direkt vermarktet, allerdings nur zu einem kleineren Teil. „Früher habe ich es auch persönlich gemacht, aber als es dann mit der Molkerei mehr wurde, sind wir komplett auf Automatenverkauf umgestiegen“, erzählt die 54-Jährige.

Ein gutes Team

Wichtig ist Petra Zens auch ihr Team. Wenn jemand zum Probearbeiten kommt, achtet sie da­rauf, ob die Person zu den anderen passt. „Ich habe im Moment so ein gutes Team. Das passt und macht Spaß!“, freut sie sich. In der Mitarbeiterführung helfe es, offen zu bleiben. „Wenn man ein offenes Ohr für die Mitarbeiter hat, kann man Pro­bleme anpacken, auch auf privater Ebene. Und das sind nachher die treuesten Mitarbeiter.“

Für die Zukunft blickt Petra Zens positiv nach vorn. Sie hofft, dass sich die Molkerei weiter eta­bliert und weiterhin treue Kunden hat. Schön wäre es für sie, wenn der Betriebszweig eines Tages weitergeführt wird – von ihrem Sohn, ihrer Schwägerin oder auch von einer externen Person. Jungen Frauen, die sich in der Landwirtschaft verwirklichen möchten, gibt sie deshalb eine klare Botschaft mit: „Traut es euch, seid mutig. Es werden immer Steine im Weg liegen, aber es gibt Wege und Möglichkeiten, diese zu umgehen.“


Katrin Bremer-John, LZ Rheinland