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Stallneubau: modern gestaltete Ausläufe

15.07.2026
Ausläufe der „Lehrwerkstätten Rind“ aus der Vogelperspektive

Die geplanten und im Bau befindlichen Ausläufe der „Lehrwerkstätten Rind“ aus der Vogelperspektive. 

Die Modernisierung der „Lehrwerkstätten Rind“ am Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft (VBZL) Haus Düsse schreitet weiter voran. Es entsteht ein neuer Milchviehbereich als praxisorientierte Ausbildungsstätte für die moderne Milchviehhaltung. 

Ziel der Modernisierung ist es, unterschiedliche Ansätze und Lösungen einer zukunftsorientierten Milchviehhaltung anschaulich darzustellen. Hinsichtlich aktueller Anforderungen aus dem Markt – insbesondere mit Blick auf Außenklimareize – nimmt die Gestaltung von Ausläufen dabei eine zentrale Rolle ein.

Verschiedene Konzepte in der Diskussion

Im gesamten Stall werden verschiedene Systeme und Konzepte gezeigt, die verdeutlichen, wie Ausläufe sinnvoll in moderne Haltungssysteme für Milchkühe integriert werden können. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Auslaufflächen je nach Ausgestaltung als Außenklimazone, aber auch als zusätzliche Bewegungsfläche, zusätzlicher Fressbereich oder als außenliegender Aufenthaltsbereich mit zusätzlichen Liegeflächen genutzt und entsprechend bewertet werden können.

Die aktuellen Vorgaben der Initiative Tierwohl unter www.haltungsform.de sehen für Laufhöfe eine Mindestfläche von 3 m² je Tier vor. Darüber hinaus können, je nach Molkerei- oder Labelprogramm, abweichende oder ergänzende Anforderungen bestehen, die bei der Planung unbedingt berücksichtigt werden müssen. 

Folgende Konzepte werden derzeit für die Gestaltung von Ausläufen diskutiert:

Nicht strukturierter Auslauf

nicht strukturierter Auslauf
Einfach umsetzbar: nicht strukturierte Ausläufe können ebenfalls zu mehr Tierwohl beitragen. 

Der nicht strukturierte Auslauf bietet Kühen einen jederzeit zugänglichen Außenbereich. Die Tiere können so frische Luft und natürliche Witterungseinflüsse erleben, wie Sonne und Niederschläge. Zudem erhalten sie einen Bewegungs- und Aufenthaltsraum außerhalb des Stalls.

In den „Lehrwerkstätten Rind“ wird dieser Auslauf mit 120 m² umgesetzt. Er konzentriert sich damit auf die Erfüllung der Mindestanforderungen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass auch reduzierte, einfach umsetzbare Konzepte einen Beitrag zu mehr Tierwohl leisten können. Entscheidend ist, dass sie durchdacht in ein betriebliches Gesamtkonzept eingebunden sind.

Strukturierter Auslauf

Auch der strukturierte Auslauf bietet den Kühen einen jederzeit zugänglichen Außenbereich. Der zusätzliche Bewegungs- und Aufenthaltsraum außerhalb des Stalls hat hierbei die Besonderheit, dass die Fläche klar strukturiert und funktional gestaltet ist. Hochboxen schaffen zusätzliche Liegeplätze, während ergänzende Fressplätze den Stress in der Herde reduzieren und das Platzangebot erweitern. Eine zentral platzierte Tränke und eine Pfahlbürste dienen als weitere wichtige Strukturelemente, die sowohl den Komfort und als auch das Tierwohl fördern.

Strukturierter Auslauf
Beim strukturierten Auslauf ist die Fläche auch funktional gestaltet. 

Auch in hygienischer Hinsicht ist der Auslauf auf dem neuesten Stand: Die Reinigung erfolgt automatisiert durch einen gülleaufnehmenden Roboter. Zudem leiten integrierte Abläufe das Regenwasser zügig ab. Dadurch bleibt die Fläche dauerhaft sauber, trocken und rutschfest – ein wichtiger Aspekt für die Gesundheit und Sicherheit der Tiere.

Innenliegender Auslauf

Eine besondere Lösung stellt dieser Auslauf im sogenannten Serrestall dar. Das Stalldach besteht aus einer flexiblen Folienkonstruktion, die bei schlechter Witterung oder bei stärkeren Niederschlägen geschlossen werden kann. So lässt sich der Wasser- oder Niederschlagsanteil und die damit verbundene Verschmutzung des Wassers mit der folgenden Lagerpflicht deutlich reduzieren.

In einem Stall mit innenliegendem Auslauf haben die Kühe rund um die Uhr reale Außenklimabedingungen. Auch der Lichteinfall würde durch die mitunter temporär geschlossene Dachfolie nicht reduziert werden. Auf zusätzliche Flächen kann verzichtet werden, was bedeutet: niedrigere Kosten, ein verbesserter CO2-Fußabdruck durch weniger versiegelte Fläche und weniger kontaminiertes Regenwasser.

Im VBZL Haus Düsse wurde für den Auslauf ein Kompostierungsbereich als großzügige Bewegungs- und Liegefläche geplant. Die Tiere können sich frei bewegen und jederzeit sowie überall ungehindert ablegen. Das trägt zu einem hohen Maß an Komfort bei.

Das eingesetzte Kompostierungsmaterial wird über im Boden verlegte Rohre kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt. Luftöffnungen sorgen dafür, dass der notwendige Gasaustausch stattfindet und die biologischen Verrottungsprozesse optimal ablaufen. Ergänzend ist eine regelmäßige mechanische Bearbeitung erforderlich: Zweimal täglich wird das Material gegrubbert oder gefräst, um eine gleichmäßige Durchmischung sicherzustellen, Verdichtungen zu vermeiden und die Funktionsfähigkeit des Systems zu erhalten.

Innenliegender Auslauf
Beim innenliegenden Auslauf ist ein Kompostierungsbereich als großzügige Bewegungs- und Liegefläche geplant.

Ganzheitliches Konzept 

Die Lehrwerkstätten Rind zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig Auslaufkonzepte in der modernen Milchviehhaltung gestaltet werden können. Von einfachen Minimallösungen bis hin zu komplex strukturierten Systemen wird deutlich: Entscheidend ist nicht nur die Fläche selbst, sondern deren sinnvolle Integration in ein ganzheitliches, zukunftsorientiertes Haltungskonzept.


Kathrin Thiemann und Maria Trilling, 
Landwirtschaftskammer NRW