Wer sich dem Hof Frohnenbruch aufmerksam nähert, erkennt schnell, wo der Schwerpunkt des Biobetriebs liegt: Schon an der Landstraße wirbt ein großes Schild für Eier und Fleisch von freilaufenden Hühnern und Hähnchen. Auf den angrenzenden Weiden der historischen Betriebsgebäude döst eine Herde Limousin-Rinder im Schatten alter Bäume und auf dem Feld nebenan dreht eine Sau entspannt ihre Runden im kniehohen Kleegras.
„Wir haben uns voll auf die Erzeugung und Vermarktung von hochwertigem Biofleisch spezialisiert“, sagt Betriebsleiter Klaus Bird. Er bewirtschaftet den Hof zusammen mit seiner Frau Bärbel und seinen beiden Kindern Eva und Paul. Beide haben sich frühzeitig entschieden, in den Betrieb einzusteigen und ihn später weiterzuführen. Zudem gibt es 22 festangestellte Mitarbeitende in Voll- und Teilzeit.
Alles selbst vermarkten
Dreh- und Angelpunkt der Vermarktung ist ein moderner Hofladen, über den fast alle selbst erzeugten Produkte abgesetzt werden. Entsprechend viel Raum nimmt die meterlange Fleischtheke im Laden ein. Hier finden die Kunden neben diversen Teilstücken vom Rind, Huhn und Schwein auch viele Spezialitäten, wie Rinderbratwurst, Käsekrainer oder Leberwurst aus eigener Herstellung. Dazu kommen viele Convenience-Produkte im Schraubglas, wie Apfelgulasch, fertige Fleischsoßen und Suppen, die der Betrieb ebenfalls selbst herstellt und konserviert. „Diese Convenience-Schiene kommt bei den Kunden sehr gut an, obwohl die Produkte ihren Preis haben. Für uns haben sie den Vorteil, dass wir einen Teil unseres Fleischangebots haltbar machen können. So bleiben wir flexibel“, erklärt Klaus Bird.
Insgesamt bietet der Hofladen ein Vollsortiment mit 2 800 Bio-Artikeln, von Brot über Tiefkühlpizza bis zu Reinigungsmitteln. Etwa die Hälfte davon sind eigene Produkte, alle professionell verpackt mit dem Logo des Betriebs.
Schwerpunkt Fleisch und Eier
So gelingt es dem Betrieb, nur über den Hofladen 60 komplette Rinder, 2 000 Fleischhähnchen, 120 Schweine und 180 000 Eier im Jahr abzusetzen. Nur die Schweine werden nicht komplett über diese Schiene vermarktet. Etwa die Hälfte der Tiere geht an eine große Essener Bio-Schlachterei, die sich auf Fleisch von Freilandschweinen spezialisiert hat. Für dieses ungewöhnliche und sehr erfolgreiche Betriebskonzept wurde der Hof Frohnenbruch Anfang 2025 beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau vom Bundesminister als einer von drei Betrieben ausgezeichnet.
Tiere spielten auf dem Hof nahe dem niederrheinischen Kamp-Lintfort schon immer die Hauptrolle. Bereits zu konventionellen Zeiten waren Mutterkühe die Haupteinnahmequelle. Mit der Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung 2002 entwickelte sich der Betrieb sehr dynamisch weiter. „Ein Schlüssel dafür war, dass sich meine Frau Bärbel für eine Ausbildung zur Metzgermeisterin entschied, genauso wie später meine Tochter Eva. Denn damit konnten wir statt Rindervierteln auch weiterverarbeitete Fleischspezialitäten, wie Steaks und Wurst anbieten“, erzählt Klaus Bird. Und es ermöglichte dem Betriebsleiterpaar, sich in der Tierhaltung breiter aufzustellen. So stiegen die beiden zunächst in die Haltung von Legehennen- und Masthähnchen ein und begannen ab 2018 - auf Drängen von Sohn Paul -, eine Schweinemast mit eigener Ferkelerzeugung aufzubauen.
Höchste Tierwohlstandards
Doch vor dem Produkt steht die Haltung. Und die ist auf dem Hof Frohnenbruch ungewöhnlich. „Ein optimales Tierwohl ist für uns alle eine Herzensangelegenheit. Und es garantiert eine besonders hohe Fleischqualität“, sagt Klaus Bird. Deshalb investiert die Familie deutlich mehr in die Haltung, als es die ohnehin schon strengen Bioverbandsregeln vorsehen. So werden nicht nur die Legehennen, sondern auch die Masthähnchen ganzjährig in Mobilställen gehalten - eine absolute Ausnahme in diesem Segment. Auch die ganzjährige Freilandhaltung von Schweinen auf wechselnden Kleegrasflächen wird nur selten umgesetzt, ist aber für das Tierwohl ideal.
Der große Aufwand für die besonders artgerechte Haltung ist natürlich mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden. Das muss sich laut Klaus Bird auch in den Preisen niederschlagen, damit es sich für den Betrieb rechnet. Im Schnitt liegen sie etwa 30 bis 40 % über den ohnehin schon relativ hohen Preisen für Bio-Fleischprodukte.
Tue Gutes und rede darüber
Dass die Kunden dennoch gerne kommen und bereit sind, diesen Mehrpreis zu zahlen, führt zu einem Lieblingsthema des Betriebsleiters: der Kommunikation. „Wir betreiben eine besondere Art von Landwirtschaft, die mit größerem Aufwand und höheren Preisen verbunden ist. Für unser Konzept ist es elementar, diesen Zusammenhang immer wieder gut zu vermitteln. Und das mache ich einfach sehr gerne“, sagt Bird. Ein wichtiger Teil der Kommunikation beginnt im digitalen Bereich mit regelmäßigen, alle zwei Tage veröffentlichten Podcasts auf zwei Social-Media-Plattformen und einer stets aktuellen und sehr professionell aufgebauten Website. Die Infos reichen von der Geburt eines Kalbes bis zur Ankündigung von Veranstaltungen auf dem Betrieb. Darum kümmert sich eine feste Mitarbeiterin. Auch zum Fernsehen und lokalen Zeitungsredaktionen pflegt die Familie ganz bewusst enge Kontakte.
„Unser Ziel ist natürlich, die Leute auf den Hof zu holen“, sagt Klaus Bird. „Denn hier können wir ihnen zeigen und erklären, wie wir die Tiere halten und warum wir dafür höhere Preise verlangen müssen.“ Auf dem Hof und den hofnahen Flächen können sich alle Kunden frei bewegen und sich anschauen, wie die Rinder gefüttert oder die Küken für die Hähnchenmast aufgezogen werden. Ein Renner sind die sogenannten Hof-Safaris, eine Rundfahrt über die Betriebsflächen auf einem Anhänger mit Strohballen. Dabei werden vor allem die Besonderheiten der Freilandhaltung von Schweinen erklärt. Das ist nach Birds Erfahrung für alle Teilnehmer immer absolut überzeugend, weil hier jeder auf den ersten Blick sieht, wie wohl sich die Tiere fühlen. Diese besondere Transparenz und die Einbindung der Kunden in die Betriebsabläufe setzen sich auch bei der Verarbeitung fort. So wurde die neu gebaute Biometzgerei ganz bewusst mit Sichtfenstern ausgestattet. Alle Besucher können jederzeit dabei zusehen, wie eine Schweinehälfte zerlegt oder Wurstbrät in Därme gefüllt wird.
Gefragte Gastronomie
Mit dem Bau des neuen Hofladens im Jahr 2022 entstand auch ein Hofcafé mit Außenbereich, dessen Terrasse direkt an einen idyllischen Weiher am Hofgebäude grenzt. Auch mitten in der Woche sind die Tische hier schon früh am Morgen gut besetzt. „Für meine Frau und mich hätte sich diese Investition nicht mehr gelohnt“, sagt Klaus Bird. „Aber die Kinder wollten unbedingt auch Gastronomie anbieten.“ Für ihn ist das Café eine weitere Chance, „Leute auf den Hof zu holen“ und ihnen das besondere Tierhaltungskonzept näherbringen zu können. „Da sind auch viele Gäste dabei, die nicht besonders bio-affin sind. Die wollen einfach an einem schönen Ort einen Kaffee trinken“, erzählt Klaus Bird. Ganz bewusst schaut er deshalb regelmäßig im Café vorbei für ein kurzes Hallo oder ein kleines Gespräch mit den Gästen. Dieser direkte Kontakt zum Landwirt kommt bei den Kunden sehr gut an, ist Bird überzeugt.
Um auch Stammgästen regelmäßig etwas Neues zu bieten, werden immer wieder neue Angebote ausprobiert, zum Beispiel Waffeln oder Bio-Eis. Dazu kommen kleinere, häufig saisonale Veranstaltungsangebote, wie Steak- und Porktastings oder das Bemalen von Ostereiern für Kinder, die sehr gut angenommen werden. Dabei profitiert der Hof auch von einem großen Einzugsgebiet am westlichen Rand des Ruhrgebiets mit etwa 1 Mio. Menschen. Die Stammkunden nehmen bis zu 20 km Anfahrt in Kauf, um im Hofladen einzukaufen oder das Café zu besuchen.
Um den Kunden zukünftig noch mehr Erlebnisse auf dem Hof bieten zu können, hat Familie Bird schon die nächste Idee entwickelt. Mit Tiny Houses direkt am Hofweiher soll es bald eine idyllische Übernachtungsmöglichkeit geben.
Jürgen Beckhoff, BÖL