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Trends in der Gülletechnik

09.04.2026

Im Bereich der Ausbringtechnik flüssiger Wirtschaftsdünger haben sich in den letzten Jahren unterschiedliche Trends durchgesetzt, einige bisweilen auch erst angekündigt. 

Gülleausbringung Fahrwerkskonzepte
Einige wenige Hersteller bieten weiterhin Fahrwerkskonzepte an, bei denen die Aufstandsfläche vergrößert wird, allerdings mit hohem technischen Aufwand. 

Der vierte, im Dezember 2025 von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vorgestellte Nährstoffbericht zeigt deutlich: Die Summe der ausgebrachten Nährstoffe ist in den vergangenen zehn Jahren eindeutig gesunken. Dies gilt sowohl für die mineralische, wie auch für die organische Düngung mit Gülle und Gärresten. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem die rückläufigen Tierbestände und geringere Einfuhrmengen vornehmlich aus den Niederlanden, welche ebenfalls mit abnehmenden Tierzahlen vor Ort zu erklären sind. Die Mengen an Gärresten aus Biogasanlagen sind aktuell ebenfalls leicht rückläufig. Ob dieses Niveau künftig gehalten werden kann, ist angesichts auslaufender Anlagen aus der EEG-Vergütung fraglich. Der Trend des geringeren Anfalls an flüssigem Wirtschaftsdünger scheint daher zunächst weiter anzuhalten. Umso wichtiger ist es, die zur Verfügung stehenden Mengen so gezielt und effizient einzusetzen wie möglich. 

Effiziente Ausbringtechnik

Maßgeblicher Hebel bei der Steigerung der Nährstoffeffizienz ist die Ausbringtechnik. In den vergangenen Jahren hat sich im Ackerbau der Schleppschlauch aus Sicht der Landwirte als Technik der Wahl etabliert. Futterbaubetriebe setzen dagegen zunehmend, auch auf Anraten der Offizialberatung, auf Schleppschuhtechnik, welche nachweislich eine höhere Nährstoffeffizienz aufweist und geringere Futterverschmutzung verursacht als die einfachere Schlauchvariante. Sinkt in Zukunft die zur Verfügung stehende Menge an flüssigen Wirtschaftsdüngern, werden eventuelle Nachteile, wie Beschädigung empfindlicher Kulturen wie Raps oder Mais zu späteren Wachstumsstadien, womöglich weniger relevant. 

Bisher nicht flächendeckend durchsetzen konnte sich die Schlitztechnik. Diese wird insbesondere auf Ackerbaubetrieben wegen ihres aggressiveren Eingreifens und Beschädigens von Pflanzen als zu nachteilig gegenüber den Alternativen bewertet und daher weniger nachgefragt. Zudem ist die Tagesleistung aufgrund geringerer Arbeitsbreiten eingeschränkt und die allgemeinen Ausbringkosten für viele Betriebsleiter im Verhältnis zu hoch. Einige, vornehmlich intensiv arbeitende Futterbaubetriebe hingegen entscheiden sich für das Schlitzen, da es eine hohe Nährstoffeffizienz aufweist, mit der Ausbringung auch eine Nachsaat möglich ist und die Geruchsemissionen auf ein Minimum reduziert werden. 

Optimalen Zeitpunkt wählen

Gülleausbringung Straßengespann
Die Logistik muss mit den steigenden Ausbringleistungen der Gespanne mitwachsen. Sie kann schnell zum Nadelöhr werden und muss daher passend dimensioniert sein. 

Die Ausgangsbedingungen zum Frühjahrsbeginn werden zunehmend unsicherer. Während das Jahr 2024 sehr feucht und damit vielfach übereinstimmend mit den Klimaprognosen vieler Wissenschaftler (feuchtere Winter, trockenere Sommer) verlief, gestaltete sich die Düngesaison 2025 aufgrund durchgängig guter Befahrbarkeit vergleichsweise entspannt. Um das Risiko zu verringern, Nährstoffe nicht zeitgerecht und zum optimalen Vegetationsstadium ausbringen zu können, wird versucht, den Bodendruck möglichst gering zu halten. Hierzu stehen unterschiedliche technische Ansätze zur Verfügung. Vor einigen Jahren boten verschiedene Hersteller Fahrwerkskonzepte an, bei denen die Gewichtsverteilung technisch optimiert wurde. Diese aufwendigen und entsprechend kostenintensiven Lösungen sind heute jedoch nur noch bei wenigen Herstellern im Programm. Durchgesetzt haben sich stattdessen zunehmend Reifendruckregelanlagen und großvolumige Bereifung mit VF Technologie für 40 % mehr Traglast bei gleichem Reifeninnendruck auf Mehrachsfahrwerken. Moderne Reifen verteilen das Gewicht über eine größere Aufstandsfläche, wodurch die punktuelle Bodenbelastung reduziert und ein bodenschonenderes Befahren ermöglicht werden. 

Wird mit dem Güllefass Gülle oder Gärrest häufig vom Lager zum Feld transportiert, ist das Verwenden einer Reifendruckregelanlage angeraten, um auf die unterschiedlichen Belastungen und Geschwindigkeiten reagieren zu können. Ein konstant niedriger Reifeninnendruck kann dann genutzt werden, wenn unbeladen (geringe Radlast) mit höherer Geschwindigkeit auf der Straße und beladen (erhöhte Radlast) mit geringer Geschwindigkeit auf dem Feld gefahren wird. In diesem Fall sind die zulässigen Traglasten gemäß den Reifentabellen der jeweiligen Hersteller vergleichbar – vereinfacht ausgedrückt ist die Belastung für den Reifen ähnlich.

Gülle verschlauchen?

Gülleverschlauchung
Container, Pumpe und Schlauchhaspel in einem Gerät vereint: So werden wesentliche Nachteile des bisherigen Verschlauchens gelöst. Vor allem die Rüstzeiten verkürzen sich erheblich. 

Ein Trend, der durch feuchte Frühjahre begünstigt wird, ist das Verschlauchen. Hierbei werden der Transport sowie die Ausbringung räumlich und zeitlich voneinander getrennt. Das Verfahren gilt aktuell als bodenschonendste Lösung. Weiterer Vorteil sind die sehr hohen möglichen Ausbringleistungen. Der technische Aufwand hält sich dank innovativer Lösungen im Rahmen, sodass geringfügige Mehrkosten bei der Ausbringung von vielen Betrieben in Kauf genommen werden. 

Stichwort Ausbringleistungen

Durch eine Konzentration von viehintensiveren Regionen und restriktivere Ausbringmöglichkeiten über das Jahr hinweg, hat sich bei der notwendigen Ausbringleistung eine deutlich erhöhte Leistungsnachfrage ergeben. Mehr Menge muss in - gefühlt - immer kürzeren Zeitfenstern ausgebracht werden. Das erfordert hohe Tagesleistungen, die sich nur mit einer effizienten Ausbringlogistik umsetzen lassen. Dazu gehört mittlerweile bei vielen zum Standard, dass das Ausbringgespann so wenig Zeit wie möglich auf der Straße verbringt. Zu unwirtschaftlich und womöglich sogar illegal aufgrund zu hoher Gewichte ist der Transport von Gülle oder Gärresten im Fass vom Lagerbehälter zum Feld. Leichte Gespanne aus Schlepper und Transportfässern bilden daher mittlerweile das Rückgrat einer wirtschaftlichen Ausbringungskette. 

Auffällig ist, dass durch sich ändernde Betriebsstrukturen die Distanzen vom Lagerort zum Feld ansteigen. Damit geht einher, dass der Transport beim gesamten Arbeitsprozess der Wirtschaftsdüngerausbringung einen wesentlichen Kostenpunkt ausmacht. Für größere Distanzen hat sich bei einigen Unternehmen derweil der Transport über LKW etabliert. Diese sind pro Stunde betrachtet günstiger als Traktoren, bieten oftmals mehr Nutzlast und einen höheren Fahrkomfort als Schleppertransportgespanne. Durch die Möglichkeit, als Agrar LKW eingesetzt zu werden, können unter Umständen auch mit T Führerschein LWK mit bis zu 60 km/h bewegt werden. Die Regel und ein wesentlicher Nachteil sind allerdings, dass für den Transport mit LKW ein entsprechend hochwertiger LKW-Führerschein erforderlich ist. Daher gilt es, betriebsindividuell abzuwägen, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen und wie sich zukünftig die Gülle- oder Gärrestausbringung inklusive der Distanzen auf dem Betrieb entwickeln werden. Bei ansteigenden Kosten für die Ausbringungstechnik sollte diese so effizient wie möglich genutzt werden. 

Gülleausbringung Saugarm
Das Umpumpen von flüssigen Wirtschaftsdüngern wird durch einen Saugarm wie hier am Beispiel eines Verschlauchungscontainers schneller und komfortabler erledigt als beim manuellen Koppeln. 

Saugarm an der Fronthydraulik

Eine weitere technische Lösung, um Rüstzeiten zu reduzieren und am Ende des Tages mehr Kubikmeter auszubringen, ist das Nutzen von sogenannten Frontansaugarmen. Dabei wird in der Fronthydraulik des Schlepperausbringgespanns ein entsprechender „Saugarm“ mitgeführt, welcher über eine Schlauchverbindung mit dem Fass im Heck verbunden ist. Beim Nachfüllen des Fasses kann der Fahrer den Ansaugarm hydraulisch aus der Kabine heraus steuern und vom Zubringerfass flüssigen Wirtschaftsdünger umpumpen, ohne die Kabine verlassen zu müssen. Bei geübten Fahrern ergibt sich durch den Einsatz eines solchen Armes ein deutliches Plus an Ausbringleistung sowie Komfortgewinn. Angeboten werden entsprechende Arme mittlerweile von einer Vielzahl von Anbietern. Kleiner Wermutstropfen - neben den Anschaffungskosten – sind die Nachteile bei der Sicht während der Fahrt und dem An- und Abbau. Ist die Technik einmal installiert, wird sie so schnell nicht entfernt und kommt daher tendenziell nur für Fahrzeuge in Betracht, die für die Ausbringung im Frühjahr über mehrere Wochen eingeplant sind. 


Alexander Czech, Landwirtschaftskammer NRW