Die Reifeprüfung 2026 hat begonnen. In den nächsten Wochen wird es wieder regelmäßig Informationen zur Schnittreife der Futtergräsern an den Standorten in NRW geben.
Herrschten in der Karwoche in NRW weitestgehend kühle Temperaturen vor, mit Tageshöchstwerten von 10 bis 13°C in Kleve und Tiefstwerten zum Teil unterhalb des Gefrierpunktes, gab es seit Anfang der Osterwoche einen deutlichen Temperaturanstieg. Das Thermometer stieg in den westlichen Niederungslagen diese Woche auf bis zu 21°C. In den vergangenen zehn Tagen (Stand 10. April) fielen nur geringfügige Niederschläge.
Beim Welschen Weidelgras wurden zwischen dem ersten und zweiten Schnittreifetermin in der Schnittreifeprüfung am Standort Riswick (Kleve), tägliche Zuwachsraten von rund 1,2 dt TM/ha ermittelt. Bei zunehmenden Temperaturen werden die Zuwachsraten in dieser Woche aber nochmal deutlich angestiegen sein. Im Hinblick auf die physiologischen Entwicklungen und die Entwicklungen der Inhaltsstoffe gab es keine deutlichen Veränderungen gegenüber der Vorwoche. Anhand der in der Tabelle aufgeführten BBHC-Stadien zeigt sich, dass sich das Welsche Weidelgras bereits seit vergangener Woche im Prozess des Schossens befindet. Das Massenwachstum hat also eingesetzt.
In der Ertragsbildung und physiologischen Entwicklung weiter vorangeschritten ist am Standort Riswick erwartungsgemäß der Grünschnittroggen (Sorte: Powergreen). Hier hat das Fahnenblatt bereits Anfang dieser Woche geschoben. Die Zuwachsraten der Biomasse und die physiologischen „Alterungsprozesse“ des Grünschnittroggens schreiten damit deutlich stärker und schneller voran als beim Welschen Weidelgras. Auch wenn die Temperaturen in den nächsten Tagen wieder zurückgehen, ist das Entwicklungsstadium des Ährenschwellens (BBHC 45) und der Beginn des Ährenschiebens (BBHC 51) bereits Anfang bis Mitte nächster Woche zu erwarten. Das bedeutet, dass der optimale Erntetermin für die Winterzwischenfrucht Grünschnittroggen erreicht ist. Landesweit können die Unterschiede in der Reife- und Ertragsentwicklung des Grünschnittroggens aber sehr groß sein. Hier spielt zum einen die Temperatursummenentwicklung eine Rolle. Zum anderen beeinflusst der Aussaattermin im Herbst und die Vorwinterentwicklung letztlich den Erntezeitpunkt im Frühjahr. Am Standort Riswick wurde der Grünschnittroggen bereits am 30. September 2025 ausgesät, sodass dieser gut bestockt und relativ üppig entwickelt in den Winter ging.
Neue Ökofläche in Riswick
Bei der Schnittreifeprüfung für das Grünland am Standort Riswick, wurde bei der ökologischen Bewirtschaftung in diesem Jahr eine andere Fläche als in den Vorjahren vorgesehen. Während in den Vorjahren eine reine Weidefläche herangezogen wurde, ist es in diesem Jahr eine Mähweidefläche. Bei der aktuell genutzten Fläche hat der Wiesenfuchsschwanz einen Ertragsanteil von rund 20 %. Die andere botanische Zusammensetzung hat, vor allem bei sehr frühen Gräsern wie dem Wiesenfuchsschwanz, einen signifikanten Einfluss auf die Ertragsbildung sowie die physiologischen Entwicklungsprozesse der Aufwüchse des Gesamtbestandes. Trotz der geringeren N-Düngung ist die ökologisch bewirtschaftete Prüffläche in Riswick im Hinblick auf Ertrag und Reifeentwicklung etwa auf dem Niveau der konventionell bewirtschafteten Prüffläche. Hier bleibt die Entwicklung in den nächsten Wochen abzuwarten.
Verhaltener Zuwachs bei kühlen Temperaturen
Die physiologischen Entwicklungen im Grünland und die Ertragszuwächse werden wegen der kühleren Temperaturen um die 15 Grad vor allem in Mittelgebirgslagen noch sehr verhalten sein. Die Wasserversorgung ist derzeit kein Mangelfaktor.
Hubert Kivelitz und Ingo Dünnebacke,
Landwirtschaftskammer NRW