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Speicherbecken bauen und nutzen

19.03.2026

Die Verteilung der Regenmengen wird in Zukunft eher noch ungleichmäßiger über das Jahr gesehen ausfallen, was zum einen die Möglichkeit zur Bewässerung im Sommer und zum anderen das Speichern von Regenwasser immer wichtiger macht. Hinzu kommt, dass durch den nach vorne geschobenen Vegetationsbeginn die Spätfrostgefahr eher zunimmt und deshalb auch Frostschutzberegnung an Bedeutung gewinnt. Was es beim Bau von Speicherbecken für die Beregnung zu beachten gibt und wie sie sinnvoll aufgewertet und/oder zusätzlich genutzt werden können, konnte man im Herbst beim Apfeltag in Klein-Altendorf erfahren.

Wasserspeicherbecken
Bewässerungsbecken auf einem Gemüsebaubetrieb. Regenwasser wird von den Gewächshausdächern gesammelt. Damit werden die Kulturen über Tropfschläuche bewässert.

Elke Immik, Beraterin mit Schwerpunkt Bewässerung am DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, empfahl folgende Wassermengen für die Frostschutzberegnung vorzuhalten:

  • Überkronenberegnung (40 m³/h Ausbringmenge/ha): 1200 m³/ha als Vorrat
  • Unterkronenberegnung (28 m³/h Ausbringmenge/ha): 840 m³/ha als Vorrat
  • Flipper-Beregnung nur auf die Baumstreifen (20 m³/h Ausbringmenge/ha): 600 m³/ha als Vorrat

Als Bedarf für die Zusatzbewässerung im Kernobst gab Elke Immik 500 bis 700 m³/ha/Jahr an. Der Wasserbedarf pro Tag und Hektar wird für die Sommermonate mit 9 bis 12 m³ angegeben. Bei einer Trockenperiode, in der fünf Wochen am Stück mit 10 m³/ha eine Apfelplantage bewässert wird, ergibt sich eine notwendige Wassermenge von 350 m³/ha.

Wichtiges zum Beckenbau

Vom Spatenstich des Wasserspeicherbeckens bis zur Bewässerung dauert es im Idealfall drei bis vier Monate, wenn alle beteiligten Firmen gut zusammenarbeiten und einiges an Eigenleistung eingebracht wird, gab Florin Schneider, Hubertus Beutler GmbH, zu Bedenken. „Leider dauern die Wasser- und baurechtlichen Verfahren in den meisten Fällen nochmal deutlich länger, teilweise mehrere Jahre“, bedauerte der Referent. „Teiche bis zu einem Volumen von 10 000 m³ Wasser können mit einer vorkonfektionierten Folie, die am Stück verlegt wird, gebaut werden“, so Schneider. Das habe den Vorteil, dass diese auch bei kalter und/oder nasser Witterung verlegt werden kann, wo sonst ein Verschweißen der Folie nicht möglich wäre. Um die Wasserqualität in einem Speicherbecken zu erhalten, bieten sich Pumpen für eine Umwälzung und damit eine Belüftung an. Dies ist vor allem für flache Wasserbecken nötig. „Ab einer Tiefe von 6 m bleibt die Temperaturschichtung bestehen und das Wasser kippt nicht um“, so der Experte. Auch flache Uferzonen seien da eher kontraproduktiv, da sich dort das Wasser durch die Sonneneinstrahlung schnell erwärme. „Sonne plus Wärme lassen zum Beispiel Algen wachsen“, gab er zu bedenken. Eine Möglichkeit für Pachtflächen seien Stahl-Hochtanks, die sich schnell und einfach abbauen oder umstellen lassen. 

Ein Sack als Wasserspeicher

Der Flexxotank der niederländischen Firma Flexxolutions ist ein etwas anderer Wassertank – vollständig rückbaubar und ohne viel Aufwand installiert. Laut Firmenangabe ist er für jede Art von Boden oder Untergrund geeignet. Die aufrollbaren Säcke gibt in verschiedenen Größen, bis zu einer Breite von 8 m und einer maximalen Höhe von 1,1 m. Sie fassen bis zu 1 000 m³ Füllgut und eignen sich neben Wasser auch für die Speicherung von Dünger, Benzin oder Trinkwasser. Je nach gewähltem Inhalt wird der Kunststoff des Sacks entsprechend gewählt. Die Standardfolie besteht aus einem Polyestergewebe mit beidseitiger PVC-Beschichtung. Die Preise liegen laut Angaben des Firmenvertreters bei 15 bis 20 €/m³ und die Lebensdauer ist (bis jetzt) auf 15 bis 20 Jahre ausgelegt.

Strom von der Wasserfläche

Einen zusätzlichen Nutzen könnte das Wasserspeicherbecken bekommen, wenn es mit Floating-Photovoltaik-Modulen bestückt wird. Die Firma Intech Clean Energy stellte dazu ihr Angebot vor. Die Vorteile von PV auf der Wasserfläche sind schnell aufgezählt: Stromerzeugung, weniger Verdunstung und Algenwachstum durch das Abdecken der Wasserfläche, besserer Leistung der PV-Module durch die kühlende Wirkung des Wassers. Mit dem erzeugten Strom lassen sich dann zum Beispiel die Beregnung der Obstanlagen oder - wenn es die räumliche Nähe zulässt - auch Kühlhäuser betreiben. 

Die Schwimmkörper aus dem Kunststoff HDPE, die Intech in Deutschland fertigen lässt, sind für eine Lebensdauer von 25 Jahren ausgelegt. Ist eine Anlage installiert, gibt es Wartungsstege zwischen den PV-Reihen, die für die jährliche Kontrolle und Reinigung der Module praktisch sind. Platziert werden die Anlagen immer in der Beckenmitte und dann zum Rand hin abgespannt, damit weder die Module noch die Folie Schaden nehmen kann, wenn sich zum Beispiel die Module bei starkem Wind auf dem Wasser bewegen. Die Genehmigung einer Floating-PV-Anlage erfolgt in der Regel problemlos, da es sich lediglich um die Abdeckung eines vorhandenen Bauwerks (Speicherbecken) handelt. Von den Kosten her liegen solche Anlagen nach Auskunft der Firma ungefähr bei dem Preis von Freiflächenanlagen.

Teiche ökologisch aufwerten

„Der Bau von Folienteichen gilt in NRW als schwerer Eingriff in die Natur und muss ausgeglichen werden“, erläuterte Dr. Jürgen Lorenz, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz. „Aber eigentlich ist ein Teich ein spannender Lebensraum, der viel Biodiversität bietet.“ Im Rheinland gibt es sehr wenige stehende Gewässer - anders als zum Beispiel im Alten Land, wo es viele Wassergräben gibt und auch Naturteiche aufgrund des lehmigen Bodens gut gebaut werden können. Deshalb der Apell von Dr. Lorenz an die Obstbauern vor allem aus dem Rheinland: „Baut bitte mehr Teiche!“ 

Wie sich diese ökologisch aufwerten lassen, damit beschäftigt sich ein Projekt am DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, vom dem Christine Schmitz berichtete. Zunächst geht es in dem Projekt darum, darzustellen, wie wichtig überhaupt das Vorhandensein eines Bewässerungsteiches für einen wirtschaftlich erfolgreichen Apfelanbau ist. Daneben geht es im Projekt auch um die ökologische Aufwertung, die zum Beispiel mit Bepflanzung am Ufer oder Entenhäusern auf der Wasserfläche geschehen kann. Hier zeigte sich, dass Folienteiche bereits Lebensraum für zehn bis 20 Tierarten bieten, in ökologisch aufgewerteten Teichen konnte das mehr als verdoppelt werden. Den artenreichsten Lebensraum bieten aber weiterhin naturnahe Teiche, die sich aber aufgrund der Bodenarten nicht überall errichten lassen. 


Marion Valenta, Gartenbauprofi