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So lassen sich Atemwegsinfekte bei Kälbern vermeiden

15.01.2026

Die nasskalte Jahreszeit ist in Sachen Tiergesundheit eine kritische Zeit. Kälber sind besonders anfällig für Atemwegserkrankungen. Welche Maßnahmen eignen sich zur Vorbeuge?

Kälber
 Damit Kälber gesund durch den Winter kommen, sind eine angepasste Fütterung, geeignete Haltungsbedingungen und gezielte Schutzmaßnahmen äußerst bedeutsam.

Im Herbst und Winter mit häufig hoher Luftfeuchtigkeit steigt bei Kälbern das Risiko für Atemwegserkrankungen deutlich an. Ihr geringer Körperfettanteil von lediglich 4 % bei entsprechend großer Körperoberfläche macht sie besonders anfällig für nasse Kälte. Die Kälber verlieren schnell Wärme und benötigen besonderen Schutz, um Atemwegsinfekten und anderen Erkrankungen vorzubeugen. Damit die Tiere gesund bleiben, sind eine angepasste Fütterung, geeignete Haltungsbedingungen und gezielte Schutzmaßnahmen äußerst bedeutsam.

Stressfaktoren minimieren

Kälte, Zugluft und Feuchtigkeit schwächen das Immunsystem und sollten möglichst vermieden werden. Grundvoraussetzung ist ein trockener sauberer Stall ohne Zugluft. Um Kältestress zu vermeiden, sollten Kälber wärmeisoliert und trocken liegen, genügend trockene und saubere Einstreu hilft zusätzlich, die Körperwärme zu erhalten. In den ersten Lebenstagen empfiehlt sich gegebenenfalls der Einsatz einer Kälberdecke.

Der Energiebedarf der Kälber setzt sich aus dem Erhaltungs- und Produktionsbedarf zusammen, wobei ersterer den Energieanteil beschreibt, welcher für grundlegende Lebensfunktionen notwendig ist. Der Erhaltungsbedarf ist abhängig von der Umgebungstemperatur. Dabei beschreibt die thermoneutrale Zone den Temperaturbereich, in dem Kälber keine zusätzliche Energie für die Erhaltung aufwenden müssen. Die optimale Temperatur von jungen Kälbern, die jünger als drei Wochen sind, beträgt 15 bis 25 °C und für ältere Kälber 5 bis 25 °C. Wird diese Temperatur unterschritten, ist zusätzliche Energie für die Erhaltung über die Futter- und Tränke-Aufnahme nötig. Um dem erhöhten Energiebedarf gerecht zu werden, gibt es folgende Möglichkeiten: 

  • Erhöhung der Tränkemenge beziehungsweise der Tränke-Intervalle
  • Erhöhung des Trockensubstanzgehaltes.

Atemwegsinfekten vorbeugen

Als prophylaktische Fünf-Tage-Kur-Anwendung hat sich die folgende Aromatherapie bewährt. Es handelt sich um eine Mischung aus Wasser, ätherischem Eukalyptusöl oder auch Teebaumöl, das schleimlösend, entzündungshemmend und antimikrobiell wirkt und die Atemwegsfunktion unterstützt. Gegebenenfalls ist Meersalz als Emulsionshemmer enthalten. Alternativ kann die Kur auch als Tinktur auf Basis von Alkohol verabreicht werden. In beiden Fällen wird sie mit einer Sprühflasche auf die Maul- und Nasenschleimhaut der Kälber gebracht. Sie stärkt das Immunsystem und minimiert Atemwegsinfekte bereits im Vorfeld. Die Dosierung liegt bei fünf Tropfen Öl pro 0,5 l Wasser. Diese Prophylaxe-Kur kann sowohl tierindividuell als auch als Gruppenbehandlung erfolgen. Ergänzend empfiehlt sich zeitversetzt die Gabe von Drosera (C 30) als homöopathisches Einzelmittel als Tropfen oder Globuli, um eine antidotische, das heißt aufhebende Wirkung auszuschließen. 

Bitte beachten: Da homöopathische Einzelmittel nicht automatisch für Lebensmittel liefernde Tiere zugelassen sind, müssen sie vom Tierarzt entsprechend umgewidmet werden und sind, wie alle apothekenpflichtigen Arzneimittel mit Indikation, ins Bestandsbuch einzutragen.


Anne Verhoeven, Landwirtschaftskammer NRW