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Startschuss für den PigPooPicker

06.11.2025
Projektteam PigPooPicker
In dem Projekt suchen die Beteiligten nach praxistauglichen Lösungen für die Schweinehaltung. 

Strohställe bedeuten mehr Tierwohl, aber auch mehr Arbeitsaufwand. Genau hier setzt das Projekt PigPooPicker an: Ein neu entwickelter Roboter soll Landwirte mit alternativer Schweinehaltung zukünftig entlasten und die Ställe sauber halten. Dazu ein Interview mit Carolin Weber, der zuständigen Beraterin für Verfahrenstechnik bei der Landwirtschaftskammer NRW. 

Frau Weber, die Schweinehaltung erlebt derzeit eine Neuorientierung hin zu Ställen mit Auslauf und Einstreu. Welche Herausforderungen sehen Sie für Landwirte?

Haltungssysteme mit Auslauf und Einstreu bringen für Landwirte vor allem einen deutlich erhöhten Arbeits- und Kostenaufwand mit sich. Während konventionelle Vollspaltenställe eine vergleichsweise einfachere Reinigung ermöglichen, sind die entstehenden Verschmutzungen in offenen, eingestreuten Systemen schwerer zu entfernen. Das bedeutet mehr Zeitaufwand für die teils händische Einbringung von Material und das Entmisten von Ställen mit Stroheinstreu.

Gleichzeitig sehen wir einen zunehmenden Fachkräftemangel, der die Situation verschärft. Und auch die Stallhygiene stellt eine große Herausforderung dar. Es ist entscheidend, dass der Landwirt den Stall regelmäßig und gründlich reinigt, um Emissionen zu reduzieren, Krankheiten vorzubeugen und das Tierwohl sicherzustellen.

Dann müsste der Landwirt diese Arbeiten irgendwie automatisieren können, um Zeit zu sparen?

Genau, deshalb ist kürzlich das EIP-Projekt PigPooPicker gestartet. Wir möchten einen autonomen Roboter entwickeln, der alternative Schweinehaltungssysteme entmisten kann – also Ställe mit Einstreu und Auslauf. 

Dabei wollen wir bestehende Robotersysteme wie den Active Cleaner aus der Pferdehaltung und den Feldfreund aus dem Hackfruchtanbau der Firma Zauberzeug GmbH für Schweine adaptieren. Dazu wollen wir eine aufnehmende Technik entwickeln, die anfallenden Kot im gesamten Stallbereich kontinuierlich aufsammelt, was zu einer Minderung von Emissionen führt und die tägliche Arbeit im Schweinestall erleichtert. 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines solchen Roboters?

Ganz klar: Die Stallumgebung selbst. Wir haben es mit Feuchtigkeit, Kot, Einstreu, wechselnden Temperaturen und lebenden Tieren zu tun. Das ist für Technik alles andere als einfach. Außerdem darf der Roboter die Tiere nicht stören oder gefährden. 

Anderseits sind Schweine selbst aufgrund ihrer Neugierde und ihres Spieltriebs eine große Herausforderung. Der Roboter muss sich durch den Stall navigieren und Verschmutzungen erkennen. Das sind komplexe Aufgaben, die eine durchdachte Kombination aus Sensorik, Mechanik und Software, sowie natürlich einen robusten Aufbau erfordern.

Wer ist alles beteiligt?

Am Projekt PigPooPicker sind verschiedene Partner beteiligt. Ich begleite seitens der Landwirtschaftskammer NRW mit meiner Kollegin Dr. Astrid van Asten das Vorhaben, indem wir unsere Expertise in Tierhaltung und Praxisberatung einbringen. Die technische Entwicklung des Roboters übernimmt die Zauberzeug GmbH: Ein innovatives Unternehmen, das bereits mit einem Entmistungsroboter für Pferdeställe auf der EuroTier mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Diese Erfahrung ist für die Entwicklung eines solchen Roboters im Schweinebereich besonders wertvoll.

Darüber hinaus sind drei landwirtschaftliche Praxisbetriebe als Testbetriebe beteiligt. Sie wirtschaften bereits seit einiger Zeit in Ställen mit Ausläufen. Die Landwirte liefern wichtige Einblicke aus dem Stallalltag und können ihre fachliche Expertise umfassend in das Projekt mit einbringen. 

Ebenfalls begleitet wird das Projekt von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Fördermittelgeber ist die Europäische Innovationspartnerschaft (EIP Agri). Das Projekt verknüpft somit Forschung, die Entwicklung von Technik und landwirtschaftliche Praxis.

Ställe mit Außenklima weisen ein anderes Emissionsverhalten auf als konventionelle, geschlossene Stallsysteme. Wie wollen Sie dem im Projekt begegnen?

Der PigPooPicker soll den Stallboden kontinuierlich reinigen, sodass Kot nicht lange liegen bleibt und sich Emissionen dadurch verringern. Das bewirkt nicht nur eine bessere Luftqualität im Stall, sondern reduziert auch insgesamt die Umweltbelastung. In weiteren Untersuchungen wollen wir herausfinden, ob die Landwirte die Einstreu im Stall länger verwenden können und somit weniger nachstreuen müssen.

Unser Ansatz ist es, durch Automatisierung die Reinigung so effizient und verlässlich zu machen, dass sie sich in offenen Haltungssystemen technisch und wirtschaftlich umsetzen lässt – trotz der komplexen Bedingungen im Außenklimastall. So wollen wir zu mehr Nachhaltigkeit in der Schweinehaltung beitragen und das Tierwohl verbessern.

Was erhoffen Sie sich langfristig vom Projekt?

Wenn wir es schaffen, eine praxistaugliche Lösung zu entwickeln, könnte der PigPooPicker ein echter Baustein für die Zukunft der Schweinehaltung sein. Wir könnten Tierwohl und Umweltstandards verbessern, ohne die Betriebe durch zusätzlichen Arbeitsaufwand zu überfordern. 

Gerade im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel und die steigenden gesellschaftlichen Anforderungen wäre das ein großer Schritt in Richtung nachhaltiger und wirtschaftlich tragfähiger Haltungsform. Außerdem hoffen wir durch den Robotereinsatz, Emissionen reduzieren zu können. Möglicherweise lässt sich das in Zukunft auch als Minderung im Rahmen der TA Luft anrechnen.


Viola Erfkämper, Landwirtschaftskammer NRW